Die SNB gab den Mindestkurs auf – was ist nun Ihr Währungsszenario?
Adrian Künzi: Die Märkte wurden vom Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vor zwei Wochen schockartig getroffen. Derzeit ist man daran, die Informationen und ihre Auswirkungen zu verdauen. In den nächsten Wochen und Monaten werden sich die Märkte wieder einpendeln. Heute ist es noch zu früh, um exakte Prognosen über den Franken-Euro-Kurs zu geben.

Wie stark ist die Bank Notenstein vom Entscheid der SNB betroffen?
Auf das Handelsbuch hat der Entscheid keinen Einfluss. Der Einbruch bei den Aktien und beim Gold wurde kompensiert durch Kursgewinne bei den Obligationen. Klar werden die verwalteten Vermögen wie bei allen Vermögensverwaltern temporär etwas tiefer sein. Aber diese Vermögen betrachten wir ohnehin eher in der langen Sicht. Entsprechend sehen wir dies gelassen.

Gelassen? Viele Anleger sind beunruhigt, gerade Bankentitel haben stark gelitten.
Bei den Fremdwährungen und zum Teil beim Schweizer Aktienmarkt sehen wir Überreaktionen. Diese bieten Chancen.

Haben Sie zugekauft?
Ja, wir waren im Aktienmarkt tendenziell auf der Käuferseite. Viele Schweizer Blue Chips sind prädestiniert, eine starke, einmalige Kursänderung gut zu verkraften. Diese Konzerne werden mit den Währungsverschiebungen relativ einfach klarkommen. Schwieriger wird es bei den KMU, die exportorientiert sind, also beispielsweise Firmen aus der Maschinenindustrie mit 20 bis 30 Mitarbeitern, die für den Euro-Raum produzieren. Diese Firmen bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Hier mache ich mir Sorgen.

Themawechsel: Regelmässig tauchen Gerüchte auf, wonach die Raiffeisen-Gruppe ihre Privatbank Notenstein verkaufen will.
Ein angeblicher Verkauf von Notenstein scheint die Evergreen Story in den Schweizer Medien zu werden. Wer uns und die Strategie von Raiffeisen kennt, weiss, dass ein Verkauf absolut kein Thema ist.

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Ihr Chef, Raiffeisen-Lenker Pierin Vincenz, trug selber zum Gerücht bei. Er
wollte Notenstein an die Privatbank Vontobel verkaufen.

Ich kann angebliche Kaufgerüchte ja verstehen, zumal Notenstein eine überaus erfolgreiche Bank ist. Wir haben viele sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, haben einen  hohen Anteil von in der Schweiz ansässigen Kunden, nämlich über 70 Prozent. Zudem haben wir langjährige Kundenbeziehungen und haben in den letzten Jahren moderne Prozesse angeführt. Wir sind sehr gut aufgestellt. Entsprechend verstehe ich, wenn es da und dort Gelüste an der Notenstein gibt. Aber das sind allesamt Träume. Und wer träumt, befindet sich in einem Schlafzustand.

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