Eigentlich waren wir, als wir 2001 die Totemo gründeten, mit unserem Angebot noch zu früh, denn mangelnde Sicherheit im E-Mail-Verkehr war damals noch kein grosses Thema», erinnert sich Dario Perfettibile, CEO des Softwareunternehmens Totemo. Ausserdem bekam die junge Firma schon kurz nach dem Start das Platzen der Internetblase unangenehm zu spüren. Anderseits gewannen die Jungunternehmer bald schon eine Privatbank als Kunden.

Die Jahre 2002 und 2003 waren schwierig. Doch die Beharrlichkeit von Totemo hat sich gelohnt. Ab 2004 ging es richtig aufwärts. Heute zählt Totemo mehr als 40 Grossunternehmen in ganz Europa zu ihren Kunden. Diese setzen auf TrustMail, eine Software für die Verschlüsselung von vertraulichen E-Mails. Solches Secure Messaging ist besonders dort gefragt, wo wichtige Daten via Internet hin- und hergeschickt werden: Bei Versicherungen, Krankenkassen, Banken, aber auch in der Industrie. «Jedes Unternehmen mit E-Mailbasierten kritischen Geschäftsaktivitäten muss sich die Sicherheitsfrage stellen», betont Perfettibile. Zu Schub verholfen hat der TrustMail, die es in einer Enterprise- und einer Professional-Version gibt, auch das Signaturgesetz, das in der Schweiz seit 2005 in Kraft ist.

Der Nobody gewinnt

Im für Totemo wichtigen Nischenmarkt herrschte 2002 noch Flaute. Inzwischen hat sich jedoch ein richtiger Boom entwickelt. Kein Wunder, mangelt es nicht an Konkurrenten. Der bekannteste ist die amerikanische PGP. «Wir sind aber, gerade weil wir uns sehr früh auf die Sicherheit konzentriert haben, bezüglich Produktreife heute weiter als unsere Konkurrenten und setzen in der Branche den Benchmark», so der Chef. Da erstaunt es nicht, dass Totemo bei Ausschreibungen gleichsam als Nobody immer wieder namhaftere Unternehmen aussticht.

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Doch was heisst hier Nobody? «Inzwischen sind wir in ganz Europa bekannt», sagt Perfettibile. Mit Stolz erwähnt er, dass man die WTO-Ausschreibung für die Lieferung einer Secure-Messaging-Lösung für die gesamte Bundesverwaltung gewonnen hat. Auch die Schweizerische Post und die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) verwenden TrustMail.

Bewährt hat sich offenbar auch die Strategie, die Software in-house mit den eigenen Ingenieuren zu entwickeln. «‹Made in Switzerland› ist in unserem Geschäft wichtig, denn das schafft Vertrauen und bürgt für Seriosität.» Ausgelagert wird folglich nur, was nicht zur Kernkompetenz gehört. Zudem erlaubt das vor Ort versammelte Know-how schnellen und kompetenten Support der Kunden.

Totemo will in Europa wachsen

Beide TrustMail-Versionen basieren auf der gleichen Software-Architektur, funktionieren nach etablierten internationalen Standards und zeichnen sich durch transparente Bedienung und hohe Effizienz aus. Um zu veranschaulichen, welche Technik letztlich dahintersteckt, holt Perfettibile zu einer eleganten Lektion über die drei wichtigsten Verschlüsselungsalgorithmen aus. Kapiert? Da hilft kein Graben im mathematischen Schulwissen.

Von den neun Beschäftigten der Totemo sind sieben in der Entwicklung und im Support tätig, mehrheitlich sind es ETH-Ingenieure und Ingenieure von Fachhochschulen. Den Vertrieb und teils auch die Implementierung besorgen rund ein Dutzend Partner. Nebst dem Heimmarkt Schweiz spielt für den Absatz vor allem Deutschland eine wichtige Rolle. Dort sind es ebenfalls Unternehmen aus der Finanzbranche wie zum Beispiel die HSH Nordbank, welche die Kundenliste zieren.

«Der Markt in der Schweiz und in Deutschland dürfte aber in ein paar Jahren gesättigt sein», glaubt Perfettibile. Deshalb hat er weitere Länder wie Frankreich, Italien und England ins Auge gefasst, weil dort Secure Messaging gerade erst richtig zum Thema wird. Auch in der neuen Finanzmetropole Dubai ist Totemo präsent.

Mit Blick in die Zukunft will Perfettibile zudem mit neuen Produkten diversifizieren. Zwei Patentanmeldungen sind derzeit am Laufen. Vor über einem Jahr hat die Firma eine E-Mail-Verschlüsselungssoftware für den bei Managern beliebten Handheld von Blackberry lanciert. Die Strategie der Zukunft ist in einem Vierjahresplan festgelegt. Dieser sieht die Entwicklung von vier neuen Produkten und ein leichtes personelles Wachstum auf zwölf Beschäftigte bis Ende 2008 und auf 20 bis Ende 2010 vor.