Der Börsengang Ihres Unternehmens ist der grösste europäische Biotech-IPO der letzten drei Jahre. Rechneten Sie mit einem solch grossen Interesse an Addex?
Vincent Mutel: Addex weist im Vergleich zu klassischen Biotechfirmen mehrere Unterschiede auf: Wir sind kein Spin-off. Addex ist auch nicht extra dafür ins Leben gerufen worden, um ein einzelnes Medikament zu entwickeln. Unser Unternehmen arbeitet an einer komplett neuen Klasse von Medikamenten. Und dieser Paradigmenwechsel macht uns für Investoren interessant und attraktiv.

Welche Investoren haben sich am IPO beteiligt?
Mutel: Es handelt sich vor allem um spezialisierte und institutionelle Anleger aus der Schweiz und Europa.

Haben sich auch die bisherigen Geldgeber von Addex wie SR One oder der Roche Venture Fund daran beteiligt?
Mutel: Nein. Das sind Wagniskapitalgesellschaften, die ihr Geld gezielt in den Aufbau von Unternehmen stecken. Mittlerweile ist Addex fünf Jahre alt und braucht schwergewichtig eine andere Art Investoren. Die bisherigen Investoren sind aber weiterhin am Unternehmen beteiligt.

Und Sie persönlich?
Mutel: Das Management ist am Unternehmen mittels Aktien und Optionsplänen beteiligt. Vor dem IPO hielt die Geschäftsleitung 20 bis 25% des Aktienkapitals. Jetzt sind es noch ungefähr 15%.

Der Anteil der frei handelbaren Aktien beträgt nur 32%. Wann
erfolgt die Erhöhung, um Handel attraktiver zu machen?
Mutel: Im Moment bestehen keine solchen Pläne. Wir haben aber das Ziel, diesen Anteil in Zukunft zu erhöhen.

Anzeige

Was wäre der ideale Freefloat?
Mutel: Das ist eine schwierige Frage. Einerseits brauchen wir langfristig orientierte Investoren, andererseits eine genügend grosse Handelbarkeit. Ich denke, ein Freefloat zwischen 35 und 40% wäre gut.

Jean-Paul Clozel, CEO von Actelion, hat das langfristige Ziel, sein Unternehmen zum europäischen Genentech (Roche-Tochter)
werden zu lassen. Und Sie?
Mutel: Ich glaube nicht, dass wir das gleiche Geschäftsmodell haben. Wir sind noch strenger fokussiert und wissen genau, welche Ziele wir erreichen wollen. Wir wissen aber noch nicht, wann wir diese erreichen werden. Der Motor, der dafür benötigt wird, ist aber gut geölt.

Damit der Motor läuft, braucht es Treibstoff. Ihr Treibstoff ist das durch den IPO aufgenommene Kapital. Wie lange reicht das Geld?
Mutel: Unser erstes Medikament soll im Jahr 2012 lanciert werden. Wir haben genügend Geld bis ins Jahr 2010. Diese Kalkulation berücksichtigt aber noch keine potenziellen Lizenzzahlungen durch die Abgabe unserer Produktkandidaten an grosse Pharmakonzerne.

Diese Auslizenzierung gehört zur Firmenstrategie. Wann wollen Sie die Medikamente abgeben?
Mutel: Für das am weitesten fortgeschrittene Molekül streben wir eine gemeinsame Entwicklung mit einem grossen Pharmaunternehmen für die dritte, entscheidende Studienphase an. Denn diese Phase kostet viel Geld. Die entsprechenden Vorbereitungen laufen.

Wie laufen diese Gespräche?
Mutel: Ich selbst war früher bei Roche, zwei unserer Manager kommen vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline. Somit kennen wir die Entscheidungswege und Mechanismen grosser Unternehmen. Dies ist sehr hilfreich.

Vertreter dieser Big Pharma haben bereits grosses Interesse an Addex gezeigt. Mögliche Partner wären etwa Novartis oder Eli Lilly.
Mutel: Seit 2004 läuft eine Kooperation mit dem US-Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson. Und mit der britischen Biotechfirma Cenes haben wir Studien zu Schlafmedikamenten am Laufen. Über weitere mögliche Partner kann ich mich nicht äussern.

Anzeige

Aber das Interesse können Sie nicht abstreiten?
Mutel: Addex ist bei den grossen Pharmakonzernen aber tatsächlich bereits sehr bekannt. Wir forschen ja auch nicht an Mitteln gegen seltene Krankheiten, sondern gegen grosse und attraktive Indikationen wie Migräne oder Depression. Unsere Produkte sind deshalb Blockbuster-Kandidaten.