Von «Krisenstimmung» im Flugbetrieb kann in Zürich nicht die Rede sein. Zugegeben: Die Liste von Destinatio-nen, die vom grössten Schweizer Airport nicht mehr oder weniger angeflogen werden, ist länger als auch schon. Doch der Winterflugplan 2008/09 ab dem 26. Oktober offeriert ebenso eine Reihe von Neuheiten (siehe Tabelle).

Der Saldo von eingestellten und lancierten Strecken bereitet Thomas Kern, CEO der Unique (Flughafen Zürich AG), keine schlaflo-sen Nächte: «Auf das ganze Jahr hochgerechnet bedeutet der neue Flugplan ein Passagierminus von vielleicht 100 000.» Diesen marginalen Verlust könne ein Airport verkraften, der pro Tag im Schnitt 60 000 Passagiere abfertige.

Zürich und Genf wachsen

Wo Linienfluggesellschaften eine Destination aufgeben, springen in der Regel andere in die Bresche. So für das umkämpfte Geschäftsreiseziel London, das von Cityjet (Air France) ab Zürich schon nicht mehr angeflogen wird. Die Verbindung wurde erst vor einem halben Jahr aufgenommen. Auch Easyjet und British Airways haben ihre Kapazitäten in die britische Metropole reduziert beziehungsweise nach Genf verlagert. Profitieren will Swiss, die ihr Angebot zwischen Zürich und dem London City Airport auf neun tägliche Flüge aufstockt. Ähnlich, aber in kleineren Dimensionen verhält es sich etwa mit Marokko. Während Royal Air Maroc ihre Verbindungen ab Zürich aufgibt, will die neue Swiss-Tochter Edelweiss Air mit vier wöchentlichen Rotationen nach Agadir, Casablanca und Marrakesch in dieses Marktvakuum stossen.

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Kleine Veränderungen auf dieser und jener Strecke gehören für CEO Kern bei jedem Flugplanwechsel zur Routine: «Wesentlich ist, dass es nicht bei bestimmten Destinationen auffallende Verschiebungen bei den Kapazitäten gegeben hat.» Mit rund 100 Airlines werden im Winter ab Zürich derzeit 159 Ziele angeflogen. Ähnlich sieht es Philippe Roy, Sprecher des Genfer Airport. Ein zu 100% verlässlicher Winterflugplan sei aber noch nicht erhältlich. Klar gibt es in Genf die nach wie vor ehrgeizigen Wachstumsambitionen. Der «Plan Directeur 2007–2015» sieht in Genf einen Sprung von 11 auf 15 Mio Passagiere pro Jahr vor.

In Zürich wurde für 2008 eine Verkehrszunahme von 10% budgetiert. Diese musste aufgrund der jüngsten Entwicklungen leicht revidiert werden. «Wir rechnen heuer beim Verkehr dennoch mit einem Wachstum von 7 bis 7,5%», sagt Kern. Insgesamt dürften von Unique dieses Jahr über 22 Mio Passagiere abgefertigt werden.

Wachstumsfantasien etwas zurückstellen muss indes der Euro-airport. Die Freude über die Ankunft von Ryanair währte in Basel nur kurz. Weil der Euroairport der Forderung des irischen Billigfliegers nach tieferen Gebühren nicht entsprach, hat Ryanair zwischen November und Dezember aus Protest alle Flüge ab Basel gestrichen, was einem Passagierverlust von mehr als 30 000 entspricht.

Basel macht sich Sorgen

Obschon der Euroairport von Ryanair viel weniger abhängig ist als etwa von Easyjet, geht Flughafendirektor Jürg Rämi mittelfristig von einer «flachen Entwicklung» aus. «Wenn sich die Finanzkrise nicht entschärft, drohen uns eventuell sogar Einbussen.» Auf ab-sehbare Zeit kein Thema ist am Euroairport die von verschiedenen Seiten geforderte Aufnahme einer Verbindung in die USA. «Zurzeit ist uns kein entsprechendes Interesse seitens einer Fluggesellschaft bekannt», ergänzt Rämi. Deshalb sei es für den Euroairport nicht prioritär, in Infrastrukturen für Geschäftsreisende zu investieren. «Unser entsprechendes Angebot bleibt unverändert», so Rämi.

In Zürich werden derweil mehrere Einrichtungen im Zusammenhang mit dem Schengen-Abkommen bereits am 24. Oktober in Betrieb genommen. Dazu gehören ein neues Bus-Gate südlich des Docks B und die umgebaute Einreisehalle oberhalb der Skymetro-Station. Daneben sollen pünktlich zum Winterflugplan 2008/09 die neuen Lounges «Skyview» und «Skyteam» auf der Ebene 3 des Airside Center ihre Türen öffnen. Schon seit kurzem für Passagiere zugänglich ist im Dock E die eigene Lounge von Emirates.