Die Anleger laufen in Scharen den früher so beliebten Geldmarktfonds davon: In der Schweiz wurden seit Anfang 2010 insgesamt mehr als 10 Mrd Fr. aus den Geldmarktfonds abgezogen, trotz der seit Ende April rückläufigen Börsenentwicklung. Ähnlich sieht die Situation in Deutschland aus. Zwar sammelte die deutsche Investmentfondsbranche seit Jahresbeginn mehr als 43 Mrd Euro an neuen Geldern ein, die Anbieter von Geldmarktfonds verzeichneten jedoch im selben Zeitraum Mittelabflüsse von 8,8 Mrd Euro.

Vor allem das aktuelle Zinsniveau macht es den Managern von Geldmarktfonds schwer, Investoren über eine attraktive Rendite zu gewinnen. «Angesichts des Zinstiefs schauen sich die Anleger derzeit lieber nach höher rentierlichen Anlagen um», sagt DWS-Sprecher Claus Gruber.

Geldmarktfonds gelten eigentlich als Sparbuchalternative, die eine niedrige, aber konstante Rendite bringt. Viele Investoren, vor allem institutionelle, nutzen sie als vermeintlich sicheren Kapitalparkplatz, wenn die Aktienkurse fallen. Doch bereits 2009 hatten die Produkte, die in Anleihen und andere Papiere mit kurzer Laufzeit investieren, laut Branchenverband BVI rund 30 Mrd Euro Anlegergeld verloren, 2008 war es knapp weniger. Hauptgrund für die Flucht aus Geldmarktfonds: Viele der Fonds erwiesen sich als riskanter, als Anleger vermutet hatten. Denn um die Performance zu heben, engagierten sich zahlreiche Geldmarktfonds in Asset Backed Securities (ABS-Papiere). Doch der Schuss ging nach hinten los. «Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Anleger in die Geldmarktfonds erheblich erschüttert. Viele Fondsmanager verbrannten sich beim Versuch, mit ABS-Papieren ihre Renditen zu optimieren, die Finger», sagt Björn Drescher vom Fondsberatungshaus Drescher & Cie und fügt hinzu. «Es wird Zeit, dass sich die Anleger bewusst werden, dass es keinen ‹Free lunch› gibt. Höhere Renditen haben ihren Preis.» Wer risikolos beziehungsweise risikoarm bleiben wolle, müsse mit dem vorliebnehmen, was der Geldmarkt biete.

Die Branche versucht indes verzweifelt gegenzusteuern. So hat der europäische Fondsverband Efama die Geldmarktfonds in «Euro-Geldmarktfonds klassisch» und «Euro-Geldmarktfonds chancenorientiert» eingeteilt, um den Anlegern mehr Transparenz zu bieten. Zur zweiten Rubrik gehören risikoreichere Produkte.

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Zeit für Geldmarktfonds vorbei

Doch Experten zweifeln, dass das hilft: «Der Siegeszug der Geldmarktfonds ist vorbei», sagt Clemens Schuerhoff, Geschäftsführer des Beratungsfirma Kommalpha. Nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Investoren hätten ihr Geld aus den Produkten abgezogen und in Tagesgeld umgeschichtet. Er erwartet, dass es angesichts der sinkenden Volumina bei Geldmarktfonds zu Fondsfusionen und -schliessungen kommt.

Andere Experten warnen davor, die Fondskategorie abzuschreiben, und verweisen auf Vorteile gegenüber anderen kurzfristigen Anlagemöglichkeiten: «Geldmarktfonds können im Vergleich zu Tagesgeld durch die Investition in eine Vielzahl von Geldmarktpapieren Diversifikationsvorteile erzielen und damit potenziell mehr Sicherheit bei gleichzeitig hoher Liquidität für den kurzfristig orientierten Investor bieten», sagt Michael Grüner von Goldman Sachs Asset Management. Die Gesellschaft verwaltet aktuell weltweit mehr als 205 Mrd Dollar in einer Reihe von Geldmarktfonds.

«Der Privatanleger profitiert von der hohen Diversifikation der Anlageinstrumente, die für ihn eine Streuung der Bank- und Emittenten-Risiken bedeutet», sagt auch Alexander H. Stütz, Leiter der Vermögensverwaltung bei Portfolio Concept. Hinzu komme die Gewissheit, dass die Verzinsung des Kapitals bei steigenden Zinsen automatisch zunimmt. «Das ist bei einer individuellen Geldanlage über Banken nicht unbedingt gewährleistet.» Allerdings würden aktuell bei den historisch niedrigen Zinssätzen die Renditevorteile von Geldmarktfonds durch die Fondskosten aufgezehrt. Portfolio Concept nutzt für kurzfristige Investments derzeit Staats- und Firmenanleihen guter Bonität mit einer geringen Restlaufzeit.

«Ob die Geldmarktfonds langfristig eine Berechtigung haben, hängt davon ab, ob es den Fondsmanagern gelingt, wieder eine attraktive Rendite zu erzielen», sagt der unabhängige Berater Schuerhoff. Doch das bedeute, dass sie höhere Risiken eingehen müssten. Anleger sollten deshalb bei Geldmarktfonds ganz genau hinschauen, empfiehlt Schuerhoff. «Die entscheidenden Fragen lauten: Was ist da drin, und verstehe ich das Produkt überhaupt?» Schuerhoff rät dazu, sich von Geldmarktfonds zu trennen, die in jüngster Vergangenheit eine schwache Performance hingelegt haben. «Eine schwarze Null müsste bei Geldmarktfonds immer möglich sein. Ansonsten versteht der Manager nichts von seinem Geschäft», sagt der Berater.