Die angespannte Lage der Commerzbank drückt auch bei den Mitarbeitern auf die Stimmung: Nur ein Drittel der Beschäftigten würde das Institut als kompetenten Finanzdienstleister im privaten Umfeld weiterempfehlen, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und zitierte eine im Intranet des Konzerns veröffentlichte Umfrage, an der sich zwischen September und Oktober rund 25'000 Mitarbeiter beteiligten.

32 Prozent würden das Institut demnach ihren Freunden und Bekannten ausdrücklich nicht empfehlen. Als attraktiven Arbeitgeber sehen nur 30 Prozent die Commerzbank, während 39 Prozent das explizit bestritten.

Die Commerzbank selbst stuft die Antworten als nicht zufriedenstellend ein. Die Mitarbeiter würden auch von der negativen Berichterstattung über die Bankenbranche im Allgemeinen und zur Commerzbank im Besonderen beeinflusst, zitierte die Zeitung den Zentralbereichsleiter Managementberatung, Karl-Heinz Grosse Peclum. Er verwies darauf, dass die Bank daran arbeite, den Mitarbeitern im Privatkundengeschäft eine grössere Freiheit zu ermöglichen und den Verkaufsdruck abzubauen.

Die Commerzbank hat insgesamt rund 59'000 Mitarbeiter.

Weihnachtsfeiern gestrichen

Allerdings stehen die Mitarbeiter angesichts der Kapitallücke unter grossem Sparzwang. Viele Weihnachtsfeiern wurden gestrichen, nun sollen laut «FAZ» auch Reisekosten deutlich gedrückt werden. Zudem sollen rechnen externe Lieferanten so weit wie möglich in die zweite Hälfte 2012 verschoben werden. Zudem würden Einschnitte bei der Vergabe von Immobilienkrediten erwartet.

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Die Commerzbank muss auf Geheiss der europäischen Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni 2012 eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schliessen. Der Vorstand will das unbedingt aus eigener Kraft und ohne neuerliche Staatshilfe schaffen. Das stösst laut der Zeitung in Teilen der Belegschaft auf Unverständnis.

Derweil hat die deutsche Bundesregierung den wiederaufgelegten Bankenrettungsfonds Soffin weitgehend auf mögliche Commerzbank-Hilfen zugeschnitten. Einem Befreiungsschlag käme es gleich, wenn der Bund die in Staatsanleihen der Euro-Schuldenländer stark investierte Krisentochter Eurohypo übernehmen würde.

Stolz, bei der Commerzbank zu arbeiten

Trotz der Probleme macht der Umfrage nach zwei Dritteln der Mitarbeiter ihre Arbeit Spass. 41 Prozent sind stolz darauf, für das zweitgrösste deutsche Geldhaus zu arbeiten.

Mitarbeiterbefragungen gibt es bei der Commerzbank seit der Übernahme der Dresdner Bank 2008 regelmässig. Der diesjährige «Commerzbank Monitor» ist der dritte. «Man befragt die Mitarbeiter nicht deshalb, um schöne Zahlen zu erhalten, sondern um den Lernprozess in der Organisation zu verbessern», sagt Grosse Peclum dem Blatt.

Deshalb blieben auch die wenig ermutigenden Ergebnisse nicht Verschlusssache.

(tno/vst/awp)