Die Versicherungsgesellschaft Aspis Pronia gehört zu den Pionieren in der griechischen Assekuranz. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sie die erste Gruppenversicherungspolice aus und Anfang der 50er Jahre folgte die erste systematische Wiedereinführung der Lebensversicherungen. Wenig später kam in den 60er Jahren die erste Versicherungspolice in der Geschichte der Menschheit für Astronauten dazu. Mit dieser Geschäftssparte ist die Gesellschaft gross geworden. Von den Prämieneinnahmen, die gemäss CEO Paul Psomiades für das letzte Jahr über 500 Mio Euro liegen, entfallen rund 70% auf die Sparte Leben, 15% stammen aus der Motorfahrzeug-versicherung sowie 15% aus dem Bereich Feuer und Schaden.

Effort bei der Altersvorsorge

Der Versicherer hat die Dienstleistungen jüngst stark diversifiziert und versucht, mit innovativen Produkten im Bereich der Altersvorsorge und Krankenversicherung die bereits starke Position im Heimmarkt auszubauen. Über Zukäufe hat sich zudem das Filialnetz nach Zypern, Albanien, Deutschland und Schweden ausgeweitet. Mit der Swiss Life besteht ein Kooperationsabkommen für den griechischen Markt. Die Versicherungsgruppe wurde Anfang dieses Jahrzehnts wie die gesamte Branche durch den Börsencrash und die Vermögensvernichtung in den eigenen Rechnungsbüchern zurückgeworfen. Aspis Pronia kam allerdings mit einem blauen Auge davon. «Unsere Aktienbestände waren damals auf einem tiefen Niveau», sagt Firmenchef Pso- miades.

Die klassische Lebensversicherung wird heute immer mehr durch gemischte Vorsorgeprodukte ersetzt, die auch über einen Sparteil verfügen. Daneben hat sich Aspis Pronia auf neue Angebote im Bereich der Kranken- und Pflegeversicherung ausgerichtet. Dazu gehört eine Pflegeversicherung mit einer jährlichen Prämie von 400 Euro, die sich nach Abschluss pro Jahr um maximal 6% erhöht. Die innovativen Produkte haben für einen starken Wachstumsschub gesorgt.

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In der Motorfahrzeugversicherung sieht das Ertragsbild etwas anders aus. Die scharfe Konkurrenz sorge für niedrige Prämien und Margen und gleichzeitig würden die Schadenfälle zunehmen, umschreibt CEO Psomiades die aktuelle Marktsituation. Die interessanten Geschäftsfelder liegen für ihn im Bereich der Altersvorsorge, speziell mit Produkten, die über einen Renten- und einen Sparteil verfügen. Diese steuerbegünstigten Angebote für die Pensionierung ergänzen die staatlichen Leistungen. Wer einen solchen Vorsorgeplan mit einer jährlichen Prämie von 1100 Euro abschliesst, kann diesen Betrag bei der Steuererklärung in Abzug bringen.

Niedriges Prämienvolumen

Der Chef von Aspis Pronia geht davon aus, dass sich vor allem die internationalen Assekuranz-Konzerne einen deutlich höheren Anteil im Segment Leben sichern. Derzeit entfallen vom gesamten Versicherungsvolumen noch 60% auf die griechischen Gesellschaften, den Rest bestreiten multinationale Grosskonzerne. Branchenbeobachter erwarten, dass sich dieser Anteil in den nächsten fünf Jahren markant vermindern wird. Die Konzentration im einheimischen Versicherungsmarkt ist bereits im vollen Gang. Derzeit gibt es 64 Assekuranzbetriebe. «Diese Zahl wird sich halbieren», ist Psomiades überzeugt.

Griechenland weist innerhalb der EU mit 2,6% Anteil am Bruttoinlandprodukt ein unterdurchschnittliches Prämienvolumen pro Kopf der Bevölkerung aus. Das beginnt sich jedoch zu ändern. Die junge Generation schliesst speziell im Vorsorge- und Gesundheitsbereich deutlich mehr Versicherungsverträge ab. Das eröffnet der einheimischen Assekuranz neue Expansionsmöglichkeiten, die sie auch im Ausland wahrnehmen will. Die auf Osteuropa erweiterte EU umfasst über 5500 Versicherungsgesellschaften, die im zusammenwachsenden Binnenmarkt in einen Konzentrationsprozess geraten. Daran will sich auch Aspis-Chef Psomiades beteiligen. Dabei stehen für ihn die Balkanländer Bulgarien und Serbien im Vordergrund, aber er nutzt auch Kaufmöglichkeiten in den höher entwickelten Versicherungsmärkten von Westeuropa.