Die Credit-Suisse-Aktionäre haben dem scheidenden Konzernchef Brady Dougan eine Ohrfeige verpasst: An der letzten Generalversammlung des Amerikaners in Zürich sprachen sich nur noch rund zwei Drittel der Anteilseigner für den Vergütungsbericht aus. Für eine Genehmigung hätte eine Mehrheit von 50 Prozent genügt. 2014 war der Vergütungsbericht noch mit rund 81 Prozent der Stimmen abgesegnet worden.

Dougan erhält für das Vorjahr 9,7 Millionen Franken an Grundlohn und Bonus, obwohl die zweitgrösste Schweizer Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu einer Milliarden-Strafe verdonnert worden war.

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Ziel: Mindest 85 Prozent

Er interpretiere das Ergebnis als Aufforderung, im nächsten Jahr noch «mehr an der Transparenz zu arbeiten», so dass mindestens 85 Prozent erreicht werden könnten, kommentierte Verwaltungsratspräsident Rohner die Abstimmung. Nach dem Ja zur Abzocker-Initiative ist das Votum der Aktionäre bindend.

Die Generalversammlung gewährte der Bankführung Entlastung: Die Décharge kam mit einem Ja-Anteil von 94,28 Prozent durch. Weiter stimmten die Aktionäre einer Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2014 von 0,70 Franken je Aktie aus Kapitalreserven in Form einer Wahldividende zu.

Aktionärsberater: Erhöhung nicht ausreichend begründet

Der einflussreiche US-Aktionärsberater Iss hatte seinen Kunden im Vorfeld der Versammlung bei der nicht bindenden Lohn-Abstimmung zu einer Ablehnung geraten. Die Credit Suisse habe die Erhöhung von Dougans Grundlohn um 20 Prozent nur unzureichend begründet. Die Löhne der Spitzenmanager bei Credit Suisse gehörten bereits zu den höchsten unter den europäischen Grossbanken, erklärte Iss.

Kritik erhielt die CS von der Aktionärsvereinigung Actares: Präsident Rudolf Meyer monierte die Vergütung des Managements als überzogen und sprach von einer «Bedienungsmentalität». Er hielt dem Management auch magere Fortschritte bei der Förderung der Frauen in Kaderfunktionen vor.

Vorwurf: «Gehaltsexzesse»

Dougan musste sich immer wieder gegen Vorwürfe wehren, er sei ein Abzocker, nachdem er vor fünf Jahren einen Rekordlohn von 90 Millionen Franken eingestrichen hatte.

Im Juni übernimmt Tidjane Thiam das Steuer bei Credit Suisse. Ein Kleinaktionär forderte den nicht anwesenden Thiam auf, sich mit den «Gehaltsexzessen» seines Vorgängers auseinanderzusetzen.

Rohner will weitere zehn Jahre bleiben

Der aus Afrika stammende Thiam ist zurzeit Konzernchef des britischen Versicherers Prudential. «Tidjane Thiam, das Managementteam und ich arbeiten intensiv zusammen, um sicherzustellen, dass wir die Bank auf Kurs halten und einen reibungslosen Übergang gewährleisten», erklärte Dougan. Viele Anleger hoffen, dass Thiam das riskante und teure Investmentbanking stärker zurückfährt als sein Vorgänger.

Wie weit Thiam gehen kann, hängt auch von seinem Chef ab: Präsident Urs Rohner erklärte, er wolle noch mehrere Jahre bei Credit Suisse bleiben. «Ich bin seit zehn Jahren bei der Credit Suisse und habe durchaus die Absicht, dies nochmals solange zu tun», sagte er einem Aktionär.

Dougan selbstkritisch

Dougan schlug beim Blick zurück auf seine acht Jahre auf dem Chefsessel der Credit Suisse auch selbstkritische Töne an. Die Bank habe das Ausmass der neuen regulatorischen Anforderungen unterschätzt - ebenso wie das Ausmass der Unzufriedenheit der Öffentlichkeit mit der Bankbranche. Auch bei strategischen Fragen habe er Fehler gemacht.

(reuters/awp/tno)