Nutzfahrzeuge, insbesondere schwere, erfreuen sich derzeit einer starken Nachfrage. Wie verlief das Geschäftsjahr 2007 bis jetzt für die Volvo Truck Corporation?

Staffan Jufors: Wir sind momentan sehr zufrieden mit der Nachfrage nach unseren Fahrzeugen, in Europa entwickelten sich fast alle Märkte sehr positiv. In Frankreich und Grossbritannien allerdings ist die Nachfrage rückläufig. Derzeit sind unsere Produktionsanlagen voll ausgelastet, und wir wollen mit weiteren Produktivitätssteigerungen unseren Ausstoss weiter steigern. Ziel ist die Zahl von 100000 Fahrzeugen.

Mit welcher Geschäftsentwicklung rechnet Volvo Truck im kommenden Jahr?

Jufors: Wir erwarten im 2008 eine ähnliche Entwicklung der Nachfrage, allerdings auf einem leicht niedrigeren Niveau im Vergleich zu diesem Jahr.

Wie wichtig sind die osteuropäischen Märkte für Volvo Truck?

Jufors: Das sind sehr interessante Märkte für uns, besteht doch in diesen Ländern eine grosse Nachfrage nach mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen. Wir investieren in diesen Ländern auch erhebliche Mittel in unser Vertriebsnetz sowie in unsere Produktionsanlage in Russland.

Wie sehen die Chancen der Volvo Group in Nordamerika und in Südamerika derzeit aus?

Jufors: In Nordamerika können wir mit der Marktnachfrage mithalten, welche allerdings durch vorgezogene Käufe aufgrund verschärfter Emissionsvorschriften Ende letzten Jahres heuer etwas schwächer ausfällt als noch 2006. Südamerika entwickelt sich sehr erfreulich, vor allem Brasilien und Argentinien. Ebenfalls sehr positiv entwickeln sich die Märkte im Mittleren Osten sowie in Australien.

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Wie sieht die Entwicklung in China aus?

Jufors: Wir gehen von einer kontinuierlichen Entwicklung der Nutzfahrzeugverkäufe in Asien aus. Mit dem Erwerb von Nissan Diesel haben wir unsere Position deutlich verbessern können. Im Weiteren unterhalten wir Joint Ventures mit chinesischen Herstellern.

Die Volvo Group besteht aus den drei Herstellern Volvo, Renault und Mack. Welche Synergien können zwischen den drei Konzernmarken genutzt werden?

Jufors: Wir können eine ganze Reihe von Synergien zwischen den drei Marken nutzen. Als Beispiele möchte ich die Informatik erwähnen, ferner den Vertrieb unserer
Fahrzeuge, aber vor allem auch die Forschung und Entwicklung – Stichwort Umweltschutz. Hier können wir markante Synergien nutzen, und zwar für alle drei Marken sowie für die Baumaschinen und die Schiffsmotoren, die ebenfalls zur VolvoGruppe gehören. Zudem können wir in der Produktion der einzelnen Nutzfahrzeuge Synergien erzielen, beispielweise durch die gemeinsame Nutzung von Plattformen und wichtiger Komponenten des Nutzfahrzeuges.

Irgendwann gehen die fossilen Treibstoffe aus, welche alternativen Antriebe sollen dann aus der Sicht von Volvo Truck zum Zuge kommen?

Jufors: Wir sind in der Lage, Motoren zu entwickeln für alle bekannten alternativen Treibstoffe. Die grosse Frage ist allerdings, welcher alternative Antrieb sich in Zukunft durchsetzen wird. Hier ist unserer Ansicht nach auch die Politik gefragt, welche uns Herstellern entsprechende Rahmenbedingungen wie Emissionswerte und Sicherheitsstandards vorgeben sollte. Derzeit wird an zahlreichen, teils sehr unterschiedlichen alternativen Antriebskonzepten gearbeitet. Auch wir sind intensiv daran, neue Konzepte zu entwickeln, welche insbesondere auch die vielfältigen
Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigen. Wünschenswert wäre allerdings, wenn die Nutzfahrzeughersteller weltweit einheitliche Normen erfüllen könnten, dies würde die Forschungsarbeiten deutlich erleichtern.

Wo sieht die Volvo Group Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit des Nutzfahrzeuges noch zu steigern?

Jufors: Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Unsere Kampagne «Fuel Watch» hat zum Ziel, den Betrieb eines Nutzfahrzeuges so wirtschaftlich wie möglich zu gestalten. Dazu gehört eine ökologische und ökonomische Fahrweise. Dank der Nutzung moderner Technologien wie beispielsweise effizienter Getriebe – Stichwort I-Shift – können moderne Nutzfahrzeuge heute sehr kosten- und verbrauchseffizient betrieben werden.

Bereits in der Fertigung können Emissionen eingespart werden. Volvo hat vor kurzem die erste kohlendioxidfreie
Produktionsanlage in Betrieb genommen. Folgen diesem Beispiel weitere Werke?

Juffors: Im Jahr 2005 starteten wir den Versuch, nachzuweisen, dass eine Produktionsanlage kohlendioxidfrei betrieben werden kann. Unsere schwedischen Werke in Umea und Tuve sowie dasjenige in Gent – Belgien – standen im Wettbewerb, wem dies zuerst gelingen würde. Mit zahlreichen baulichen Massnahmen wie Windkraftwerken und Biomasseanlagen gelang es uns, als Erstes das Werk Gent völlig kohlendioxidfrei zu betreiben. Die anderen Werke werden diesem Beispiel folgen.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt für Volvo Truck?

Jufors: Der Schweizer Markt ist sowohl ein wichtiger wie auch ein sehr guter Markt für uns. Wir verfügen in der Schweiz, einem Markt mitten in Europa, über ein gutes Servicenetz und eine treue Kundschaft, die zudem sehr anspruchsvoll ist und sehr oft auch die neueste Technologie haben möchte.

Sollte es zu einem Zusammenschluss von Scania und MAN kommen, welche Reaktion würde dies bei Volvo Truck auslösen?

Jufors: Wir verfolgen diese Entwicklung natürlich, doch sie werden sicher verstehen, dass wir dies nicht kommentieren möchten.

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Zur Person
Steckbrief

Name: Staffan Jufors
Alter: 56
Ausbildung: Master of Business
Administration
Funktion: Präsident und CEO Volvo Truck Corporation

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Volvo

Volvo Truck
Das Unternehmen erzielte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2007 einen Umsatz von 68,4 Mrd SKr (+13%) und weist ein Operating Income von 5,01 Mrd SKr aus. Insgesamt wurden 161142 Nutzfahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 1%. In Südamerika konnte Volvo in den ersten neun Monaten die Verkäufe um 19% steigern, in Europa um 5%, in den USA ging der Absatz um 58% zurück.