Innerhalb der Käuferschaft für neue Nutzfahrzeuge herrscht derzeit einige Unsicherheit. Themen wie LSVA und Euro-Normen beeinflussen den Kaufentscheid nachhaltig. Wird dies noch längere Zeit anhalten?

Jürg Hörzer: Wir gehen davon aus, dass die Unsicherheit bezüglich der Euro-4- beziehungsweise Euro-5-Normen noch anhalten wird. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dass bei der nächsten Anhebung der LSVA die Klassen Euro-4 und Euro-3 in der gleichen Kategorie bleiben, wird die Qual der Wahl noch weiter anhalten.

Dazu kommt, dass Volvo noch keine Euro-4-Fahrzeuge liefern kann...

Hörzer: Das stimmt. Doch die Kunden können solche Modelle bereits bestellen, und wir verfügen auch bereits über einen Auftragsbestand für die Ende dieses Jahres beginnende Produktion von Euro-4- und Euro-5-Modellen. Wir vertreten den Standpunkt, dann mit entsprechenden Modellen auf den Markt zu gelangen, wenn diese vom Gesetzgeber auch vorgeschrieben werden und deren Technik ausgereift ist. Jetzt schon mit Euro-5- Modellen zu werben, erachten wir als kontraproduktiv, weil dies dem Gesetzgeber signalisiert, dass tiefere Emissionswerte von den Herstellern problemlos vor der vorgegebenen Frist erreicht werden können.

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Angenommen, ein Transportunternehmen muss dieses Jahr Fahrzeuge ersetzen und möchte eigentlich Euro-4-Typen von Volvo kaufen, doch diese sind noch nicht lieferbar. Wie reagiert Volvo Trucks Schweiz auf diese Situation?

Hörzer: Dafür haben wir das Programm «Technology-Rent» geschaffen. Der Kunde kann in diesem Jahr Euro-3-Fahrzeuge kaufen, die er nach zwei Jahren zurückgeben und gegen Euro-5-Modelle eintauschen kann.

Wie stellt sich Volvo generell zu den so genannten Buy-back-Verkäufen, bei denen die verkauften Fahrzeuge zu einem im Voraus bestimmten Betrag nach zwei oder mehr Jahren vom Verkäufer zurückgenommen werden?

Hörzer: Wir schliessen solche Verträge ab, aber nur für Lastwagen, für die ein Service- und Wartungsvertrag sowie ein Finanzierungsvertrag mit Volvo Trucks beziehungsweise Volvo Finance abgeschlossen wurde. Damit ist gewährleistet, dass die notwendigen Wartungsarbeiten auch ausgeführt werden und dass sich diese Fahrzeuge bei der Rückgabe in einem guten Zustand befinden.

Für kürzere Zeitabschnitte kann man Lastwagen auch mieten. Welche Angebote kann Volvo Trucks der Kundschaft machen?

Hörzer: Im Rahmen unseres Dienstleistungspaketes «Truck Rent» unterhalten wir eine Flotte von rund 40 Lastwagen, welche als Mietfahrzeuge für kürzere Zeit oder auch längerfristig bis zu zwei Jahren eingesetzt werden können.

Welches Absatzziel hat man sich für 2005 vorgenommen?

Hörzer: Unser Ziel für dieses Jahr haben wir angesichts der bereits erwähnten Rahmenbedingungen auf rund 350 Fahrzeuge angesetzt.

Wo sieht Volvo Trucks Schweiz das Gesamtmarktvolumen für schwere Fahrzeuge?

Hörzer: Wir gehen von einem Absatzvolumen in der Schweiz von 3300 bis 3500 Fahrzeugen ab 8 t Gesamtgewicht in diesem Jahr aus.

Welche Dienstleistungen kann Volvo Trucks Schweiz im Finanzierungsbereich anbieten?

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Hörzer: In Zusammenarbeit mit unserer eigenen Finanzierungsgesellschaft Volvo Finance (Suisse) SA können wir unserer Kundschaft rasch und unkompliziert individuelle Finanzierungspakete offerieren. Diese Finanzierungs-dienstleistungen wurden speziell für die Nutzfahrzeugbranche entwickelt und sind deshalb exakt auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten.

Wichtiger als der Preis sind die Dienstleistungen rund um das Nutzfahrzeug. Was bietet Volvo in diesem Bereich den Kunden an?

Hörzer: Für rund 60% der von uns in der Schweiz verkauften Lastwagen werden Service- und Dienstleistungsverträge und meist auch Finanzierungsverträge abgeschlossen. Dies betrifft auch die Flottengeschäfte, hier konnten wir in den vergangenen Jahren einige grössere abschliessen.

Bei einigen dieser Flottengeschäfte wurden den Kunden nicht nur Fahrzeuge, sondern Logistiklösungen angeboten...

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Hörzer: Wir gehen zuerst einmal auf die Bedürfnisse des Kunden ein und versuchen, seine Logistikprobleme zu lösen. Dabei agieren wir als Generalunternehmer; wir verkaufen nicht nur Lastwagen, sondern wir liefern dem Kunden ein seinen Bedürfnissen entsprechendes Logistikkonzept aus einer Hand. Als Beispiel seien die Firmen Usego, Feldschlösschen Getränke AG und Eichhof Getränke AG erwähnt.

Beim Neuwagenverkauf muss oft ein gebrauchtes Fahrzeug eingetauscht werden. Wie ist das Occasionsgeschäft bei Volvo Trucks Schweiz organisiert?

Hörzer: Volvo verfügt über ein europaweites Netz an Verkaufsstellen für gebrauchte Fahrzeuge, von dem wir ebenfalls profitieren können. In der Schweiz verfügen wir über zwei so genannte Used Truck Centers; das eine befindet sich in Dällikon an unserem Hauptsitz, das andere in Münchenbuchsee. Diese beiden Zentren wickeln im Moment die Occasionsverkäufe von Volvo-Lastwagen in der Schweiz ab. Im August 2005 werden sie an unseren neuen Standort in Egerkingen verlegt.

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Derzeit befindet sich das Truck- Drive-in Egerkingen im Bau. Wann ist die Eröffnung und welche Idee steckt hinter diesem Projekt.

Hörzer: Es handelt sich bei diesem Projekt um eine neue Idee im Bereich Nutzfahrzeugverkauf und -unterhalt. In diesem Kompetenzzentrum sind insgesamt sechs Partner tätig, welche vielfältige Dienstleistungen rund um den Lastwagen anbieten. Dazu gehören unter anderem: Reifenservice, Kühlgeräte, Maler- und Karosseriearbeiten sowie Fahrzeugaufbauten. Das Zentrum stellt ein Pilotprojekt von Volvo für ganz Europa dar und soll im September eingeweiht werden.

Welche Philosophie vertritt Volvo punkto Vertriebswege: Verkauft man direkt oder über selbstständige Händler?

Hörzer: Seit 1998 wickeln wir das Nutzfahrzeuggeschäft in der Schweiz in eigener Regie ab. In den Betrieben unserer Marktpartner sind eigene Verkäufer von uns tätig, welche unsere Kundschaft beraten und ihr alles vom Chassis bis zu kompletten Transportlösungen anbieten können.

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Die Aspekte der Sicherheit spielen beim Nutzfahrzeug ­ besonders nach den jüngsten tragischen Unfällen ­ eine immer wichtigere Rolle. Wie geht Volvo mit diesem Problem um?

Hörzer: Volvo kann zu den Pionieren in Sachen aktiver und passiver Fahrzeugsicherheit gezählt werden sowohl beim Personenwagen wie beim Nutzfahrzeug. Die Fahrzeugsicherheit ist eine Kernkompetenz von Volvo. Wir waren die ersten, welche serienmässig den Sicherheitsgurt und den Frontunterfahrschutz FUPS sowie optional den Airbag und das ESP-System im Nutzfahrzeug einführten. Neuere elektronische Systeme, wie zum Beispiel Abstandswarnung oder Spurverlassungssysteme, sind ebenfalls ein wichtiges Thema für uns. Zudem analysiert seit rund 30 Jahren ein spezielles Team weltweit alle Unfälle, in denen ein Volvo-Lastwagen verwickelt wurde.

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Welche neuen Modelle kann die Kundschaft dieses Jahr von Volvo erwarten?

Hörzer: Lassen Sie mich dies so beantworten: Wir kommen in der zweiten Jahreshälfte 2005 und in der ersten Jahreshälfte 2006 mit wesentlichen Neuheiten auf den Markt. Die Kundschaft soll sich überraschen lassen.


Profil: Steckbrief

Name: Jürg Hörzer
Geboren: 7. Mai 1962
Familie: Verheiratet, ein Sohn
Funktion: General Manager Volvo Trucks (Schweiz) AG, Dällikon