Sie waren letzte Woche am World Economic Forum (WEF). Was hat es Ihnen gebracht?

Roland Berger: Davos ist immer eine grossartige Gelegenheit, all unsere Kunden an einem Ort zu treffen und Meinungsführer aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen weltweit. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten dominierten die Agenda. Die amerikanische Wirtschaft steht nach Meinung vieler kurz vor einer Rezession.

Wie wird sich die Kreditkrise der USA auf die Wirtschaft auswirken?

Berger: Je nach Land, Branche und Unternehmen sehr unterschiedlich: Diejenigen, die stark vom US-Markt abhängig sind, auch der Exportriese China, werden in diesem Jahr sicher besondere Schwierigkeiten zu überwinden haben. Branchen und Länder hingegen, die Investitions- und Infrastrukturgüter, Chemikalien und teuere Luxusgüter vor allem für die stark wachsenden Schwellenländer herstellen, wird die Entwicklung weniger treffen.

Und in der Schweiz?

Berger: Das hier wichtige Bankenwesen ist natürlich davon berührt. Die Frage lautet, wie schnell es gelingen wird, die Subprime-Krise und ihre Folgen zu überwinden und damit das Vertrauen in den Finanzplatz Schweiz aufrechtzuerhalten. Ich denke aber nicht, dass Deutschland und die Schweiz einen drastischen Einbruch erleben werden. Viele Unternehmen rechnen in Euro ab und handeln innerhalb Europas. Zwar wird der schwache Dollarkurs rund 15 bis 20% der Firmen betreffen, aber dafür werden ganze Volkswirtschaften und Sektoren auch entlastet – denken wir etwa an die Öleinfuhren.

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Unternehmen, die primär vom US-Markt abhängen, könnten besonders häufig Beschäftigte entlassen. Das würde die Konsumstimmung weiter trüben. Das Wirtschaftswachstum in Europa wird sich wohl etwas verlangsamen – um maximal 0,5% –, aber das bedeutet weder eine echte Rezession noch einen massiven Beschäftigungseinbruch.

Welche Herausforderungen werden auf die Manager in Zukunft zukommen?

Berger: Das erste Problem besteht darin, mit dem Phänomen der älter werdenden Bevölkerung zurechtzukommen. Dazu braucht es innovative, kapitalintensivere und produktivere Unternehmen. Gleichzeitig müssen Firmen die Voraussetzungen für eine höhere Beschäftigungsquote von Frauen und älteren Arbeitnehmern schaffen. Zweitens verschieben sich in Folge der Globalisierung die Gewichte: Im Jahr 1900 haben die Europäer noch 25% der Weltbevölkerung ausgemacht; im Jahr 2000 noch etwa 12%, im Jahr 2100 werden es noch um die 4% sein. Und entsprechend wird sich die Bedeutung einzelner Volkswirtschaften wandeln. Es wird neue Märkte und neue Wettbewerber aus den schnell wachsenden Schwellenländern geben. Wir müssen unsere Wertschöpfung und unsere Unternehmenskultur dahingehend anpassen. Drittens wird sich der technologische Wandel weiter beschleunigen. Produkte und Dienstleistungen werden noch schneller veralten, und das wird weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung erfordern – bei einem immer mobileren Markt für Talente und Kapital.

Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen die Manager vermehrt im Bereich der «soft factors» geschult werden. Könnte da noch mehr getan werden?

Berger: An den europäischen Universitäten werden solche Fähigkeiten praktisch nicht vermittelt – der Unterricht ist noch zu sehr sachbezogen. Eigenschaften wie Führungs- und Teamfähigkeit, Kommunikation und Kreativität werden kaum geschult.

 

Roland Berger zu hohen Managerlöhnen:

Tops und Flops am WEF 2008: