Zunächst dürfen wir nicht vergessen, dass die Schweiz als Exportwirtschaft bezüglich Abfederung des globalen Abschwungs auch stark von den milliardenschweren Konjunkturprogrammen in Europa profitiert hat. Gleichzeitig zahlten sich ganz bestimmt die typisch schweizerischen Qualitäten aus wie Besonnenheit, eine stabile Gesellschaft und eine innovative, flexible Wirtschaft. Wir sollten uns weiter an diese Qualitäten halten. Gleichzeitig hat die Krise nicht nur die Wirtschaft, sondern das ganze Land durchgeschüttelt und zu einem gewissen Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber der Wirtschaft geführt. Dieses Vertrauen muss unbedingt wiederhergestellt werden - und da sind nicht zuletzt die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft gefordert.

Trotz allen parteipolitischen Differenzen hat das Parlament in der Krise bewiesen, dass es die nötigen Impulse geben kann. Entgegen einigen Befürchtungen konnten verschiedene konjunkturelle Massnahmen rasch und effizient bewilligt werden. Dank des Milizsystems flossen dabei wertvolle Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Milieus direkt in die parlamentarische Debatte ein. Zum politischen Prozess gehört selbstverständlich auch die Auseinandersetzung - und diese wird bei derart wichtigen Problemen selbstredend teilweise sehr hart geführt.

Das ganz grosse Potenzial liegt meines Erachtens im ökologischen und sozialen Umbau der Wirtschaft. Er ist nach der globalen Krise weltweit unter Begriffen wie «Green New Deal» erfolgt und ist ja auch hier - unter anderem mit der «Cleantech»-Initiative der SP Schweiz - ein Thema. Dieser Bereich birgt speziell für innovative KMU enorme Chancen. Als schon heute zentrale Stütze des Wirtschaftsplatzes Schweiz werden sie auch in Zukunft flexibel sowie mit neuen Ideen und Produkten auf dem Markt agieren können. Die Firmen profitieren vom ausgezeichneten Bildungssystem, von den gut qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden und der Stabilität unseres Landes. Es gilt, diese Potenziale auszuschöpfen, ihnen aber auch Sorge zu tragen und sie stetig weiterzuentwickeln.

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Die Krise hat uns eindrücklich die globale Vernetzung vor Augen geführt. Es wurde deutlich, dass global aktive und gleichzeitig national systemrelevante Finanzkonzerne für unsere Volkswirtschaft auch Risiken darstellen. Dieses Problem zu begreifen und eine Lösung zu finden - das ist keine einfache, aber eine vordringliche Aufgabe. Weiter ist die Geld- und Währungspolitik zentral: Eine vor dem Hintergrund der Euro-Krise ungebremste Aufwertung des Frankens wäre Gift für den noch zaghaften Aufschwung. Ausserdem sollte den schweizerischen Tugenden Mass und Bescheidenheit wieder mehr Gewicht eingeräumt werden; das Image der Wirtschaft hat durch die Boni-Exzesse enorm gelitten.

Es geht darum, dass die Rollen zwischen Staat und Privatwirtschaft weiterhin sauber auseinandergehalten werden. Unsere vernünftig gelebte Ordnungspolitik ist ein Erfolgsrezept. Die freiheitlichen Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft verlangen die Übernahme einer hohen Verantwortung bei den Wirtschaftschefs. Hier besteht ein Risiko, was zu mehr Gesetzen und Vorschriften führen könnte. Dem ist entgegenzuhalten. Die Abzockerei untergräbt unsere Standortvorteile. Wenn es um Innovation geht, so ist klar, dass wir den einzigen Rohstoff in unserem Land, die bestgebildeten Köpfe aller Stufen, mit genügend Mitteln ausstatten müssen. Auch die KTIGelder sind Innovationstreiber. Hier darf nicht gespart werden.

Wir sind ziemlich gut durch die grösste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit gekommen. Vielleicht auch, weil nicht voreilig in zu viel Hektik gemacht wurde. Die drei Konjunkturförderprogramme waren letztlich austariert und den Möglichkeiten eines Staates, der nicht in beliebigen Schulden enden wollte, angemessen. So gesehen darf man meiner Meinung nach nicht nur von einer Blockade zwischen den beiden Kammern sprechen. Etwas mehr und dezidiertere Führung seitens der Regierung wäre nicht ungern gesehen. Ein starker, schlanker Staat bietet die besten Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Aufbruch, den die Hunderttausende von Unternehmern zu befördern haben.

Unternehmer sind beseelt von einer Vision, einer Mission. Ihnen liegt ein riesiger strategischer Gestaltungsraum «zu Füssen». Und für die Umsetzung in die Operation benötigen die Unternehmerinnen und Unternehmer bestausgebildete, interessierte, begeisterungsfähige Menschen. Das Potenzial liegt vor allem im Zusammenstellen der überdurchschnittlich schlagfähigen Teams, in der Motivation der Einzelnen für Erfolg durch grosse Leistungsbereitschaft. Das Potenzial definiert sich sicherlich auch in der Innovationsfähigkeit einerseits und in den Bedarfen in entwickelten und vor allem auch in aufgehenden Märkten andererseits.

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Meine Exportindustrie ist seit Jahresbeginn vor allem durch die Frankenstärke respektive Euroschwäche enorm gefordert. Die Konkurrenzfähigkeit wird über den momentanen Wechselkurs beschnitten. Der Weltwirtschaftsmotor könnte noch einmal ins Stocken kommen. Weiter: 1% weniger Konsum in den USA bedeutet einen zweistelligen %-Betrag weniger Export aus China. Die Schweizerische Maschinenindustrie hängt immer mehr vom chinesischen Werkplatz ab. Der US-Konsum könnte uns bremsen. Angst rund um die Welt ist nicht nur ein Risiko einer Konsumbremse, sondern auch eine Gefahr für die Investitionsgüterindustrie und deren Arbeitsplätze. Unsicherheit und Angst sind die grössten Gefahren.

 

 

In einem Moment, in dem Europa sehr stark mit sich selbst beschäftigt ist, wirkt die Schweiz noch attraktiver. Ein wirtschaftsfreundliches und sicheres Umfeld, niedrige Steuern, qualifizierte Arbeitskräfte, herausragende Universitäten, ein angenehmes Forschungsumfeld - hier setzt sich die Schweiz positiv ab und belegt internationale Spitzenplätze. Die Schweiz muss offen sein. Offen für die Eliten und Talente Europas und der Welt. Offen für Fortschritt und Technik. Offen für Innovation. Eines der wichtigsten Zukunftsthemen wird der Umgang mit Energie und die Erschliessung neuer (grüner) Energiequellen sein. Die Unternehmen müssen auf eine ausreichende, sichere und nachhaltige Energieversorgung zählen können.

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Die Diskussionen müssen dringend wieder ziel- und sachbezogen werden. Konsenspolitik statt Machtpolitik und persönliche Profilierung. Wir brauchen eine vorausschauende Politik, die ihre Energie auf innovative Impulse, rasche Problemlösung und schnelle, nachhaltige Reformen ausrichtet.

Das wichtigste Potenzial sind immer gut ausgebildete, motivierte Menschen. Für die Unternehmen sind eine gewisse Risikofreudigkeit, ein unternehmerischer Geist, Investitionen in neue Produkte, Technologien, Forschung und Entwicklung essenziell. Nur so kommen wir zu wettbewerbsfähigen Produkten, welche auch auf ausländischen Märkten überzeugen.

Es gibt exogene Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, die Stabilität der EU zum Beispiel. Die grössten Gefahren befinden sich aber meist in den Köpfen der Menschen. Die Schweiz braucht ein gesundes Selbstbewusstsein, Vertrauen in die eigene Kraft, proaktive Auseinandersetzung mit Kommendem, nachhaltige Investitionen. Gefahren liegen meist in der Angst, was zu Protektionismus und Abschottung führt. Die Schweiz aber muss die Herausforderungen mit Offenheit und Neugier angehen.

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Wir müssen weiterhin an einer nachhaltigen, liberalen Politik festhalten und dafür sorgen, dass unternehmerische Freiheiten gewährt bleiben. Prüfungen, Kontrollen und zusätzliche Auflagen - inbesondere auch in der Administration - sind auf ein absolutes Minimum zu beschränken.

Persönlich habe ich in diesem Punkt meine grössten Bedenken und Sorgen, da in vielen zentralen Fragen unserer Wirtschaft und Gesellschaft ein Grundkonsens und damit ein Vertrauen fehlt, war für eine Vision und die Ziele der Schweiz in Zukunft von Bedeutung ist.

Festhalten an bestehenden und bekannten Stärken, an die Zukunft glauben, offen sein für jegliche neue Möglichkeiten, die sich wegen veränderter Situationen ergeben.

Die Währungssituation speziell für Firmen im Export, Staatsverschuldung.