Indien gilt immer noch als das wichtigste Offshore-Land, in dem Firmen aus Nordamerika und Europa Software herstellen und warten lassen. Seit einigen Jahren ist auch China zu einem wichtigen Offshore-Stützpunkt geworden. Doch auch dieser Standort kommt jetzt unter Druck. «Gemäss einer Umfrage unter Softwarefirmen, die wir gemacht haben, dürfte der Markt - entgegen den Behauptungen der Regierung - in diesem Jahr möglicherweise schrumpfen», sagt Makoto Ueno, Analyst bei Daiwa in Tokio. Der Grund: Japanische Firmen, die einen Grossteil der chinesischen Aufträge vergeben, haben ihre Bestellungen in den letzten Wochen um 20% reduziert.

«Aufgrund der tiefen Personalkosten gilt Vietnam als hinsichtlich der Offshore-Software-Entwicklung als das nächste China», sagt Ueno, «obwohl es noch zwischen fünf und zehn Jahre dauern dürfte, bis sich eine Gruppe von breit ausgebildeten Softwaremanagern herausgebildet haben wird.»

Viele junge Talente vorhanden

Bereits jetzt präsent ist das Lausanner Softwarehaus Elca. Von den 500 Mitarbeitern, die im letzten Jahr einen Umsatz von über 70 Mio Fr. erzielt haben, arbeiten laut Elca-CEO Daniel Gorostidi etwa 100 in Vietnam. «Die Ausbildung ist breit und sehr gut, es gibt viele junge Talente, die Regierung unterstützt uns», sagt Jean-Paul Tschumi, der für Elca den Offshore-Standort in Ho Chi Minh City leitet.

Die Unterstützung durch die Regierung erfolgt durch Steuererleichterungen und eine sehr gute Hochschule. Elca selber organisiert sich intern so, dass Kunden ihre Ansprechpartner weiterhin in der Schweiz haben. Bei einzelnen Projekten wird ein Teil der Arbeiten nach Vietnam ausgelagert. Ein lokaler Projektleader steuert dann mit vietnamesischen Projektmanagern die Arbeit und setzt die Ressourcen gemäss den Erfordernissen der Auftraggeber ein. «So etwas kann man nicht aus der Schweiz heraus machen», fasst Tschumi seine Erfahrungen zusammen, «das geht nur, wenn die Leader und Manager hier sind und die Aufträge mit ihren Angestellten abarbeiten.»

Anzeige

Weiterbildung für Angestellte

Besonders wichtig bei Offshoring-Projekten sind die Übermittlung der Anforderungen aus der Schweiz und die «Übersetzung» eines Problems in eine mit IT-Mitteln zu lösende Aufgabe.

Elca unterhält seine Büros mitten im Stadtzentrum von Ho Chi Minh City, unweit der Notre-Dame-Kathedrale und der im Kolonialstil errichteten Zentralpost. Die meisten Angestellten leben im weitläufig gewordenen Stadtgebiet, das bevorzugte Transportmittel sind kleine Motorräder. Aus der Sicht der Angestellten winken neben einer Weiterbildung «on the Job» auch Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb von Elca in Vietnam sowie Reisen in die Schweiz an einen der Standorte von Elca.

Einen regen Austausch gibt es inzwischen auch zwischen der EPFL in Lausanne, der University of Technology in Ho Chi Minh City und Elca - im Bereich Computerwissenschaften kooperieren diese drei Partner, man tauscht auch Personal für Gastveranstaltungen aus.