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Betrug
Verteidiger sieht Behring als Sündenbock

Ehepaar Behring in Bellinzona: «Abenteuerliche» Ausführungen der Verteidigung. Keystone

Im Prozess gegen Dieter Behring hat sein Privatverteidiger eine gewagte Hypothese aufgestellt. Das Verfahren gegen neun weitere Beschuldigte sei aus Effizienzgründen eingestellt worden.

Veröffentlicht am 30.05.2016

Zum Prozessauftakt gegen den Financier Dieter Behring hat dessen Privatverteidiger eine Hypothese aufgestellt: 2012 müsse es zwischen Bundesstrafgericht und Bundesstaatsanwaltschaft hinsichtlich der Anklage gegen die ursprünglich zehn Beschuldigten zu einer Abstimmung gekommen sein.

Deshalb habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen neun Beschuldigte eingestellt. Nur jenes gegen Behring sei weitergeführt worden, weil der Fall sonst vom Bundesstrafgericht nicht mehr hätte bewältigt werden können. In den Akten sei von all dem nichts zu finden.

Richter ermahnt Verteidiger

Im Sommer 2012 habe die Bundesanwaltschaft den Abschluss des Verfahrens bekannt gegeben, erläuterte der Privatverteidiger Bruno Steiner. Man habe deshalb damit rechnen können, dass im September Anklage erhoben werde. Dies sei nicht geschehen, wofür es einen Grund geben müsse. Bruno Steiner zweifelt an der Erklärung der Bundesanwaltschaft, dass das eingeführte Controlling bei der Bundesanwaltschaft zu einer Fokussierung auf Behring geführt habe.

Der vorsitzende Richter des Bundesstrafgerichts Daniel Kipfer Fasciati ermahnte den Privatverteidiger, keine Behauptungen aufzustellen. Er nannte die Ausführungen von Steiner «abenteuerlich».

Michael Lauber muss aussagen

Steiner beantragte nochmals die bereits bewilligte Befragung von Bundesstaatsanwalt Michael Lauber. Um die Ereignisse im Sommer 2012 und das Fallenlassen des Verfahrens gegen Behrings Mitbeschuldigte nachzeichnen zu können, forderte er zudem die Berichte des Controllings der Bundesanwaltschaft sowie die Befragung der entsprechenden Controller.

Ausserdem möchte er die Anklageschriften von 2012 sehen, so diese tatsächlich erstellt worden seien. Am Nachmittag will sich Steiner noch zur Anklageschrift und zu weiteren Punkten äussern. Behring wird nebst Steiner vom amtlichen Verteidiger Roger Lerf vertreten. Ob dieser Behring ausreichend verteidigt hat, ist umstritten.

(sda/gku)

 

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