Ein Business-Class-Flug auf der Langstrecke mit Etihad Airways (EY) brachte zwischen April und Juni sofort den Silber-Status beim Vielfliegerprogramm Guests ein, ein First-Class-Flug wurde mit der Gold-Karte belohnt. Auf etlichen Flughäfen spielt das Lounge-Argument keine so gravierend grosse Rolle, wenn die zweitgrösste Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihre Gäste in die gleiche Sammel-Lounge wie die Konkurrenten schickt, von denen man sich abheben möchte. Dafür gibt es den Chauffeur-Service für die Flughafenumgebung (60 km). Zürich lag hier leider ausserhalb des Fahrradius.

Unterwegs unterscheidet man sich deutlich von der europäischen Konkurrenz: Der Flug liegt mit Start kurz vor Mittag auch so günstig, dass das Mittagessen zeitlich angenehm serviert wird. Und die Ankunft erfolgt nicht mitten in der Nacht der Hauptstadt der VAE. Es gibt aber auch andere Zeiten von Genf nach Abu Dhabi.

Die Business Class auf dem Airbus A330-200 hat nur halb so viele Sitze, aber fast die gleiche Fläche wie bei der Lufthansa oder Swiss. Die Sitze sind versetzt angeordnet, hellblau-grau und geben der Business Class das Flair kalifornischer Bürolandschaften, wo die Angestellten in kleinen Einheiten, umgeben von 1,60 m hohen Wänden, arbeiten. Paare sollten die Mittelsitze nehmen - dort ist indes die gemeinsam genossene Sicht etwas eingeschränkt.

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Das Essen beim Praxistest war vorzüglich. Von Genf aus serviert man aber weder Austern noch Schnecken, was im westlichen Nachbarland möglicherweise die Attraktivität von Etihad etwas begrenzt. Bei den Weinen war offenbar ein kundiger Einkäufer am Werk. «Etihad ist heute so gut wie Emirates vor drei Jahren», berichtet unser Testflieger. Die unterschiedlichen Kulturen und Herkünfte des Service-Personals spürt man jedoch an Bord - die Arbeitsprozesse sind für das geübte Auge oft etwas unkoordiniert.

 

 


Singapore: Zürich-Singapur mit SQ 345 (12h05)Swiss: Zürich-San Francisco mit LX 38 (12h15)United: Zürich-Washington DC mit UA 937 (9h15)

Seit dem 28. März 2010 fliegt die Singapore Airlines (SQ) diese Strecke mit dem Airbus A380, dem grössten Passagierflugzeug der Welt. Der Abendflug der früher zweimal täglich eingesetzten B-777 (Triple Seven) wurde deshalb eingestellt.

Das ist schon der grösste Nachteil dieser etwas mehr als 12-stündigen Verbindung (Abflug am Mittag). Man kommt - Schweizer Zeit - um Mitternacht in Singapur an, kein Passagier ist nach dem Start wirklich müde, und wer sich nicht zwingt, wenigstens am Nachmittag kurz zu schlafen, bleibt problemlos wach - entsprechend dem Biorhythmus. Und vertut die Zeit beispielsweise mit dem Unterhaltungsprogramm; nur schon der Bildschirm ist imposant.

Am bequemen und breiten Flat-Bed-Sitz der Business Class im geräumigen und sehr ruhigen 1-plus-2-plus-1-bestuhlten Oberdeck liegt das nicht. Hier lässt sich ebenfalls als gewohnter Seitenschläfer gut ruhen.

Rund um den Business-Class-Sitz gibt es jede Menge Stauraum für Notebook, Bücher oder Zeitungen. Die Schwäche ist die Mittelposition zwischen Schlafen und Aufrechtsitzen. Hier helfen Kissen etwas. Und auch für den Umbau vom Sitzen zum Schlafen muss man aufstehen. Für schmal gebaute Menschen sind die beiden Armlehnen unerreichbar weit weg - dafür hätten sogar zwei Passagiere Platz auf dem Sitz.

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Die Singapore bietet die Book-the-Cook-Dienstleistung für besondere Essenswünsche an. Das vorbestellte Menü wurde von unserem Testpassagier als «vorzüglich» geschildert und man bekommt es als Passagier gelegentlich, wie in diesem Fall geschehen, als erster Gast serviert.

Nach anderen Sachen für unterwegs (beispielsweise Wegwerfrasierer, Augenblende oder Ohrenstöpsel) muss man hingegen extra nachfragen. Gefallen hat im Praxistest das Unterhaltungsprogramm mit dem grossen Monitor, der übrigens auch als Office-Arbeitsplatz genutzt werden kann.

Bei einigen Langstreckenflugzeugen hat die Swiss (LX) bereits ihre neue Business-Class-Bestuhlung eingerichtet, so auch im bunt angemalten Airbus A340-300, der auf der am 2. Juni 2010 lancierten Strecke zwischen Zürich und San Francisco eingesetzt wird.

Wer die konventionellen Geschäftsreiseklassen der Welt kennt, fühlt sich aufgrund der versetzt angeordneten Konsolen zunächst an ein pädagogisch eingerichtetes Sprachlabor erinnert. Wer in der ersten Reihe platziert wird, sitzt alleine - und muss sich wie ein Klassenstreber fühlen.

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Im Praxistest wird rasch klar, warum die Werbung zu den 47 neuen Business-Class-Sitzen die Passagiere oft nur von den Knien an aufwärts zeigt: Damit man sich ganz flach hinlegen kann und dennoch - aus platzökonomischen Gründen - keine 2 m Sitzabstand hat, müssen die Füsse der Passagiere jeweils in einer backofenähnlichen Nische in der Konsole des Vordersitzes untergebracht werden. Das geht ganz passabel für Menschen mit einer Länge bis 1,82 m und mit Füssen bis zur Schuhnummer 44; aber darüber wird es eng.

Am bequemsten ist der Business-Class-Sitz, wenn man liegt oder in der Lounge-Position verweilt. Aufrecht sitzen und am Notebook arbeiten ist kein echtes Vergnügen für einen männlichen Passagier mit einer Durchschnittsgrösse um 1,80 m.

Trotz etlicher Innovationen, die in diesem Sitz stecken wie das Luftkissensystem für die nach eigenen Angaben vollständige Komfortanpassung samt Massagefunktionen, bleibt ein grosser Abstand zur Bequemlichkeit in der First Class - und natürlich auch gegenüber der Economy Class.

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Der Service auf unserem etwas mehr als 12-stündigen Testflug war gut. Der Maître de Cabine zeigte sich regelmässig und brachte, was man brauchte. Jedoch das Entertainment-Programm könnte ein Upgrade vertragen - etliche CD laufen seit Jahren.

United Airlines (UA) setzt auf dieser Strecke die angejahrte Boeing B-767-300 ein. Das Langstreckenflugzeug hat zwar auch zwei Gänge, ist aber deutlich enger als die A330/A340-Flugzeugfamilie von Airbus.

Wer sich nach dem Besuch auf der Webseite auf ein modernes Flat-Bed freut, dürfte enttäuscht sein - der auf unserem Testflug angebotene Business-Class-Sitz entspricht dem Stand der Technik der späten 1990er-Jahre: Einzelsitze, Lehne klappt auf Knopfdruck dank der Schwerkraft und des Passagiergewichts weit zurück, Fussstütze lässt sich manuell nach oben schieben. Passagiere mit Fensterplatz müssen wie auf einem Hochseil balancieren, um ihren Nachbarn nicht zu stören, wenn dieser schläft. United hat mittlerweile aber die ganze B767-300-Flotte auf die neuen Suite-Dreams-Sitze umgerüstet. Ebenfalls noch veraltet war das Entertainment-Programm.

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Das fliegende Personal ist im Durchschnitt deutlich älter als bei den meisten europäischen oder asiatischen Fluggesellschaften, «weil es nach 9/11 und der Rezession jeweils zu grossen Entlassungswellen kam, die nach Seniorität abliefen - die Jüngsten mussten zuerst gehen», wie eine Flight Attendant erklärt.

Das Essen ist durchschnittlich, um Feinheiten wie richtige Temperaturen für die Weine oder Unterschiede zwischen einem Cabernet und einem Merlot kümmert man sich hier nicht. Dafür ist das routiniert-herzliche Personal unglaublich flexibel, wenn es darum geht, noch rasch und kurz etwas Kleines zu essen.

Die Passagiere von United haben wie bei der Swiss am Boden Zugang zu den Lounges der Star Alliance - und die sind in Zürich deutlich besser als die Red Carpet Clubs in Washington DC.

Noch ein kleiner Tipp: Ein Getränke-Voucher berechtigt zu einem Glas eines mittelprächtigen House-Weins - es lohnt sich, zwei zusammenzulegen und einen der besseren zu wählen.

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