Die dritte Dimension hat ihren Siegeszug längst durch Film, Fernsehen oder Videospiele angetreten. Mit 3D-Computeranimationen können jedoch ebenfalls Design- und Konstruktionsstudien, künftige Produkte oder technische Abläufe nachvollziehbar dargestellt werden – besonders auch von Uhren. Die 3D-Technik schafft für unsere Vorstellungen oder Träume eine reale Bühne der Wirklichkeit. Solche 3D-Präsentationen wirken auf Messen, bei Ausstellungen, Buchprojekten usw. als Objekt der Begierde, welches oftmals erst Monate später – als fertige Uhr – real erworben werden kann.

In aufwendiger «Handarbeit»

3D-Präsentationen sind aufwendige «Handarbeit» am Computer. Nicht selten stecken monatelange Arbeit und beachtliche monetäre Mittel dahinter. Anhand einer Werkspräsentation der Jules Audemars Minutenrepetion mit springender Stunde von Audemars Piguet (AP), welche Uhrmacher Christoph Guhl mit dem freischaffenden 3D-Spezialisten Marc Baechler von Koons Animation in Orbe realisierte, werden im Folgenden Arbeit und Ablauf dargestellt (siehe auch Abbildungen).

«Zuerst stellt sich die Frage: Was wollen wir für wen visualisieren?», erklärt Guhl, der nach jahrelanger Uhrmachertätigkeit bei Audemars Piguet dort nun sämtliche Bedienungsanleitungen verfasst und am Sitz der Manufaktur in Le Brassus unter anderem Kunden aus ganz Europa empfängt, um ihnen auf einer Betriebsführung die Welt der Haute Horlogerie näher zu bringen. Daneben realisiert Guhl Buchprojekte oder eben 3D-Animationen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachleuten.

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Nur in enger Zusammenarbeit

Da bei AP bereits die Konstrukteure in drei Dimensionen arbeiten, bildet ihr 3D-Konstruktionsplan eines Uhrwerks und einer Uhr auch gleichzeitig die Ausgangslage für die Arbeit von Marc Baechler. Dazu werden die von den Konstrukteuren erarbeiteten Einzelteile und das fertig montierte Uhrwerk auf CD-Rom übertragen. «Geht es um uhrmacherische Komplikationen, sind diese in den wenigsten Fällen schon montiert», sagt Baechler dazu. Diese erarbeite und platziere er in enger Zusammenarbeit mit Guhl. «Anders die äusseren Teile einer Uhr, wie Gehäuse, Zifferblätter, Indexe, Zeiger, Schrauben, Kronen oder Armbänder – solche Teile erhalte er meist in Rohform als 2D-Zeichnungen. Nach dem Einbetten in die 3D-Animation müssen die Teile weiterverarbeitet werden, je nach genauen Kundenvorgaben zum Beispiel gebürstet oder poliert werden», erklärt Baechler.

Ganz entscheidend: Das Licht

Eine oft unterschätzte Herausforderung seien die Lichteffekte, was man von der professionellen Fotografie her kenne. In 3D-Animationen geht es darum, Licht zusetzen oder zu abstrahieren, um die für den Betrachter wichtigen Teile zu beleuchten und so in den Vordergrund zu stellen. Dass neben sehr genauem Arbeiten ein gutes uhrmacherisches Verständnis unabdingbar ist, liegt auf der Hand.

Baechler hat sich dieses Fachwissen während fünf Jahren bei seinem früheren Arbeitgeber zVisuel in Lausanne (siehe Kasten) erarbeitet und kann es seit zwei Jahren in seinem Einmann-Studio Koons Animation weiterpflegen.

«Das ist auch der Grund, weshalb wir seit einem Jahr mit Marc Baechler zusammenarbeiten», erklärt Guhl, der aus früher gemachten Erfahrungen weiss, dass 95% aller 3D-Animationen nicht genau stimmen. Vielfach auch, weil bereits das Basismaterial der 3D-Designer oder die Makroaufnahmen der Fotografen zu wenig detailliertes und genaues Ausgangsmaterial abliefern.

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Pro Sekunde 25 Einzelbilder

Für den Laien wirken ganze Vorgänge in einer 3D-Animation – von der Montage mehrerer hundert Einzelteile fürs Uhrwerk, das Einschalen ins Gehäuse, das Verschrauben des Gehäusebodens oder das Einsetzen der Krone – wie von Geisterhand getätigt. Doch mit spezieller Software kann jedes Einzelteil beliebig hinzugefügt oder auch entfernt werden.

Dabei muss man sich vorstellen, dass – wie bei der Filmherstellung – auch bei einer 3D-Animation für jede einzelne Sekunde 25 Einzelbilder benötigt werden. Ferner kann die Geschwindigkeit, in welcher ein bestimmter Vorgang gezeigt werden soll, ebenfalls bestimmt und wieder verändert werden: Langsam wie in der realen Welt – oder eben schnell wie von Heinzelmännchen getätigt.

Schnell 20000 Franken teuer

Kein Wunder also, wenn die Erstellung einer guten 3D-Animation, zum Beispiel für die Präsentation einer Uhrenneuheit, für Marc Baechler gute zwei Monate Arbeit bedeutet und bis zu 20000 Fr. und mehr kosten kann. Einfache Animationen könne er bereits ab 5000 Fr. anbieten. Seine eigenen Investitionen sind hoch, weil einerseits Soft- wie Hardware in dieser Domäne rasch veralten, anderseits gerade ein Einmannbetrieb auf ein Maximum an Computern und Programmen angewiesen sei, um zeitaufwendige Arbeiten parallel laufen lassen zu können und so die geforderten Lieferfristen einigermassen kurz zu halten.

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Einen grossen zeitlichen Aufwand für den Auftraggeber wie für den -nehmer bedingen die laufenden Step-by-step-Kontrollen, ohne die niemals eine exakte 3D-Animation entsteht. Die Zusammenarbeit ist eng, das vorauszusetzende Vertrauen hoch. Vielfach handelt es sich um Neuheiten, die erst in einem Jahr spruchreif werden und deshalb unter strengster Geheimhaltung ausgeführt werden müssen. Dies geht nicht ohne vertragliche Vereinbarungen.

Einmal erstellte 3D-Animationen oder auch nur Teile davon sind mehrfach nutzbar, nicht nur für multimediale Anwendungen auf CD-Rom, sondern auch im Internet auf der eigenen Website, für die Schulung von Mitarbeitern und des Verkaufspersonals oder – wie hier gezeigt – für den Abdruck in Printerzeugnissen.

Ziel virtueller 3D-Visualisierungen ist immer die Darstellung von realen Welten, die es so noch nicht gibt – wie neue Produkte oder geplante Überbauungen – oder solche, die in der Realität nicht sichtbar sind, wie beispielsweise in der Medizin. Auch komplizierte Serviceleistungen oder Produktionsabläufe können ortsunabhängig visualisiert und ohne Deplacement irgendwo auf der Welt vorgeführt werden.

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