Absolute-Return-Fonds erfreuen sich grosser Beliebtheit. Es wäre jedoch falsch, zu denken, dass jedes Produkt mit der Bezeichnung Absolute Return eine sichere Sache ist, denn das Konzept wird von verschiedenen Anbietern unterschiedlich interpretiert. Entsprechend schwierig ist es, das Potenzial und die Nachhaltigkeit der verschiedenen Absolute-Return-Ansätze und -Produkte auf dem Markt zu beurteilen (siehe Kasten).

Den Anlageansatz verstehen

Auch wenn ein Absolute-Return-Produkt in der Vergangenheit attraktive Renditen erwirtschaftet hat, müssen Anleger die Marktbedingungen berücksichtigen, unter denen diese Renditen erzielt wurden. Vor breit diversifizierten Portfolios, die auf der Grundlage von Faktoren wie historische Renditen, historische Volatilität und Diversifizierung optimiert wurden, sollten sie sich hüten. Die gewünschten Risiko- und Renditeniveaus können nur erreicht werden, wenn die vergangenheitsbezogenen Daten auch für die Zukunft gelten und der Markt angemessen bewertet ist. Diese beiden Annahmen sind jedoch unrealistisch, da die Märkte selten im Gleichgewicht sind.

Bei der Verwaltung von Absolute-Return-Fonds wird häufig in Anlageklassen investiert, die in der Vergangenheit eine sehr geringe Volatilität aufgewiesen haben, aber im Vergleich zu ihrer Volatilität eine attraktive Rendite bieten. Dieser Ansatz ist mit wesentlichen Risiken verbunden: Zwar legt die Entwicklung in der Vergangenheit den Schluss nahe, dass starke Schwankungen unwahrscheinlich sind, doch können diese, wenn sie doch auftreten und man nicht darauf vorbereitet ist, enorme Auswirkungen haben.

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Daher zeichnen sich gute Absolute-Return-Manager dadurch aus, dass sie vor allem zwei Dinge berücksichtigen. Zum einen sind dies Anomalien und extreme Ereignisse, die häufiger auftreten und Möglichkeiten zur Erzielung einer zusätzlichen Performance bieten. Zum anderen achten sie auf die Qualität statt Quantität der Diversifizierung. Diversifizierung bedeutet nicht, 100 Positionen einzugehen, die auf denselben Risikofaktoren beruhen.

Unserer Ansicht nach sollte eine Absolute-Return-Strategie auf die Erreichung eines Renditeziels oberhalb des risikofreien Zinssatzes und den gleichzeitigen Schutz vor Kapitalverlusten über einen kurzen bis mittleren Zeitraum abzielen. Strategien, die Renditen über dem risikolosen Zinssatz bei gleichzeitigem Kapitalschutz auf kurze Sicht versprechen, haben zu wenige Freiräume, um die Renditeziele zu erreichen. Und Strategien, die nur auf die langfristige Vermeidung von Kapitalverlusten ausgerichtet sind, sind traditionelle, relative Ansätze, die lediglich unter einem anderen Namen laufen.

Es stellt sich die Frage, wie eine Absolute-Return-Strategie umgesetzt werden sollte, um die versprochenen Ergebnisse zu liefern. Mit einem Multi-Strategie-Ansatz, der verschiedene Performancequellen auf der Grundlage unterschiedlicher Risikofaktoren miteinander kombiniert, lässt sich das «direktionale Risiko», sprich Korrelation, im Portfolio gering halten. Performancemöglichkeiten sollten durch eine ständige Beobachtung von Fundamentaldaten und Bewertungen ermittelt werden. Ein Multi-Strategie-Ansatz kann an die geänderten Marktbedingungen angepasst werden - Fondsmanager müssen die Möglichkeit haben, das Risiko zu erhöhen, wenn der Markt dieses Risiko grosszügig kompensiert, und das Risiko zu verringern, wenn die Bewertungen überzogen sind und der Markt keinen angemessenen Risikoausgleich bietet.

2008 ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Portfoliorisiko entsprechend den Fundamentaldaten im Markt und den Bewertungen angepasst werden sollte. Vor dem Zusammenbruch der Märkte wurden die meisten risikoreichen Anlageklassen im Verhältnis zu den sich dramatisch verschlechternden Fundamentaldaten zu «teuer» gehandelt. Statt das Risiko zu reduzieren, hielten viele Marktakteure an ihren Engagements fest (oder tätigten sogar zusätzliche), was die Risiken im Vergleich zu den Ertragschancen deutlich erhöhte. Als es dann Anfang 2009 nach starken Kurskorrekturen wieder vermehrt Investitionsopportunitäten gab, waren die meisten Marktakteure nicht mehr bereit, das Risiko zu erhöhen. Viele Anleger haben daher nach wie vor ein beträchtliches Rendite-Risiko-Ungleichgewicht im Portfolio und sollten verstärkt darauf achten, das Risiko den aktuellen Opportunitäten anzupassen.

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Pragmatische Anwendung

Eine Absolute-Return-Strategie, die diesen Namen verdient, muss eine Mehrrendite (Alpha) auf der Grundlage eines sinnvollen, sorgfältigen Portfolioaufbaus und Risikomanagements generieren. Ein solides Risikomanagement erfordert eine ausgewogene Kombination von quantitativer Risikomessung, einem Stop-Loss-Ansatz und gesundem Menschenverstand. Quantitative Kennzahlen wie Value at Risk und Standardabweichung sind nützlich, müssen aber pragmatisch angewendet werden. Sich nur auf solche Kennzahlen zu verlassen, kann gefährlich sein, da die Annahmen, die der Berechnung zugrunde liegen, bei starkem Marktstress in der Regel nicht gelten. Wenn Anlageberater Fonds finden, die diese Standards erfüllen, dürften sie auch Fonds finden, die stetige absolute Renditen erzielen - vor allem in turbulenten Marktphasen, wenn Kunden sie am meisten brauchen.

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