Neben den grossen Versicherern sind auch bei den kleineren Kassen die Reserven 2009 knapp geworden. Einigen dieser Kassen, deren Reserven unter den Mindestreserven liegen, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG), sich unter anderem nach einem Fusions- oder Kooperationspartner umzuschauen. «Das war schon immer die Standardlösung für ungenügend reservierte Versicherer und wird es auch in Zukunft sein», beurteilt CSS-Gesundheitsökonom Konstatin Beck die Situation.

Unter den 30 Krankenkassen, die Ende 2009 eine Unterdeckung bei den Reserven aufwiesen, befinden sich auch zahlreiche eigenständige kleinere und mittlere Kassen, wie aus der Statistik über die obligatorische Krankenversicherung vom BAG zu entnehmen ist.

Kolping geht eigenen Weg

Beim Verband der kleinen und mittleren Krankenversicherer (RVK) stösst die Fusions- und Kooperationsaufforderung auf keine Gegenliebe. «Dieses Vorgehen des BAG verurteilen wir aufs Schärfste. Es ist nicht Aufgabe der Aufsicht, Strukturpolitik zu betreiben», sagt Marcel Graber, RVK-Direktor. Dennoch räumt der Direktor aber ein: «Leider ist nicht auszuschliessen, dass weitere Zusammenschlüsse erfolgen.»

Wegen zu tiefer Reserven ist beispielsweise die Dübendorfer Krankenkasse Kolping erneut im Sommer in die Schlagzeilen geraten. So wurde darüber spekuliert, dass die Kasse die Prämien wiederum per Mitte Jahr erhöhen muss. Obwohl die Prämien im Endeffekt doch nicht erhöht werden mussten, versuchte das BAG, die Kasse zu einem Zusammenschluss zu bewegen - ohne Erfolg. «Kolping wird keine Kooperation oder Fusion eingehen», sagt Egon Hürlimann, Geschäftsführer bei Kolping. So habe man gegenüber dem BAG die Verpflichtungen erfüllt. «Wir sind der Meinung, dass wir innerhalb der vorgegebenen Fristen aus eigener Kraft die Reserven wieder auf das gesetzliche Minimum bringen werden.»

Anzeige

Wie der von der Kolping festgelegte Lösungsweg aussieht, will Hürlimann nicht kommentieren. Zeitgleich habe man aber ein Kostensparprogramm umgesetzt, welches alle Teile der Verwaltung, der Geschäftsstellen und der Provisierung betreffe.

Fusion bei Sympany

Ebenfalls bei den Reserven schwächer auf der Brust ist die Versicherungsgruppe Sympany. Die 2008 entstandene Krankenkassengruppe musste 2009 bei einigen Unterkassen Reservendefizite hinnehmen. Gemäss Finanzchef Christian Meindl seien die Reservenunterdeckungen aber in Kauf genommen worden. So vereinfache Sympany die Strukturen und integriere per 1. Januar 2011 die zur Sympany-Gruppe gehörenden Grundversicherer Xundheit und Vivao Sympany Schweiz AG in die Vivao Sypmany AG, wie der Versicherer bereits im Juni kommunizierte. «Diese Zusammenlegung ist schon länger geplant und ist der Grund, dass im Jahr 2009 alle drei nicht die nötigen Reservenquoten aufwiesen», sagt Meindl.

Mit der Integration steigt die Zahl der Versicherten auf über 150 000. Damit hat die Vivao Sympany AG neu eine Reservenquote von 10% einzuhalten anstatt einer von bisher 15% respektive 20%. «Das BAG ist über die geplante Integration orientiert und hat diese genehmigt», sagt Meindl.

Gefahr zu viele Versicherte

Für zu tiefe Reserven sorgt aber nicht nur der von Altbundesrat Pascal Couchepin angeordnete Reservenabbau und die Finanzkrise. Auch zu viele Neukunden wirken sich auf die Reservequote aus. Denn obwohl sich die Krankenversicherer jährlich einen erbitterten Kampf um neue Versicherte leisten, kann eine hohe Anzahl an Neukunden verheerende Auswirkungen für die Kassen haben. Unter Umständen entspricht die im Voraus festgelegte Prämie einem stärkeren Zustrom von Neukunden nicht mehr. «Die durch den massiven Zuwachs nötig werdenden Mittel fehlen. Das kann dazu führen, dass die Mindestreserven unterschritten werden», sagt RVK-Direktor Marcel Graber. «Dieses Risiko besteht tatsächlich und wird seitens Sympany als erheblich eingeschätzt», sagt Sympany-Finanzchef Christian Meindl. Starken Zulauf erhalten vor allem Krankenkassen, deren Prämien sehr günstig sind. «Gleichzeitig höhere Reserven zu äufnen bei tieferen Prämien, kann einen Krankenversicherer in Bedrängnis bringen», sagt Meindl.

Sozialstelle sucht günstige Kasse

Nebst wechselwilligen Versicherten suchen aber auch die Sozialämter gezielt nach Kassen mit günstigen Prämien in den einzelnen Kantonen. Entsprechend erhalten solche Kassen oftmals viele Sozialfälle zugewiesen. Denn in der Grundversicherung sind die Krankenkassen verpflichtet, jeden Versicherten aufzunehmen.

Zum Verhängnis wurde diese Vorgehensweise beispielsweise der Kolping in Bern im vergangenen Jahr. «Dies war auch die klare Begründung zur unterjährigen Prämienerhöhung im Sommer 2009 im Kanton Bern, welche wir beim Bundesamt beantragten», sagt der Kolping-Chef Egon Hürlimann. Entsprechend wurden die von den Sozialämtern zugewiesenen Versicherten Anfang Jahr wieder an andere, günstigere Krankenkassen vermittelt.