«Harte Zeiten sind gut für Software», sagt Paul Maritz, CEO und Präsident von VMware, «denn Virtualisierung ist eine gute Sache, mit der Firmen innert sechs bis zwölf Monaten Geld sparen können.» Trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen würden Firmen weiterhin Geld für Virtualisierungstechnologien ausgeben.

«Firmen haben das zuerst gemacht, um Geld bei Hardwarekäufen zu sparen, jetzt steht aber die Reduktion der operativen Ausgaben im Vordergrund», ergänzt Maritz, «denn mit solcher Software können auch Rechenzentren flexibler gemanagt werden.» Das gilt gerade auch für KMU. «Diese können noch mehr sparen, wenn sie ihre Rechenzentren auslagern, statt sie selber zu betreiben», sagt Maritz. «Dieser Trend, der zuerst von den Windows-Umgebungen ausgeht, wird sich durch die wirtschaftliche Lage eher noch beschleunigen und deshalb ist ein vorbereitetes Ökosystem mit Serviceanbietern wichtig.»

Neues, altes Thema

Virtualisierung gab es bereits vor 30 Jahren auf IBM-Grossrechnern. Relativ neu ist die Verwendung bei kleinen Servern mit der Intel-x86-Architektur. Dabei wird die logische Beziehung zwischen Hard- und Software getrennt und aus vielen isolierten Rechnern ein Pool von Servern gebildet, auf dem die jeweiligen Programme und Arbeitslasten optimal verteilt werden. Dadurch können Firmen viel Geld sparen. «Mit jedem Dollar, der in Virtualisierung gesteckt wird, entstehen 11 Dollar für weitere Dienste um solche Lösungen herum», sagt Maritz weiter.

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Virtualisierungslösungen gelten laut Industrieanalysten als Plattformen der Zukunft, weil mit ihnen praktisch alle Applikationen relativ unabhängig von der Hardware betrieben werden können und weitere «Schichten» der Software wie Betriebssysteme, System- und Managementsoftware unwichtiger werden. Zudem ist hier der ideale Ort für Einsparungen, denn typische x86er-Server sind lediglich zu 10 bis 15% ausgelastet. Mit der Virtualisierung liegen 70 bis 80% drin.

Hervorragend geeignet für Virtualisierung sind Mehrkern-Prozessoren. Das schafft aber auch Probleme. «Viele Firmen haben ihre Lizenzmodelle mit den CPU verbunden», sagt Maritz, «und das ist jetzt für die flexibler werdenden Umgebungen nicht mehr angebracht, jetzt müssen dafür neue Lösungen gefunden werden.»

Microsoft ante portas

Gerade von Microsoft wird man in absehbarer Zeit noch einiges hören. Denn der Hypervisor wird bei Microsoft ins Betriebssystem eingebettet und die Hürden, von einem VMware-Produkt auf das von Microsoft zu wechseln, sind nicht hoch. «Bei Virtualisierung geht es inzwischen nicht mehr um die Hypervisor-Software», gibt sich Maritz entspannt, «sondern es geht um die Integration von Software, und das ist auch für eine so grosse Firma wie Microsoft trotz ihrer grossen Ressourcen nicht einfach, denn sie arbeiten seit Jahren daran und werden demnächst mit ihrem Produkt herauskommen.»

Wann könnte Microsoft zu einer Bedrohung werden? «Die arbeiten jetzt schon lange an ihrer Lösung und ich glaube, es ist möglich, der Konkurrenz voraus zu bleiben.» Microsoft dürfte weiterhin an einer eigenen Lösung arbeiten. Vor der Citrix fürchtet sich Maritz nicht.

Weniger Wachstum in Sicht

Auch der Markt für VMware schwächt sich ab, wie der neue Europachef Maurizio Carli einräumte. Es gibt viele Projekte, die verschoben werden. Bereits im letzten Quartal sah das Unternehmen einen Rückgang des Neulizenzenwachstums von 35% auf 8%.

Laut Kash Ragan, Analyst bei der Bank of America, reduzieren aber die Informatikchefs in ihren Unternehmen die Budgets rasch und dramatisch. Die jüngste Befragung von IT-Verantwortlichen durch die Bank ergab, dass zwar auch bei Virtualisierung etwas gespart wird, aber knapp zwei Drittel der IT-Chefs dennoch ihre Budgets leicht aufstocken werden.