Seit 15 Jahren reise er nun schon fast wöchentlich nach China. «Aber so etwas habe ich noch nie erlebt», enerviert sich der Schweizer Geschäftsmann. Er steht vor dem Schalter im Chinesischen Konsulat in Zürich, wedelt mit seinem Visa-Antrag. Dieser ist zwar korrekt ausgefüllt und er hat auch eine gültige Flugreservation – aber die Hotelbestätigung fehlt. Eine solche brauche er nicht, weil er in seinem Büro in Schanghai ein Bett habe. Seine Erklärungen fruchten nicht: Er verlässt schnaubend das Konsulat.

Kostspielige Verzögerungen

Arbeitsalarm in Schweizer Geschäftsreisebüros. Die per 15. April ohne Vorankündigung lancierte Verschärfung der Visa-Vergabe durch den chinesischen Staat hat zu einem markanten Beratungs-mehraufwand geführt.

«Die neue Regelung stösst bei unseren Kunden auf Unverständnis und verunsichert sie», sagt Beat Bürer, CEO Schweiz des britischen Veranstalters Hogg Robinson Group (HRG). Im Dschungel der diversen Auflagen, die für eine Einreisebewilligung in China neuerdings notwendig sind, finden sie sich kaum zurecht. Eine umfassende Beratung sei notwendig, sagt Bürer, damit die eingereichten Unterlagen zur Beantragung des Reisevisums auch vollständig seien. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu unangenehmen, möglicherweise kostspieligen Verzögerungen.

Gerade in einer solch unübersichtlichen Situation seien die Dienste des Reiseveranstalters besonders gefragt, sagt Walter Ruggli, Geschäftsführer von Carlson Wagonlit (CWT) in der Schweiz. Genutzt werden diese von immer mehr Kunden. Denn der Geschäftsreiseverkehr zwischen der Schweiz und China hat in den letzten Jahren fast exponentiell zugenommen. Fachleute schätzen, dass heute jährlich mehrere 10000 Geschäftsreisen ab Schweizer Flughäfen in Richtung China unternommen werden.

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Den grössten Mehraufwand für Reiseveranstalter und ihre Kunden bringt die neue chinesische Regelung mit sich, bis auf weiteres keine Mehrfach-Visa mehr auszustellen. Wer bis anhin mit einem solchen Dokument mehrmals in China ein- und ausreisen konnte, muss neu für jeden Trip ein separates Visum beantragen. «Dieses ist wenigstens innerhalb von 24 Stunden erhältlich», sagt Walter Ruggli. Aber selbst Geschäftsreisende mit gültigen Dokumenten müssen sich bei der Einreise in China zurzeit auf Schwierigkeiten gefasst machen. Wie Beat Bürer berichtet, sei in den letzten Wochen zwei Geschäftsleuten und HRG-Kunden, die in Besitz eines gültigen Jahresvisums seien, in Schanghai und Peking ohne ersichtlichen Grund die Einreise verweigert worden. In solchen Fällen können selbst die Reiseveranstalter nicht helfen.

Anlässlich ihrer China-Reise, die Bundesrätin Doris Leuthard als Passagierin des Swiss-Jungfernflugs nach Schanghai am 9. Mai unternehmen wird, dürfte die Visa-Problematik in den Gesprächen mit der lokalen Regierung kaum zum Thema werden, sagt Leuthards Sprecher Christophe Hans. Die Geschäftsreisenden wird das nicht freuen.