Der Zeitpunkt der Pensionierung wird auch in der Schweiz immer flexibler gewählt, sowohl nach oben wie nach unten. Wer mit einer vorzeitigen Pensionierung liebäugelt, sollte allerdings schon früh an die finanziellen Auswirkungen denken und die Weichen entsprechend stellen. Denn eines ist klar: Ohne finanzielle Einbusse ist eine Frühpensionierung nicht möglich. Allein die Pensionskassenrente kann sich bei einer um fünf Jahre vorgezogenen Erwerbsaufgabe unter Umständen bis zu einem Drittel verringern. Bei der AHV, die zwei Jahre vor Erreichen des ordentlichen Pensionsalters vorbezogen werden kann, müssen Männer und Frauen ab Jahrgang 1948 pro Vorbezugsjahr eine Rentenkürzung von 6,8% in Kauf nehmen. Zudem hinterlassen auch der vorzeitige Wegfall des Lohnes und der früher einsetzende Vermögensverzehr Spuren in den Ersparnissen. Und dies alles bei einer verlängerten Ruhestandsphase. Die voraussichtlichen Lücken sind so gross, dass sie nur mit erhöhten Sparanstrengungen oftmals über mehrere Jahre vorfinanziert werden können.

Geld zur Verfügung

Idealerweise rund zehn Jahre vor der geplanten Frühpensionierung gilt es, Klarheit über den finanziellen Spielraum für das Leben in der Rente zu schaffen. Zu diesem Zweck werden am besten in einem Budgetplan die voraussichtlichen Ausgaben den mutmasslichen Einkünften gegenübergestellt. Die Praxis zeigt, dass Pensionierte in der Regel anstreben, den gewohnten Lebensstandard auch nach Erwerbsaufgabe fortzuführen. Es mag sein, dass sich die Zusammensetzung der Ausgaben verändert, in vielen Fällen bleibt aber der Totalbetrag in etwa gleich. So gibt es Kosten, die ganz wegfallen oder tiefer sein werden, zum Beispiel Geschäftskleidung oder auswärtige Verpflegung.

Mehr einberechnen muss man hingegen für Gesundheitskosten oder Ausgaben für Freizeitaktivitäten. Auf der Einnahmenseite stehen die zu erwartenden Altersrenten der AHV und der Pensionskasse sowie die prognostizierten Vermögenserträge. Aus dieser Budgetplanung lassen sich nun die jährlichen Fehlbeträge, also die Ausgabenüberschüsse, errechnen und der notwendige Kapitalbedarf per Pensionierungszeitpunkt ableiten. Für die Finanzierung der Lücke muss schliesslich, unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Sparguthaben, eine notwendige Sparquote bestimmt werden.

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Grundsätzlich kann die kalkulierte Einkommenslücke in den verbleibenden Jahren bis zur Frühpensionierung sowohl innerhalb der Vorsorge, also im Rahmen der Pensionskasse und/oder der Säule 3a, als auch im freien Vermögensaufbau angespart werden. Die Variante Vorsorgeausbau erfordert die genaue Lektüre des Pensionskassenreglements. Zu prüfen sind insbesondere die Bestimmungen über Einkaufs- und Bezugsmöglichkeiten sowie über allfällige Überbrückungsleistungen bis zum Einsetzen der AHV-Rente. Gewisse Arbeitgeber beteiligen sich an der Finanzierung einer Überbrückungsrente. Immer mehr Pensionskassen sehen auch die Möglichkeit vor, die Leistungskürzung durch eine frühzeitige Pensionierung vorzufinanzieren. Aufgrund des ermittelten Einkaufspotenzials gilt es nun, die aus steuer- und budgettechnischer Sicht optimale Vorgehensweise festzulegen. Besonders zu beachten sind dabei die Fristen und die spätere Bezugsform der Leistungen. So dürfen beispielsweise eingekaufte Beträge während drei Jahren nicht als Kapital bezogen werden. Pensionskasseneinkäufe bergen also das Risiko, dass die bestehende Handlungsoption später eingeschränkt wird.

Ansparen

Damit die finanzielle Flexibilität erhalten bleibt und nicht alle Mittel in der Vorsorge gebunden sind, ist es in den meisten Fällen zweckmässig, einen Teil des definierten Kapitalbedarfs mit Wertschriften anzusparen. Wenn der Vermögensaufbau derart strukturiert und systematisch angegangen wird, stehen die Chancen gut, das festgelegte Sparziel tatsächlich zu erreichen. Ein allgemeingültiges Rezept für den Sparprozess gibt es dennoch nicht. Er muss jeweils individuell unter Berücksichtigung der finanziellen Ausgangssituation, der jeweiligen Ziele und Bedürfnisse definiert und vor allem frühzeitig in die Wege geleitet werden.

Bezugsstrategie

In der Zeitspanne drei bis fünf Jahre vor Pensionierung liegt der Fokus auf der Detailplanung und der konkreten Abwicklung des vorzeitigen Austritts aus dem Erwerbsleben. So muss beschlossen werden, ob bzw. in welchem Umfang Altersguthaben der Pensionskasse als Rente und/oder als Kapital bezogen werden. Dieser Entscheid beeinflusst die Bezugsstrategie für alle Kapitalleistungen aus der Vorsorge, denn die steueroptimale Auszahlung der Vorsorgeguthaben verlangt eine weitsichtige Planung. Die entsprechende Steuerpraxis unterscheidet sich je nach Kanton und kann laufend ändern. Auch die Verwendung der verschiedenen Kapitalauszahlungen muss vorausschauend geplant werden. Für Personen mit Wohneigentum stellt sich beispielsweise die spezifische Frage, ob und in welcher Grössenordnung die Hypothek zu amortisieren ist.

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Das letzte Jahr vor dem vorzeitigen Ruhestand gehört bereits zur eigentlichen Umsetzungsphase. Zum einen müssen die verschiedenen Meldungen an den Arbeitgeber und die Pensionskasse rechtzeitig erfolgen. Falls die regelmässigen Einkünfte die Ausgaben nicht decken, sollte zudem der anstehende Vermögensverzehr organisiert werden. Dabei hat sich in der Praxis das Entnahmeplankonzept bewährt. In Anlehnung an den prognostizierten jährlichen Vermögensverzehr werden die Liquidität und das Wertschriftenvermögen strukturiert und neu ausgerichtet.

Eine Frühpensionierung ist nicht ohne Tücken und Stolpersteine und eine gute Vorbereitung entsprechend unerlässlich. Die Planung kann selbst an die Hand genommen werden oder mittels einer professionellen Beratung erfolgen. Für das Gelingen spielt in beiden Fällen der Faktor Zeit die entscheidende Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass zehn Jahre vor dem angepeilten Pensionierungstermin der Spielraum an Gestaltungsoptionen und Optimierungsmöglichkeiten noch gross ist. Wird der Sparprozess zu spät eingeleitet, kann sich der Wunsch nach vorzeitiger Pensionierung rasch in Rauch auflösen. In diesem Fall müsste die Erwerbstätigkeit in die Verlängerung.