Vögele Shoes, der zweitgrösste Schuhhändler des Landes, bleibt im Krisenmodus. Der Umsatz ist massiv rückläufig. Das Ladennetz wird deshalb weiter zusammengestrichen. Der polnische Eigentümer hat derweil die Nerven verloren und möchte das Geschäft loswerden. Nach gerade einmal zwei Jahren. Zu gross sind die Verluste. 

Den Angestellten droht der Kahlschlag. Künftig sollen nur noch «rund 100 gute Stores» im Unternehmen bleiben, wie Vögele-Chef Max Bertschinger zu BLICK sagt. Heute sind es noch knapp über 160 Läden. Macht unterm Strich ein Abbau von mehr als 60 Filialen. Dabei hat der Schuhhändler in den letzten Jahren bereits dutzende Läden geschlossen.

Von Zalando an die Wand gedrückt

Das Unternehmen hat die besten Tage eindeutig hinter sich. Einst stöckelte die schönste Schweizerin mit Vögele-Schuhen durchs Land. Das Geschäft war schon fast ein Selbstläufer. Die Gruppe zählte gegen 3000 Angestellte und mache einen Umsatz, der nicht weit weg von einer halben Milliarde Franken war. Vögele Shoes führte alleine im Nachbarland Österreich annähernd 100 Filialen. TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer war Werbebotschafterin.

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Jetzt kämpft Vögele Shoes gegen den Bedeutungsverlust. Giganten wie Zalando haben den Traditionsbetrieb massiv zurückgedrängt. Vor zwei Jahren wurde das einstige Familiengeschäft mehrheitlich nach Polen verkauft. 

Die Osteuropäer werden mit dem Business aber auch nicht glücklich. Vor wenigen Tagen gaben sie eine Neubewertung der Firma bekannt. Weil sie das Geschäft nicht fortführen wollen. Die Folge: Ein Abschreiber von umgerechnet 53 Millionen Franken.

Umsatz hat sich halbiert

Als die Polen das Zepter übernahmen, war die Weisung klar: Vögele Shoes muss schwarz schreiben. Das Ziel haben die Schweizer aber nie erreicht. Auch die Umsatzzahlen entwickelten sich negativ. Corona und der behördliche Lockdown haben den Negativtrend zusätzlich befeuert. Der Umsatz von Anfang April bis Ende Juni hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert – von umgerechnet 33 Millionen Franken auf nur noch 17 Millionen Franken.

Das reicht nicht. Seit längerem regiert deshalb der Rotstift. Der Chef wurde ausgewechselt, es kam zur Massenentlassung. «Kein einfacher Entscheid», sagte der Vögele-Shoes-Chef seinerzeit. Einfacher wurde es seither nicht. 

«Alle Optionen offen»

Wie geht es jetzt weiter? Wer übernimmt das serbelnde Business? «Was die künftigen Eigentumsverhältnisse betrifft, sind alle Optionen offen», so Bertschinger. Und trotzdem gibt sich der Chef Mühe, Mut und Hoffnung zu verbreiten. Er spricht davon, dass Vögele Shoes gut in die Herbst- und die Wintersaison gestartet sei.

Bertschinger bereitet sogar die 100-Jahr-Feier vor. Die nächste Zeit soll an den Gründervater Karl Vögele erinnert werden. An seine kleine Schuhmacherei in Uznach SG, die Ausgangspunkt war für den unternehmerischen Höhenflug der ganzen Vögele-Familie.

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Dieser Artikel wurde zuerst im Wirtschaftsressort des «Blick» veröffentlicht.

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