Nach dem Hackerangriff auf das renommierte US-Sicherheitsinstitut Stratfor häufen sich die Fragen. Unklar ist etwa, ob die Angreifer tatsächlich zu der Hackergruppe Anonymous gehören.

Bei der Hackerattacke wurden E-Mail-Bestände und Kreditkarten-Informationen entwendet. Danach berichteten Kunden über Überweisungen in ihrem Namen an wohltätige Organisationen. Ziel der Aktion sei es, «mehr als eine Million Dollar» als Weihnachtsspenden an gemeinnützige Einrichtungen umzuverteilen, hiess es beim Kurznachrichtendienst Twitter von mutmasslichen Anonymous-Mitgliedern.

Zugleich kursierte im Internet aber ein Dementi im Namen von Anonymous, in dem es hiess, die Vereinigung habe nichts mit dem Angriff zu tun gehabt. Man respektiere die Arbeit von Stratfor als Medienquelle.

Stratfor bietet seinen Kunden Analysen zu aktuellen geopolitischen Sicherheitsfragen wie Terrorismus, politische Umwälzungen oder Machtwechsel in einzelnen Ländern. Dem Unternehmen werden enge Kontakte zum US-Geheimdienst CIA nachgesagt.

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Widersprüchliche Angaben

Auch über die Ziele der Attacke zur Weihnachtszeit gab es widersprüchliche Angaben. In einem anderen Artikel wurden die Kreditkarten-Informationen als nebensächlicher Ertrag der Aktion bezeichnet. Das wahre Ziel sei gewesen, die Kontakte von Stratfor zu Geheimdiensten und Rüstungsindustrie offenzulegen.

Die Anonymous-Bewegung setzt sich für den freien Datenfluss, Redefreiheit und gegen Zensur ein. Unter dem Decknamen starteten Aktivisten schon zahlreiche Angriffe auf Banken, Kreditaktenfirmen, oder auch auf staatliche Einrichtungen.

Die Hacker-Vereinigung ist aber nur locker organisiert, im Prinzip kann jeder sich für sie ausgeben, ohne dass das Gegenteil bewiesen werden kann. Ebenso könnte auch das Dementi ein Fälschung sein. Eindeutig ist bisher nur, dass die Stratfor-Website gehackt wurde. Sie war auch am Dienstag nicht erreichbar.

Schaden für Wohltätigkeitsorganisationen

Der IT-Sicherheitsexperte Mikko Hypponen wies darauf hin, dass die Spenden den Wohltätigkeitsorganisationen am Ende eher schaden denn nützen dürften.

Die Kontoinhaber und Banken würden die Überweisungen umgehend zurückfordern und dadurch entstünden den unrechtmässig beschenkten auch noch Kosten, so Hypponen im Blog des Sicherheitssoftware-Spezialisten F-Secure.

(tno/vst/sda)