Der steigende Wunsch nach Transparenz ist darauf zurückzuführen, dass zunehmend private Anleger stukturierte Produkte in ihre Portfolios aufnehmen und diese umfangreicherer Informationen und Aufklärung bedürfen als die ehemalige Hauptklientel, die institutionellen Investoren. Zusätzlich ist mit der aktuellen Kurskorrektur an den Aktienmärkten vielen Investoren erstmals bewusst geworden, welches Risiko sie mit ihrer Anlage in strukturierte Produkte eingegangen sind. Verwundert stellten sie fest, dass in ihren Portfolios statt eines Worst of Barrier Reverse Convertibles nun Aktien liegen.

Um Überraschungen dieser Art zu vermeiden und Anleger wieder davon zu überzeugen, dass passend ausgewählte strukturierte Produkte durchaus eine sichere und profitable Portfolioerweiterung darstellen können, gilt es die Informationslage für alle Marktteilnehmer drastisch zu verbessern. Transparenz ist insbeson-dere hinsichtlich der folgenden Bereiche unabdinglich: Der Produktbeschreibung inklusive Auszahlungsprofil und Funktionsweise des Produktes, der Bewertung der Produkte auf dem Sekundärmarkt, und der Bonität der Emittentin.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung war der Zusammenschluss der bedeutendsten schweizerischen Emittenten, die 2006 gemeinsam den SVSP (Schweizerischer Verband für Strukturierte Produkte) ins Leben riefen. Zielsetzung des Verbandes ist es, die Rahmenbedingungen für strukturierte Produkte günstig zu beeinflussen. Zu diesem Zweck führte dieser eine einheitliche Produktkategorisierung und Risikoklassifizierung ein. Auch die Wirtschafts- und Finanzpresse bietet vermehrt Informationen zu strukturierten Produkten an und stellt zum Teil im Internet anbieterunabhängige Produktinformationen zur Verfügung.

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Namensgebung erster Indikator

Für die Emittenten beginnt Transparenzförderung mit der Namensgebung der Produkten. Erstrebenswert ist für Anleger eine einheitliche, klare Sprache, wie sie der SVSP vorschlägt. Nur dadurch kann sich ein Investor bei allen Anbietern umfassend informieren und Angebote systematisch vergleichen. Die derzeitige Vielfalt an Begrifflichkeiten und Produktnamen schadet dem Gesamtmarkt: Der Anleger findet sich nicht zurecht und verzichtet vollständig auf den Kauf eines strukturierten Produktes.

Eine von Demoscope durchgeführte repräsentative Umfrage vom letzten Frühling ergab, dass Aufklärungsbedarf herrscht: 28% aller Befragten gaben an, strukturierte Produkte nicht zu kaufen, weil diese unverständlich und zu kompliziert seien. Weitere 10% der Befragten zählten nicht zu den Käufern, weil sie den Produkten nicht vertrauten.

Bei der gesamten Produktdokumentation gilt es, eine vernünftige Balance zwischen Detailtreue und Verständlichkeit zu finden – eine Gratwanderung, die für je-den um Klarheit bemühten Emittenten eine Herausforderung darstellt.

Wertentwicklung oft Black Box

Transparenz in Bezug auf die Preisentwicklung eines Produktes auf dem Sekundärmarkt ist ebenfalls entscheidend. Um einen Preis feststellen zu können, bedarf es zunächst des Listings an der Börse. Die Mehrheit strukturierter Produkte in der Schweiz ist jedoch nicht gelistet, weshalb für sie kein aktueller Preis abrufbar ist und die Wertentwicklung des Produktes einer Black Box gleicht. Viele Produkte, die auf dem Sekundärmarkt gehandelt werden könnten, werden aus diesem Grund gar nicht aufgefunden. Um weiterhin zu verstehen, wie und weshalb sich der Wert eines strukturierten Produktes verändert, müssen Investoren die für den Preis relevanten Einflussfaktoren identifizieren und verstehen können. Dazu können Emittenten beitragen, indem sie beispielsweise eine Erklärung der Produktbestandteile und eine Performance Attribution anhand der Marktsensitivitäten (der «Griechen») liefern. Zusätzlich ist eine Aufstellung des Value at Risk oder einer anderen aussagekräftigen Risikokennzahl sinnvoll, anhand deren der Anleger die mit dem Kauf und Halten eines Produktes zusammenhängenden Chancen und Risiken erkennen kann. Auch der SVSP hat den Wunsch der Anleger nach dieser Information erkannt und plant noch für 2008 die Einführung einer Risikokennzahl, die dem Anbieter die Auseinandersetzung mit dem Risikoprofil einer Struktur erleichtern soll.

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Transparenz bedeutet auch, dass der Investor binnen kürzester Zeit die Bonität der Emittentin zu ermitteln vermag. Bei einigen kapitalgeschützten Produkten ist das Bonitätsrisiko das signifikanteste, und auch bei allen anderen Strukturen muss sich der Anleger über die Kreditwürdigkeit der Gegenpartei im Klaren sein.

Der Mangel an Industriestandards ist sicherlich zum Teil darauf zurückzuführen, dass der Markt für strukturierte Produkte noch sehr jung ist. Das rasche Wachstum und die Vielzahl neuer Produkte machen jedoch eine Vereinheitli-chung der Begrifflichkeiten unerlässlich. Der Trend geht zuletzt deshalb hin zu mehr Klarheit, weil die momentane Unübersichtlichkeit des Angebotes potenzielle Anleger abschreckt. Um Investoren von den Vorteilen strukturierter Produkte zu überzeugen, ihnen zu ermöglichen, damit gute Renditen zu erwirtschaften, und um ihnen die Angst vor Fehlinvestitionen zu nehmen, muss der Markt der Zukunft zwangsläufig transparenter sein.

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