Seit Jahresbeginn läuft das neue, elektronische Ausfuhrverfahren E-dec-Export. Die Umstellung auf das System bietet den Schweizer Exporteuren und Spediteuren gute Chancen, ihre Abläufe rund um die Ausfuhr zu optimieren, dies zeigen die Erfahrungen der Churer Würth Logistics AG. Durch die kürzlich nochmals erfolgte Verlängerung der Übergangsfrist auf den 31. März 2010 ist die dafür notwendige Zeit nun gegeben.

Während rund 30 Jahren hat die papiergestützte Vereinfachte Ausfuhrregelung, kurz VAR genannt, der schweizerischen Exportwirtschaft gute Dienste geleistet. Jetzt steht die Ablösung dieses Systems an. Im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten der Ausfuhrverzollung, wie dem Formular 10.030 oder dem NCTS (New Computerised Transit System), wird die VAR derzeit am intensivsten genutzt: Mehr als die Hälfte aller Exporte läuft darüber. Nächstes Jahr im März ist damit allerdings endgültig Schluss. Bei den Regelungen im Bereich des Zoll- und Aussenhandels war in den letzten Jahren auf internationaler Ebene viel Bewegung festzustellen: Die EU reformierte ihren Zollkodex und rief dabei das Projekt E-Customs ins Leben. Das Thema «Sicherheit im grenzüberschreitenden Güterverkehr» geriet mit 9/11 in der ganzen Welt stark in den Fokus der Behörden.

Entwicklungen, denen sich die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) im Interesse der Wirtschaft schon seit einigen Jahren stellt und dabei auch die neuen Möglichkeiten der sich rasant entwickelnden Informationstechnologie nutzt, um die eigenen Abläufe effizient und zeitsparend zu gestalten. Um diese Anforderungen im Export zu realisieren, wurde 2005 das Projekt «IDEE - Ideale elektronische Exportlösung» gestartet. Das Ergebnis heisst E-dec-Export und ist seit Anfang Januar 2009 operativ im Einsatz.

Anzeige

Zufrieden mit dem Start

Irène Oppliger leitet die «IDEE» seit Projektstart. Sie ist mit dem «going-live» von E-dec-Export sehr zufrieden: «Bei den etwa 100 Firmen, die derzeit damit arbeiten, läuft es nach kleineren Anpassungen reibungslos. Auch spezielle Lösungen - wie beispielsweise die Ausfuhr von Waren mit rückerstattungsberechtigten Grundstoffen - funktionieren gut.» Da es noch die eine oder andere Zollstelle gebe, die bis dato keine E-dec Export-Abwicklung hätten, könne es bei der Premiere vielleicht noch zu Unstimmigkeiten kommen, die aber schnell ausgeräumt sein werden.

Ein zentraler Vorteil des neuen Verfahrens: Es gibt keinen Medienbruch mehr. Die Daten müssen nur einmal erfasst bzw. aus einem Vorsystem des Exporteurs übernommen werden. Alle weiteren Abläufe zwischen Exporteur, Spediteur und den Zollbehörden erfolgen elektronisch - sicher, schnell und transparent. «Der Exporteur meldet seine Sendungen via E-dec-Export an, bekommt quasi unmittelbar von der EZV die Anmeldung als PDF mit Barcode übermittelt», erklärt die Projektleiterin das Prozedere. «Diese gilt 30 Tage. Bei der tatsächlichen Ausfuhr der Ware wird die Selektionsanfrage via E-dec-Export elektronisch durchgeführt und wir prüfen, ob die Ware direkt freigegeben oder für eine Kontrolle durch das Zollfachpersonal gestoppt wird.»

Status «zugelassene Versender»

Wird die Sendung von einem Spediteur ausgeführt, kommt es auf dessen Status als «Zugelassener Versender» an. Ohne ZV-Status muss der Fahrer den Ausdruck des Anmelde-PDF am Schalter des Ausfuhrzollamtes vorlegen und der Beamte übernimmt die Selektionsanfrage. Spediteure mit ZV-Status haben über ein kostenloses Webtool Zugang zu E-dec-Export. Der Exporteur übermittelt seinem Transportpartner die Anmeldungen elektronisch. Über das Webtool stellt der Spediteur für die betreffenden Waren eine Selektionsanfrage an den Zoll und bekommt binnen kurzer Zeit die Information, ob die Ware freigegeben oder für eine eventuelle Kontrolle gesperrt ist. Anschliessend kann der Spediteur - wieder über das Webtool der EZV - die Ausfuhrdaten ins Transitsystem übernehmen lassen. Die manuelle Erfassung der warenbezogenen Daten ist hinfällig.

Sowohl Exporteure als auch Spediteure, die E-dec-Export nutzen möchten, müssen sich bei der EZV registrieren lassen. Im Moment werden noch viele Anträge unvollständig eingebracht. Dadurch gibt es noch Verzögerungen. Grundsätzlich ist die Registrierung in ein paar Tagen erledigt.

So einfach wie E-Banking

Die effiziente Organisation und Koordination von Transport- und Logistikabläufen ist das Kerngeschäft der Würth Logistics AG in Chur - einer Tochtergesellschaft der Würth-Gruppe. Hier hat man sich schon sehr früh mit den Möglichkeiten und Chancen der neuen, elektronischen Zollverfahren auseinandergesetzt. «Der Grossteil der 400 000 jährlich von uns abgewickelten Sendungen läuft im Export. Im Sinne maximaler Effizienz achten wir dabei auch auf schlanke Zollprozesse», erklärt Manuel Knöpfli, Managing Director der Würth Logistics AG. Als Pilotkunde unterstützen deren Zollexperten beispielsweise SAP bei der E-dec-Export-Erweiterung des Handelstools Global Trade System. Gemeinsam mit einem deutschen Entwicklungspartner hat sein Team dafür eine systemunabhängige Software-Lösung für E-dec-Export entwickelt. Das Helv-e-dec genannte Tool gibt es als kostengünstige und einfach zu installierende ASP-Lösung. «Damit wird E-dec fast so einfach wie E-Banking», erklärt Knöpfli. Bei Kunden mit einem grösseren Exportvolumen kann Helv-e-dec auch direkt installiert und mit bestehenden ERP-Systemen verbunden werden.

Anzeige

«Man kann sich über das Ende der VAR aufregen. Man kann aber auch die Möglichkeiten des E-Zolls nutzen, und beispielsweise durch die Bildung einer elektronischen Plattform zu Zollbehörden, Speditionspartnern und Lieferanten die Kommunikationsabläufe deutlich optimieren», betont der Würth-Logistics-Chef. In einem Projekt für ein Aussenhandelslager in Graubünden konnten durch solche Massnahmen jährliche Einsparungen in Höhe von rund 750000 Fr. realisiert werden.