Der Ausblick vom Castello di Sasso Corbaro, hoch über Bellinzona, ist unvergleichlich: Im Norden dominieren die teils schneebedeckten Gipfel der Alpen und gegen Südwesten breitet sich die Magadinoebene mit dem Lago Maggiore aus. Die Burganlage ist der oberste Teil einer Befestigung, die im Mittelalter von den Herzögen aus Mailand als Schutzwall gegen das kriegerische Vordringen der Eidgenossen errichtet wurde. Heute sind die Deutschschweizer im Tessin willkommen, von Abwehr keine Spur, und die Talsperren gelten als wertvolles historisches Relikt, das im Jahr 2000 Aufnahme in der Unesco-Liste des Weltkulturerbes fand.

Der Kanton und die Stadt haben mit einer aufwendigen Sanierung der Burgen einen besonderen touristischen Akzent gesetzt. Entstanden ist nicht nur eine zusammenhängende Festung, die vom wuchtigen Castelgrande unten im Tal über das Castello di Montebello auf halber Höhe bergwärts bis zum kleinen Castello die Sasso Corbaro ganz oben reicht, sondern dank der umfassenden Erneuerung gibt es nun auch eine Vielzahl von hochwertige Räumen, Innenhöfen und Terrassen, die sich für Kongresse, Seminare und Events eignen.

Mehrwert mit Kultur

Das Motto «Tagen in der Burg» lässt sich inmitten der Tessiner Hauptstadt nach allen Facetten zelebrieren. «Wir bieten einen Mehrwert mit Kultur», sagt Franco Ruinelli, Direktor von Bellinzona Tourismus. Für grosse Anlässe offeriert sich speziell das Castelgrande, das nebst dem grossen Zeughaussaal und einem Bankettsaal über einen ausgedehnten Innen- und Aussenhof verfügt. Nur einen Steinwurf von der Altstadt entfernt, lassen sich auf der Anhöhe, umgeben von dicken Mauern, kreative Tagungen ebenso wie ungewöhnliche Produktpräsentationen oder Bankette mit Theatereinlagen realisieren. In einem eher intimeren Rahmen spielen sich die Veranstaltungen im Castello di Montebello und Sasso Corbaro ab. Diese Räumlichkeiten sind prädestiniert für Klausurtagungen und Seminare im Bereich der Teambildung. Für Franco Ruinelli ist die aktive Benutzung der Burganlagen «kein Disneyland». Die andere Variante wäre bei der Renovierung ein Museum gewesen. Als ein Tessiner Mäzen vor knapp zwei Jahrzehnten die finanziellen Mittel für eine Kombination aus neuer Architektur mit den früheren Zeitzeugen frei machte, haben die Behörden rasch gehandelt. Sie gaben grünes Licht für eine grosszügige Integration des Castelgrande ins Stadtleben. «Das hat Bellinzona die Chance eröffnet, im Kongressgeschäft präsent zu sein», sagt Patrick Lardi, Direktor von TicinoInfo. Der südliche Kanton ist für ihn ein Mix zwischen Schweizer Qualität und italienischem Lifestyle: «Wir leben in einer kleinen Stadt mit einem riesigen Park.» Die Schweiz, Deutschland und Italien stellen vier von fünf Besuchern. Die Natur und die umliegenden Berge gehören mit zum Rahmenprogramm für die Kongressteilnehmer. Dazu kommen die Aktivitäten rund um die Seen. Für Bellinzona mit dem Thema «Tagen auf der Burg» stehen die kulturellen und architektonischen Aspekte im Vordergrund. Vom Kanton wurde bewusst auch die Gastronomie in das MICE (Meeting, Incentive, Congress, Events)-Konzept miteinbezogen. Das Catering-Angebot unterscheidet sich je nach der Grösse einer Burganlage. Dabei ist das Restaurant Castelgrande, spezialisiert auf frische Produkte aus der Region, in den Gastroführern Michelin und Gault & Millau erwähnt.

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Im Verbund mit Schlössern

Mit einem Newsletter werden die Stammkunden und mögliche neue Gästegruppen monatlich über die Aktivitäten und Neuheiten informiert. Zudem wird im MICE-Bereich zweimal jährlich über das spezifische Angebot orientiert. Die Burgen von Bellinzona sind ein wichtiger Treiber für das Tessiner Tagungsgeschäft. Die Aufnahme dieser historischen Bauwerke in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes ist für Franco Ruinelli «ein Gütezeichen». Das nützt der Hotellerie, die mit der Aufwertung des Standortes Bellinzona neue Impulse erhielt. Längst hat sich die Kantonshauptstadt auch einem Verbund mit den Schlössern in der Lombardei angeschlossen. Dabei braucht das Tessin den Vergleich mit ähnlichen Infrastrukturen im südlichen Nachbarland nicht zu scheuen. Der starke Euro gegenüber dem Franken spielt den Schweizer Anbietern ausserdem in die Hände.