Die Annahme, institutionelle Anleger wären krisenresistenter, weil professioneller als Privatanleger, trifft leider nicht ganz ins Schwarze. Der State Street Investor Confidence Index zeigt, dass das Vertrauen institutioneller Anleger in Europa seit Juni kontinuierlich gesunken ist. Der Index misst die Stimmung institutioneller Anleger anhand des effektiven Kauf- und Verkaufsverhaltens.

Im Juli, dem Beginn der US-Hypothekenmarktkrise, fiel der Index von 98,1 auf 87,1 Punkte. Im September zeigte sich mit einem Fall von 86,6 auf 82,3 Punkte ein weiterer Vertrauensverlust unter den europäischen Institutionen. In den USA sprechen die Daten eine etwas andere Sprache.
Während im Juli mit einem Rückgang von 107 auf 95,5 Punkte noch ein massiver Vertrauensverlust zu sehen war, stieg der Index im August auf 117,1 Punkte und damit viel deutlicher an, als er gefallen war. Im September fiel die Stimmung allerdings auch bei den amerikanischen institutionellen Anlegern wieder zurück, der Index sank um mehr als zehn Punkte.
Das Vertrauen der Anleger widerspiegelt ihre Bereitschaft zu einem grossen Aktienanteil in ihrem Portfolio. Während institutionelle Anleger in den USA in der zweiten Julihälfte und Anfang August also Aktien kauften, wie Ken Froot, Harvard-Professor und Index-Verantwortlicher, erklärt, haben sich in Europa nicht nur Privatanleger, sondern auch Institutionen aus dem Markt verabschiedet. Dass die professionellen Investo-
ren eine stabilisierende Kraft während des aktuellen Marktumsturzes waren, wie dies die State-Street-Index-Verantwortlichen schreiben, gilt deshalb wohl nur für die USA.
Angesichts der Tatsache, dass es vor allem auch institutionelle Anleger waren, die unter dem verlorenen Vertrauen in Kreditderivate und andere neuartige Finanzprodukte zu leiden hatten, ist dies aber wohl kaum sehr erstaunlich. Wenn sogar die Banken und andere Finanzmarktexperten in die Falle tappten, kann man es den professionellen Anlegern kaum ankreiden, dass sie sich von verlockenden Renditen zu immer höheren Risiken verleiten liessen.
Angesichts der zunehmenden Produktvielfalt gilt es nun, die Lehren aus der aktuellen Krise zu ziehen und neue Investments von allen Seiten zu beleuchten, jedoch nicht alles zu verdammen. Denn ohne Zweifel bieten viele der neuen Anlagevehikel den professionellen Investoren sinnvolle Diversifikations- und Renditemöglichkeiten. Den goldenen Schlüssel zu kostenloser und dauerhafter Rendite werden aber auch diese nicht bieten können.