ZÜRICH-WEST. Noch immer wirkt Zürich-West wie ein klassisches Industriequartier mit Fabrikgebäuden und Lagerhallen – zumindest aus der Vogelperspektive. Für den Fussgänger ergibt sich dagegen eine andere Optik: Der wohl dynamischste Stadtteil in der Schweiz beeindruckt mit einer hohen Nutzungsvielfalt, die von Büros über Gewerbe bis hin zu Schulen und Kulturbetrieben reicht. Und der Wandel ist noch nicht abgeschlossen. Bis 2015 sollen die Zahl der Arbeitsplätze um 40% und die Einwohnerzahl um über 100% wachsen. Das Quartier wird wegen seiner Landreserven und seiner verkehrstechnisch idealen Lage zum Wachstumsmotor für die ganze Region.

Voraussetzung für den positiven Wandel des Quartiers war der Wille zur Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft. Erinnert sei an das 1996 lancierte Stadtforum, das Behörden und private Investoren nach vielen Jahren des politisch motivierten Gegeneinanders an einen Gesprächstisch brachte, und an die im September 2005 in Kraft getretenen Sonderbauvorschriften für das Maag-Areal Plus. Die Behörden mussten dabei lernen, dass es für die Entwicklung einer Stadt private Investoren braucht und dass diese nur investieren können, wenn Rechtssicherheit und die Möglichkeit zur Erwirtschaftung einer angemessenen Rendite besteht. Auf der anderen Seite mussten die privaten Investoren verstehen, dass sie ihre Interessen manchmal einer geordneten Stadtentwicklung unterzuordnen haben.

Verdichtung statt Ausweitung

Das Beispiel Zürich-West zeigt zudem, dass die Entwicklung einer Stadt längst nicht mehr mit der geografischen Expansion des Stadtgebiets und erhöhtem Landverbrauch gleichzusetzen ist. Gefragt ist vielmehr die intelligente, innovative, meist verdichtende Nutzung bestehender urbaner Räume. Eine solche Strategie findet breite Unterstützung, wie die deutliche Zustimmung der Stadtzürcher Stimmbürger zum Bau der Tramlinie Zürich-West im vergangenen Juni gezeigt hat.Zwar entstand an der Hardturmstrasse schon vor längerer Zeit eine Ballung von Büro- und Dienstleistungsgebäuden, wo auch die Zürcher Kantonalbank und Kuoni Reisen seit vielen Jahren prominent vertreten sind. Auf die Quartierkultur hatten diese Gebäude und deren Nutzung hingegen kaum einen Einfluss. Den Wandel vom unattraktiven Arbeiter- und Industriequartier zur Trenddestination leitete erst das Gebäude Cinemax auf dem Steinfels-Areal ein. Mitte der 90er-Jahre entstanden hier die ersten Loft-Wohnungen. Als zeitgemässes Wohnquartier vermochte sich Zürich-West mit der Überbauung Limmatwest zu etablieren. Im kulturellen Bereich brachte das Kulturzentrum Schiffbau den Durchbruch. Seit der Jahrtausendwende geht es nun Schlag auf Schlag: Zahlreiche Bauten wurden bereits erstellt, während für die nächs-ten Jahre rund zwei Dutzend grösserer Projekte geplant sind (siehe Kasten).Auf dem rund 35000 m2 umfassenden Maag-Areal lanciert die börsenkotierte Immobilien-Investmentgesellschaft Swiss Prime Site AG das grösste Entwicklungsprojekt in der Firmengeschichte. Die Investition für die erste Überbauungsetappe von rund 350 Mio Fr. verteilt sich auf das Projekt Platform und auf den Bau des Prime Tower, dessen Baustart bereits anfangs 2008 erfolgt.

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Büros mit eigenem Bahnhof

Das 126 m hohe Gebäude weist auf 36 Etagen eine Mietfläche von 39500 m2 auf und wird nach Fertigstellung im Jahre 2011 bis zu 2000 Arbeitsplätze enthalten. Der Prime Tower richtet sich an Mieter, die grössere zusammenhängende Flächen mit moderner Infrastruktur, hohem Komfort und hoher Nutzungsflexibilität suchen. Als Ankermieter hat sich die renommierte Rechtsanwaltskanzlei Homburger acht Geschosse gesichert und einen langfristigen Mietvertrag unterzeichnet. Angrenzend an den Prime Tower werden die Gebäude Cubus und Diagonal erstellt, die auch für Gastronomie und Verkauf ausgelegt sind.Ebenfalls auf dem Maag-Areal ist das siebengeschossige Geschäftsgebäude namens Platform geplant. Es liegt auf einem Grundstück von gut 6500 m2 entlang den Bahngleisen neben dem Bahnhof Hardbrücke, dessen Aufgang der zukünftigen Unterführung West direkt in die Vorzone der Eingangshalle mündet. Insgesamt sollen rund 1000 Büroarbeitsplätze eingerichtet werden. Das Platform dient Ernst & Young als neuer Zürcher Firmensitz. Als Hauptgründe für die Wahl nennen die Wirtschaftsprüfer die zeitgenössische Architektur, die verkehrsgünstige Lage in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Hardbrücke und die Situation im dynamischen Zürich-West. Das kulturelle Angebot vor der Haustüre wird dabei explizit als Aufwertung des Standorts betrachtet.

Was schon steht

Was noch geplant ist