Die Modekette Charles Vögele ist im vergangenen Geschäftsjahr 2011 tief in die roten Zahlen gestürzt. Unter dem Strich erlitt der Konzern einen happigen Verlust von 119,1 Millionen Franken. Zudem brachen die Umsätze um 15 Prozent auf 1,016 Milliarden Franken ein.

Im Vorjahr hatte der Kleiderkonzern immerhin noch einen Reingewinn von 17,8 Millionen Franken erreicht. Das Betriebsergebnis (Ebit) verschlechterte sich von +37,6 Millionen auf -113,7 Millionen Franken, wie Charles Vögele in einem Communiqué bekannt gab.

Damit hat Charles Vögele selbst nach drei Gewinnwarnungen im abgelaufenen Jahr die bereits tiefen Erwartungen der Analysten erneut verfehlt. Diese hatten im Durchschnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP mit einem Umsatz von 1,054 Milliarden Franken, einem Betriebsverlust von 87 Millionen Franken und einem Verlust von 108 Millionen Franken gerechnet.

«Mit dem Jahresresultat 2011 sind wir natürlich nicht zufrieden», erklärte der neue Konzernchef Frank Beeck. Die Wirtschaftslage, der starke Franken und der unüblich warme Herbst hätten die Geschäfte massiv beeinträchtigt.

Hinzu kamen hausgemachte Schwierigkeiten: So verursachte das neue Verteilzentrum Süd erhebliche Lieferprobleme, die zu Engpässen bei den Kleidern führten. Zusätzlich seien die Kunden verunsichert durch eine unklare Marktpositionierung und Probleme bei der Damenkollektion.

Rauswurf des Konzernchefs

Charles Vögele hatte nach einem happigen Halbjahresverlust im September Konzernchef André Maeder vor die Tür gesetzt. Der neue Konzernchef Frank Beeck krempelt seither die angeschlagene Modekette um.

Um sich klarer im Markt zu positionieren und sein Profil zu schärfen, stampft das Unternehmen die bestehenden Hauptmarken Casa Blanca, Biaggini und Kingfield ein. Stattdessen würden sämtliche Kollektionen ab 2013 unter der Dachmarke Charles Vögele geführt.

Die Zusammenarbeit mit den Hollywood-Stars Penélope und Mónica Cruz wurde vor kurzem beendet. Mit dem Engagement der beiden Schauspielerinnen als Werbe-Ikonen war Maeder im Jahr 2010 ein Paukenschlag gelungen. Die Cruz-Schwestern brachten frischen Wind ins Image des Kleiderkonzerns, dem die Kunden vor zwei Jahren laut einer Umfrage keine Modekompetenz mehr zugeschrieben hatten.
Zudem hatte Maeder für die Herrenkollektion den deutschen Schauspieler Til Schweiger angeheuert. Überdies wurden Modemagazine eingeführt und zahlreiche Läden aufgemöbelt. Dennoch konnte der Kleiderkonzern noch nicht in ausreichendem Masse neue Kunden gewinnen.

Ergebnisse eingebrochen

Reihum brachen die Ergebnisse ein: Nur noch in der Schweiz konnte Charles Vögele operativ Gewinn machen. Allerdings schmolz auch hierzulande der Ebit von 54 Millionen auf 8,1 Millionen Franken zusammen. In Deutschland weitete sich der Betriebsverlust von 4,3 Millionen auf 40 Millionen Franken aus.

Den grössten Betriebsverlust erlitt der Konzern in Osteuropa mit 57,7 Millionen Franken nach einem leichten Minus von 0,9 Millionen Franken im Vorjahr. Auch in den Benelux-Ländern vergrösserte sich das Defizit von 11,2 Millionen auf 24,1 Millionen Franken.

Die Resultate nach unten zog ein Abschreiber von 36 Millionen Franken auf den Goodwill in Österreich und Deutschland. Auslöser für den Abschreiber sei der Taucher des Euro, hiess es.

Gewinn ab 2014

Nach dem Desasterresultat will Charles Vögele dank der Korrekturmassnahmen bis Ende nächsten Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen. Die Umsätze sollen bis dann wieder leicht wachsen. Ab 2014 erwartet Charles Vögele einen zweistelligen Nettogewinn.

Viel länger darf sich der Konzern auch nicht Zeit lassen. Dank einer Anfang Jahr abgeschlossenen Kreditvereinbarung über 255 Millionen Franken mit einem Bankenkonsortium sei die Finanzierung von Charles Vögele bis Mitte 2015 gesichert, hiess es.

(rcv/laf/sda)

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