Von der Produktentwicklung über die Produktion bis zu den Value Added Services und der Auslieferung hält der Glaswarenhersteller Ritzenhoff AG mit Sitz im sauerländischen Marsberg die gesamte Wertschöpfungstiefe im eigenen Haus. 35 Mio Trinkgläser produziert das Unternehmen pro Jahr für nahezu alle namhaften Brauereien und Mineralbrunnen.

Für die Fachhandelbelieferung kommen Sonderprodukte und Porzellanwaren der australischen Marke Maxwell & Williams hinzu, für die Ritzenhoff exklusiver Vertriebspartner in Deutschland, Benelux und Österreich ist. «Unsere Lageranforderungen sind weniger auf hohe Umschlaggeschwindigkeit als auf Masse und eine hohe Stellplatzkapazität ausgelegt», erklärt Ritzenhoff-Prokurist Bernd Giesler, technischer Leiter in Marsberg. «Als wir aufgrund der steigenden Nachfrage ein neues Logistikzentrum planten, wollten wir darin folglich nicht nur vier Lagerstandorte konzentrieren, sondern zugleich die Lagerkapazität sowie die logistischen Abläufe optimieren und Bereiche für Mehrwertdienste einrichten.»

Die entsprechende Lösung realisierte die Ritzenhoff AG zusammen mit SSI Schäfer, einem der führenden Generalunternehmer für Lager- und Logistikanlagen. Resultat der Zusammenarbeit ist ein effizientes Logistikzentrum mit einer Gesamtnutzfläche von 11735 m2 und einem intelligenten Materialflusskonzept, das exakt auf die Anforderungen des Glaswarenproduzenten ausgerichtet ist.

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Verschieberegale im Kommen

Insgesamt rund 15000 Palettenstellplätze sind für die 3500 verschiedenen Artikel im Ritzenhoff-Logistikzentrum verfügbar. Dabei verfügt das Kernstück der Anlage über knapp 12000 Stellplätze: Auf einer Fläche von nur rund 5000 m2 sind vier Lagerblöcke mit jeweils einer in ihren Ausmassen von rund 42 x 25 x 13 m beeindruckenden Verschieberegalanlage installiert. «Unsere Kunden fordern oft die Auslieferung kompletter Produktionsaufkommen», erklärt Bernd Giesler. «Für deren Pufferung und Bereitstellung sind wir häufig kurzfristig mit einer hohen Stellplatzbindung konfrontiert. Daher ist die Einrichtung von Verschieberegalanlagen, die Platz sparen und ein Maximum an Stellplätzen vorhalten, nach unseren Planungen die optimale Lösung.»

«Verschieberegale haben sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Regalsystem entwickelt», stellt Roland Fischer, Gruppenleiter Vertrieb Verschieberegale bei SSI Schäfer und zuständiger Projektleiter, fest. «Bei gleicher Lagerkapazität lässt sich mit ihnen ein um 50 bis 60% verringerter Flächenbedarf erzielen.» Die Einsatzmöglichkeiten verfahrbarer Regalsysteme reichen daher inzwischen quer durch alle Branchen.

Der Anteil, den solche Systeme am Umsatz der Hersteller im Bereich Palettenregale ausweisen, liegt bereits im unteren zweistelligen Bereich. Als wettbewerbsdifferenzierende Merkmale gelten in diesem Segment vor allem die Verwendung und die Leistung von Qualitätsteilen bei Steuerungstechnik, Motoren, Lichtschranken und Fahrwerksteilen sowie die Bereiche Beratung und Service.

Fünf Tore stehen in dem neuen Lagerkomplex für Warenein- und Warenausgang zur Verfügung. Pro Jahr bis zu 250 Container und pro Tag ein gutes Dutzend Lastwagenladungen liefern dort das Lagergut an, das nicht aus der eigenen Produktion kommt. Mit Unterstützung durch Stapler und mit einem Teleskopförderband erfolgt die Entladung. Direkt an die Ladetore grenzt eine rund 30 x 50 m grosse Freifläche in der Halle, die je nach Bedarf flexibel als Bereitstellungs- oder Bearbeitungsfläche genutzt werden kann.

Als Puffer für auftragsfertig vorkommissionierte Paletten ist nahe der Hallenwand im Wareneingangsbereich zudem ein Palettendurchlaufregal mit zwei übereinander gelagerten Schächten installiert - 64 Paletten können darin für den Versand vorgehalten werden. In einem weiteren Festregalsystem über drei Ebenen können nochmals über 100 Paletten gepuffert werden.

Täglich 150 Paletten

Nach der Wareneingangs- und Qualitätskontrolle werden die Paletten zur Einlagerung an eine Förderstrecke übergeben - bis zu 150 Paletten pro Tag. Während des Transportes erfolgt die Erfassung von Gewicht und Grösse der Paletten. Zudem werden Einlagerungspaletten gegebenenfalls automatisch umwickelt. Anschliessend übernimmt ein Verschiebewagen die Paletten und stellt sie auf separaten Stichen zur Einlagerung im Kommissionierbereich oder im Nachschubpuffer der Verschieberegalanlage bereit. An den jeweiligen Übergabepunkten nehmen Schubmaststapler die Paletten ab und lagern sie nach Vorgabe des Lagerverwaltungssystems ein.

Ein Teil der Artikel kommt direkt in die Kommissionierbereiche. Auf zwei Etagen wird bei Ritzenhoff kommissioniert: Auf der unteren Ebene ist eine siebengassige Palettenregalanlage (PR 600) mit rund 1500 Palettenstellplätzen über drei Palettenhöhen eingerichtet. Aus ihnen werden kartonierte Porzellanwaren kommissioniert. Die zweite Ebene wird zunächst von einem Vertikalförderer versorgt. Dort stehen in sechs Gassen weitere 1500 Palettenstellplätze für die Kommissionierung von Glaswaren des Produzenten zur Verfügung. Die Einlagerung erfolgt mit Schubmaststaplern.

Eine Besonderheit bildet die erste Gasse mit Kolli-Durchlaufregalen für die Einzelstückkommissionierung mit jeweils vier Ebenen pro Feld von SSI Schäfer integriert. Daraus erfolgt bei Ritzenhoff die Kommissionierung kleinvolumiger Schnelldreher. Alle Auftragsartikel werden schliesslich auf Paletten oder in Kunststoff-Transportbehältern («Schäfer-Boxen») kommissioniert und an Übergabeplätzen den sechs Verpackungsarbeitsplätzen bereitgestellt. Der Transport erfolgt dabei automatisch über sensorgesteuerte Fördertechniken.

Als Nachschubregal für die Kommissionierbereiche sowie als Pufferregal für Aufträge/Abrufe von ganzpalettigen Grossbestellungen dient die Verschieberegalanlage. Knapp 12000 Stellplätze für Europaletten mit einem Einzelgewicht von bis zu 1000 kg sind in den 42 verfahrbaren und acht festen Regalzeilen der vier Anlagen- blöcke verfügbar.

Basis der mobilen Konstruktion bildet das Palettenregal PR 600 von SSI Schäfer. Jedes Regalfach ist im Mass auf Europaletten mit Überstand ausgerichtet und bietet eine Stellplatzhöhe von 2,13 m - pro Regalzeile sechs solcher Regalfächer über- und elffach nebeneinander.

Bei den verfahrbaren Doppelregalzeilen, die jeweils von zwei Zeilenseiten Palettenstellplätze bieten, kommen auf diese Weise insgesamt 516 Stellplätze pro Doppelzeile zusammen, was für die zehn bis zwölf Fahrwagen pro Regalzeile eine Maximallast von bis zu 516 kg je Regalzeile bedeutet. Gleichwohl bewegen sich die rund 13 m hohen und rund 40 m langen Zeilen beim Öffnen der Gassen nahezu flüsterleise und gleichmässig. «Wenn das statische Optimum zwischen Belastung und Feldweite errechnet ist, sind der Konzeption von Verschieberegalen kaum Grenzen gesetzt», erläutert Fischer.