Man kann zwischen Produktrisiken und Emittentenrisiken unterscheiden. Ein produktbezogenes Risiko, das Anleger nur sehr schwer nachvollziehen können, ist beispielsweise das Korrelationsrisiko bei Worst of Barrier Reverse Convertibles. Je niedriger die Korrelation der Basiswerte, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer davon die Barriere berühren wird, und desto höher fällt der Coupon aus. Die Korrelation der Basiswerte zueinander schwankt während der Laufzeit. In Phasen fallender Märkte nimmt die Korrelation zwischen Aktien gewöhnlich zu, während sie in steigenden Märkten abnimmt.

Wert während der Laufzeit

Ein direkt mit der Wahl des Emittenten verbundenes Risiko ist natürlich das der Insolvenz des Emittenten. Die Insolvenz der US Investment Bank Lehman Brothers und die Umstrukturierung der gesamten Bankenlandschaft haben dem Thema neue Brisanz verliehen. Diejenigen Schweizer Banken, die trotz der Kreditkrise keine negativen Schlagzeilen durch Abschreibungen und Re-Kapitalisierungsbedarf machten, gehören nun zu den präferierten Anbietern.

Was viele Anleger nicht wissen, ist, dass die Kreditwürdigkeit eines Emittenten auch den Wert eines Zertifikates während der Laufzeit beeinflussen kann. Die Bondkomponente eines Zertifikates verliert an Wert, wenn die Bonität des Schuldners sinkt, und vermindert somit den Wert des Zertifikates auf dem Sekundärmarkt. Kapitalgeschützte Produkte können somit während der Laufzeit durchaus unter ihr Kapitalschutzlevel fallen, welches nur per Verfall garantiert ist – und dies nur vorausgesetzt, dass der Emittent nicht zahlungsunfähig wird. Folgendes Beispiel veranschaulicht den Effekt: Der Anstieg des Credit Default Swap Spreads (der Preis, den ein Anleger über dem risikofreien Zins zahlen muss, um sich gegen das Ausfallrisiko eines Emittenten abzusichern) geht einher mit einem sinkenden Zertifikatwert. Steigende Zinsen verringern den Bondwert ebenso, und damit auch den Preis des Zertifikats.

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Welche Risiken als «versteckt» gelten, hängt stark vom Informationsangebot des Emittenten an den Investor ab. Hierbei sei die Preisentwicklung eines Zertifikates auf dem Sekundärmarkt erwähnt: Als Market Maker ist der Emittent für die kontinuierliche Preisstellung der von ihm ausgegebenen Produkte verantwortlich. Die Qualität des Market Making zeigt sich in erster Linie in einem möglichst geringen Spread zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis. Der faire Wert des Produktes liegt in der Mitte zwischen den zwei Preisen, und die Differenz zwischen diesem und dem Transaktionspreis sind die Kosten, die einem Anleger bei Kauf oder Verkauf eines Produktes entstehen.

Preisstellung als Risiko

Ein weiteres Risiko entsteht dem Anleger, wenn die Preisstellung intransparent bleibt und er nicht nachvollziehen kann, ob die Bewertung angesichts der jeweiligen Marktsituation fair ist. Daher ist es wünschenswert, dass Emittenten ihren Kunden einen Produktreport zur Verfügung stellen, der die aktuelle Wertentwicklung des Produktes aufzeigt und die dafür verantwortlichen Marktbewegungen zeigt. Wie sich der Wert des Zertifikats bei Basispreisveränderungen (delta) verändert, wie sensitiv es auf Zinsveränderungen (rho) und Volatilitätsschwankungen (vega) reagiert, sind Informationen, die der Anleger zur Nachvollziehbarkeit der Wertstellung eines Zertifikates benötigt.

Einige Emittenten geben auf ihrer Website auch Value-at-Risk- Zahlen für ihre Produkte an. Ein Risikomass, welches den maximal möglichen Verlust mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit in einem festgelegten Zeithorizont angibt. Der Anleger kann die Veränderung dieser Kennzahl über die Laufzeit hinweg beobachten.

Vollständige Transparenz von Seiten des Emittenten in Bezug auf die Produkteigenschaften, aber auch die Bonität des Garantiegebers sind notwendig. Gleichzeitig sollte jeder Anleger proaktiv Informationen über die Kreditwürdigkeit des Emittenten einholen und dessen Bereitschaft testen, ihn auch nach Kauf eines Produktes über dessen Risiken und Wertveränderungen aufzuklären.