Daniel Mori hält Wort, klopft den Mitarbeitern auf die Schulter und tut alles, um Kündigungen zu vermeiden – der Visilab-Chef ist ein Patron alter Schule. Radikal wird er nur, wenn es um die Zukunft seines Unternehmens geht. Deshalb hat Mori per September die Mehrheit am grössten Optiker der Schweiz an die niederländische Grandvision verkauft. Grandvision ist einer 
der weltgrössten Optikhändler mit 6500 Shops und mehr als 31 000 Mitarbeitern. «Die neue Form der Zusammenarbeit wird den Fortbestand von Visilab sichern», sagt er.

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Ohne den Verkauf wäre es für Mori langfristig schwierig geworden. Besonders inhabergeführte Optikhändler wie Visilab sehen sich der Übermacht von Handelsriesen wie Fielmann und Co. gegenüber. Viele Optikfilialisten kämpfen ums Überleben. Im Vorjahr ist der Optiker-Markt um 0,4 Prozent geschrumpft. Rund 1050 Verkaufsstellen balgen sich um ein Umsatzvolumen von 1,4 Milliarden Franken.

Harter Wettbewerb

Der Verdrängungswettbewerb ist unerbittlich. Brillendiscounter fahren eine Tiefpreispolitik an hochfrequenten Toplagen, wobei Schweizer Händler kaum mithalten können. Zudem spielt sich ein grosser Teil des Optikhandels bereits im Internet ab. «In den nächsten Jahren wird eine Konsolidierung stattfinden», ist sich Mori sicher.

Der deutsche Retailer Mister Spex etwa verkauft massenhaft Kontaktlinsen online in die Schweiz – zu Euro-Einkaufs- und Franken-Verkaufspreisen. Auch Nasenfahrräder bestellen die Kunden vermehrt im Netz. Und zwar nicht nur das Gestell, sondern gleich die ganze Brille samt Gläsern. Die persönliche Betreuung entfällt meist. Grossflächige Standorte geraten dadurch rasant unter Kostendruck. Viele finden in kurzer Zeit entweder kein neues Konzept, keinen Nachfolger oder verlieren schlicht mehr Geld, als sie verdienen.

Visilab steigert Umsatz dennoch

So gesehen hält sich Mori mit seiner Visilab mehr als tapfer. Im Jahr 2016 setzte er mit 98 Filialen 173 Millionen Franken um – ein Plus von 5 Prozent zum Jahr davor. Das ist derzeit noch mehr, als Fielmann mit Sehbehelfen umsetzt (rund 10 Prozent von 183 Millionen Franken Umsatz sind Hörgeräte). Allerdings hat Visilab gut doppelt so viele Standorte wie Fielmann.

Beim durchschnittlichen Umsatz pro Standort und Jahr führt Fielmann mit 5,7 Millionen Franken klar vor Visilab. Vor allem deshalb, weil Visilab eher die Nähe zum Kunden am Wohnort sucht und mehr auf Service und Nachbetreuung setzt. Das mag personal- und kostenintensiver sein. Das ist es aber auch, was Daniel Mori unter Qualität versteht.

Visilab behält das Sagen

Doch wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Das hat auch Patron Mori nach 30 Jahren im Brillengeschäft verstanden. Sein Mehrheitsverkauf an Grandvision soll Visilab unter seiner Ägide in die Zukunft führen – mit mehr Kapital im Rücken für den Ausbau des Onlinehandels und einem längeren Atem, wenn 
es mal eine Durststrecke gibt. Rund 15 Millionen Franken investiert Visilab in 
ein neues Online-Ordersystem, worüber künftig auch Komplettbrillen bestellt werden können. Und: «Wenn neue Shops dazukommen, dann eher kleine, die als Showroom fungieren.» Das Lager hat Mori für den Rollout des Versandhandels verdoppelt, die Produktion zentralisiert.

Zwar ist Visilab mit dem Mehrheitsverkauf nicht mehr schweizerisch. Aber operativ hat Mori bis auf weiteres das Sagen. Er bleibt Präsident von Visilab, auch das Management soll sich laut Mori nicht ändern. «So haben wir es mit Grandvision vereinbart.»

Einstieg in den Online-Handel

In einem ersten Schritt verdoppeln die Niederländer den Anteil an Visilab auf 60 Prozent. Bis 2019 wird laut Vertrag auf 80 Prozent erhöht. Die anderen 20 Prozent gehören weiterhin der Genfer Groupe PP. Die Gruppe ist Moris Familienholding zusammen mit der in der Romandie bekannten Unternehmerfamilie Tolédo. Die Holding betreibt noch ein Immobilienbusiness und einen Apothekenhandel in der Westschweiz.

Besonders die Pharmazie-Sparte hat es Mori angetan. Er hat bereits grosse Pläne: Den Erlös aus dem Verkauf der Visilab-Anteile investiert er in den Aufbau eines Medikamentenversands. «Die Lizenz von Swissmedic haben wir. Zusammen mit einem grossen internationalen Partner wollen wir einen Versandhandel für pharmazeutische Produkte in der Schweiz lancieren.» Ende Jahr, spätestens Anfang 2018 soll es so weit sein. Das ist eine Kampfansage an die etablierte Online-Apotheke Zur Rose aus Frauenfeld. Das Marktpotenzial dafür sei in der Schweiz gross, so Mori. «Und für Brillen natürlich auch.»