Die SBB korrigiert die am Donnerstag gemachten Angaben des Regierungsrates betreffend der Abschaffung von Warn-Durchsagen an Bahnhöfen und der Einführung eines neuen Warnsystems. Es werde kein neues Warnsystem eingeführt, so die SBB. Man wolle stattdessen künftig auf Warnsysteme verzichten.

An Zürcher Bahnhöfen wird auch in Zukunft nicht generell vor durchfahrenden Zügen gewarnt. Die heute an wenigen Bahnhöfen gemachten Durchsagen «Achtung Zugsdurchfahrt» gelten als nicht zielführend und werden nur noch in Stettbach und Hardbrücke beibehalten. Daran ändert auch der Unfall in Kloten nichts.

Wer hinter der Linie bleibt, ist sicher

Für die SBB ist klar: Wer sich auf dem Perron hinter der weissen Linie aufhält, ist sicher und wird nicht durch vorbeifahrende Züge gefährdet. Deshalb muss auch nicht vor Durchfahrten gewarnt werden.

Zwei Ausnahmen auf ZVV-Gebiet gibt es allerdings, die Bahnhöfe Stettbach und Hardbrücke, in denen es zu Stosszeiten etwas eng werden kann. Wie ein SBB-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage der sda sagte, wird dort auch in Zukunft mit einer Durchsage gewarnt.

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An den wenigen anderen Stationen, an denen es bisher Durchsagen gab, werden sie eingestellt. In Oerlikon, dem einzigen Bahnhof auf ZVV-Gebiet mit relativ vielen Durchfahrten, ist damit Schluss, sobald die Perrons fertig ausgebaut sind. Die Anlagen sind dann genügend breit, auch in Stosszeiten.

Kinderwagen rollte auf Gleise

An allen Bahnhöfen Warn-Durchsagen einzuführen, hält die SBB für nicht zielführend, da diese die Sicherheit nicht erhöhen würden. An dieser Haltung ändert auch der tragische Unfall von Ende April in Kloten nichts, bei dem ein Kinderwagen mit einem Baby auf die Geleise rollte und unter einen Güterzug geriet. Das Kind starb.

Die Mutter, die gerade damit beschäftigt war, am Automat ein Billett zu lösen, bemerkte offenbar nicht, dass ein Güterzug heran rollte. Was damals genau passierte, wird gegenwärtig von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) untersucht.

Die SBB will diesen Bericht abwarten, um allfällige Lehren aus dem Unfall zu ziehen. Sofortmassnahmen wurden in Kloten keine ergriffen.

Vier Unfällte in zehn Jahren

Der Unfall rief auch Zürcher Kantonsräte auf den Plan. Die CVP wollte in einer Anfrage vom Regierungsrat wissen, wie Personen auf Perrons besser geschützt werden könnten. Gemäss der Antwort vom Donnerstag obliegt dieses Thema der SBB.

Nach Auskunft der SBB ereigneten sich im Kanton Zürich in den vergangenen zehn Jahren einschliesslich des Unfalls in Kloten vier Vorfälle mit Kinderwagen. Bei den anderen drei Vorfällen waren die Wagen jedoch leer, die Kinder blieben unverletzt.

Falsch-Information durch den Stadtrat

Der Richtigstellung der SBB ist ein Statement des Regierungsrats vorausgegangen. An Zürcher Bahnhöfen werde ein neues System eingeführt, um wartende Personen vor durchfahrenden Zügen zu warnen: Künftig würden Blinklichter und ein gut hörbarer Ton auf die herannahende Gefahr aufmerksam machen. Die «Achtung Zugsdurchfahrt»-Durchsagen würden daher abgeschafft.

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Dies schrieb der Zürcher Regierungsrat in einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf eine CVP-Anfrage. Hintergrund des Vorstosses war der tragischer Unfall Ende April. Gemäss Angaben des Regierungsrates hätte - unabhängig von diesem Unfall - ein neues System eingeführt werden sollen. Die SBB stellte nun die Aussagen des Regierungsrats richtig. 

(awp/sda/dbe/ama)