Keine drei Jahre sind vorüber, da herrschte bei den Bankiers noch Aufbruchstimmung. Gemeinsam mit den Versicherern lancierten sie den «Masterplan Finanzplatz Schweiz». Die kühne Initiative, getragen von einem hohen Selbstwertgefühl, setzte sich zum Ziel, bis 2015 von der heutigen Position sechs im globalen Markt auf Rang drei hinter New York und London vorzustossen.

Wenig später wurden die Banken in den Strudel der Finanzkrise gerissen. Das Papier geriet in Vergessenheit. Andere Themen verdrängten den visionären Blick ins neue Jahrzehnt: Milliardenverluste bei den Grossbanken, staatliche Hilfspakete, ausländischer Druck auf das fiskalische Bankgeheimnis und eine anbrechende Flut von Regulierungen.

Mittlerweile ist die akute Krise an den Finanzmärkten ausgestanden. Anstelle von Feuerwehrübungen versuchen die teilweise arg gebeutelten Banken mit fundierten strategischen Entscheidungen wieder Tritt zu fassen. Der Glaube an die Strahlkraft des Finanzplatzes Schweiz, mit günstigen Perspektiven im internationalen Wettbewerb, ist nicht verloren gegangen. «Wir tragen die Vision weiter», gibt sich Urs Roth, der abtretende Chef der Bankiervereinigung, für die Zukunft optimistisch. Es gebe im Masterplan viele Elemente, die diese Krise überdauern würden. Er denkt an Nischenmärkte wie etwa die Sparte Commodity Trade Finance oder die Produktion von alternativen Anlagen, wo sich eine bereits starke Stellung noch ausbauen lasse. Wie rasch sich solche Planspiele aber realisieren lassen, bleibt vorerst ungewiss. Die Hedge-Fonds-Industrie, mit einer starken Position im Raum Zürich und Genf, wird von der Aufsicht stärker an die Kandare genommen. Solche Auflagen und ein verschärfter Konkurrenzkampf zwingen zur Anpassung der Geschäftsmodelle und Produkte.

Anzeige

Vorausschauende Manager achten in dieser Übergangszeit auf eine möglichst hohe Effizienz bei den Produktionsprozessen. Man will mit schlanken Strukturen und kundenfreundlichen Angeboten punkten. Die Investitionen in kostensparende IT-Projekte werden sukzessive hochgefahren.

Der vorherige Tritt auf die Kostenbremse hat im letzten Jahr zu einem deutlichen Stellenabbau geführt. Mit der Normalisierung im Marktumfeld geht es bei der Beschäftigtenzahl wieder leicht aufwärts. In vielen Banksparten werden zusätzliche Leute eingestellt.

Bleibt einzig der heikle Umgang mit unversteuerten Geldern. Die Banken haben sich einer Weissgeldstrategie verschrieben. Um ethisch und moralisch glaubwürdig zu sein, ist sie rigoros durchzusetzen.