Mit dem Börsengang 1999 hat die US-Investmentbank Goldman Sachs schlagartig mehrere hundert Partner reich gemacht. Die Entwicklung der Wall-Street-Bank seitdem hat Lloyd Blankfein zum Milliardär werden lassen. In den neun Jahren seit Blankfein CEO von Goldman ist, wuchs sein Nettovermögen auf rund 1,1 Milliarden  Dollar an, während sich der Aktienkurs seit dem Börsengang vervierfachte, wie der Bloomberg Billionaires Index zeigt.

Als grösster Einzelaktionär von Goldman Sachs besitzt Blankfein ein Aktienpaket im Wert von fast 500 Millionen Dollar. Immobilien und ein Investmentportfolio, die mit Cash-Boni und Ausschüttungen der Private-Equity-Fonds der Bank finanziert wurden, sind mehr als 600 Millionen Dollar wert.

Einfache Herkunft

Der Sohn eines Postangestellten aus New York hat damit seinen Wohlstand dramatisch gesteigert. Er ist einer der wenigen derzeitigen Chefs einer global aufgestellten Bank, der bereits im Top-Management war, bevor die Firma an die Börse ging. Das wird auch so bald nicht wieder passieren, weil Goldman Sachs die letzte der grossen Wall-Street-Firmen war, die ihr Private- Partnership-Modell aufgab.

«So etwas wird zukünftig selten sein», sagt Alan Johnson von der Vergütungsberatungsfirma Johnson Associates, «die meisten Leute werden keine so lange Karriere im Spitzenmanagement machen, und es ist natürlich auch ungewöhnlich, dass jemand so viele von den Aktien behält, die er bekommt. Und dann muss die Firma natürlich auch sehr erfolgreich sein.»

Anzeige

Auch Paulson verdient sich goldene Nase

Der 60-jährige Blankfein war Co-Chef Handels mit festverzinslichen Wertpapieren, als Goldman Sachs an die Börse ging. Der IPO brachte der Führungsriege sehr viel Geld ein. Partner der Firma erhielten zu dem Zeitpunkt im Durchschnitt Aktien im Wert von 63,6 Millionen Dollar. Henry Paulson, CEO der Bank vor und nach dem Börsengang, besass Aktien und Optionen im Wert von fast 600 Millionen Dollar, als er 2006 die Firma verliess, um US-Finanzminister zu werden. Dank dieses Schritts konnte er seinen Anteil steuerfrei verkaufen.

Der Aktienkurs der Firma ist seit dem Börsengang um 298 Prozent gestiegen, während der Standard & Poor’s 500 Financials Index sechs Prozent verlor.

«Kein Kommentar» von Goldman

Goldman-Sprecher Jake Siewert wollte die Berechnung von Bloomberg weder bestätigen noch dementieren. Er sagte, Blankfein habe einen Kommentar zu seinem privaten Vermögen abgelehnt.

Neben Blankfein besitzen vier weitere derzeitige Goldman- Sachs-Manager Aktien des Unternehmens im Wert von jeweils mehr als 175 Millionen Dollar: Präsident Gary Cohn, Finanzchef Harvey Schwartz, General Counsel Greg Palm und Vizepräsident John S. Weinberg, der in diesem Monat seinen Rücktritt angekündigt hat.

Auch JPMorgan-Chef ist Milliardär

Bei den anderen vier grössten amerikanischen Investmentbanken hält nur ein aktueller Manager Aktien seines Unternehmens im Wert von mehr als 50 Millionen Dollar: Jamie Dimon, CEO der Grossbank JPMorgan Chase. Sein Anteil entspricht laut Bloomberg Billionaires Index fast der Hälfte seines Nettovermögens von rund 1,1 Milliarden Dollar.

Anzeige

Harvard-Absolvent Blankfein arbeitete kurzzeitig als Steueranwalt, bevor er 1982 als Devisenhändler zu J. Aron & Co. ging. Ein Jahr später akquirierte Goldman Sachs die Rohstofffirma. Blankfein machte Karriere und übernahm 2006 die Spitzenposition bei der Bank.

Er steuerte die Bank durch die Finanzkrise

Als CEO überstand er die schlimmste Finanzkrise seit der Grossen Depression und baute den Ruf der Firma wieder auf, der wegen ihrer Praxis beim Verkauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren schwer gelitten hatte. Diese Erholung trug auch zum Wertanstieg von seinen 2,24 Mio. Aktien bei. Er besitzt zudem 536.582 ausübbare Optionen im Wert von rund fünf Mio. Dollar, wie aus Pflichtmitteilungen der Bank hervorgeht.

Die Berechnung des Nettovermögens schliesst nicht-ausübbare Optionen nicht ein, ebenso einige gesperrte Aktien und 5,6 Millionen Dollar an Aktienbeiträgen, die Blankfein seit 2001 an die Lloyd and Laura Blankfein Foundation, an die Ethical Culture Fieldston School und weitere Institutionen aus den Bereichen Bildung und Kunst gegeben hat. Die Berechnung geht vom maximalen Steuersatz aus.

Er glaubt an den Sozialstaat

Blankfein hat seit 2000 167,9 Millionen Dollar an Gehalt und Cash-Boni erhalten. Ein Teil davon - in der Berechnung wird von 25 Prozent ausgegangen - sowie Zahlungen aus früheren Jahren flossen in Investments in die Private-Equity-Fonds der Firma, die an Blankfein mehr als 200 Millionen Dollar ausschütteten, wie Pflichtmitteilungen zeigen. Mit Aktienverkäufen und Dividenden nahm er mehr als 250 Millionen Dollar ein.

In den letzten Jahren hat sich Blankfein zu der Notwendigkeit geäussert, für eine gerechtere Verteilung von Wohlstand zu sorgen, ohne dessen Entstehung zu sehr zu behindern: «Ich weiss, dass ich ein Bonze bin, ein Plutokrat. Aber ich sage Ihnen: Ich war auch Nutzniesser einiger dieser Umverteilungsmassnahmen», sagte er im April zu Studenten in Südafrika mit dem Hinweis darauf, dass er in Sozialwohnungen aufwuchs und Förderstipendien erhielt. «Manchmal wünschte ich, ich hätte Amnesie, weil es viele Dinge gibt, die ich gerne vergessen würde, aber das gehört nicht dazu.»

Anzeige

(bloomberg/mbü)