Aus der Sicht des Vermieters Technopark Zürich ist es einer der Höhepunkte im 15. Jahr des Bestehens – der erste direkte IPO eines Mieters. Die Titel von Edisun Power Europe werden seit 26. September 2008 am Hauptsegment der Swiss Exchange (SIX) gehandelt. Etwas weniger emotional sieht es Robert Kröni, CEO von Edisun: «Gefühlsmässig ändert sich für mich herzlich wenig, ausser dass ich auf ein klar gestärktes Team zählen kann. Der Börsengang ist für mich mehr Mittel zum Zweck, um unsere Finanzierung auf eine stabilere Basis zu stellen.»

Dies habe hingegen nichts mit seinen Gefühlen gegenüber dem Technopark zu tun. «Eine unserer ersten Solarstromanlagen überhaupt steht seit 1997 hier auf dem Dach», sagt Kröni. Als Mieter ist Edisun erst 2004 eingezogen. «Der Technopark ist ein guter Standort sowie eine ideale Lösung für uns.» Aufgrund des Bedarfs nach grösseren Büroräumlichkeiten sei Edisun in den vergangenen dreieinhalb Jahren schon zweimal intern umgezogen. Kröni ergänzt: «Zudem nutzen wir die Infrastruktur relativ viel.» Seien es die Besprechungsräume, die Schulungszimmer oder die Vortragssäle. «Auch das Auditorium haben wir für Anlässe schon zwei Mal gefüllt.»

Einige Grossprojekte im Köcher

Einen praktischen Vorteil hat der Technopark für den CEO von Edisun aus einem Grund: «Ich führe regelmässig Besucher von unseren Büros auf das Dach, um ihnen unsere Solarstromanlage zu zeigen.» Trotzdem fühlt sich Kröni nicht nur in Zürich heimisch. «Eigentlich ist es dort, wo sich unsere Solarstromanlagen befinden.» Und dies ist eben nicht nur auf dem Dach des Technoparks, sondern immer mehr im europäischen Ausland. «Ich bin fast die Hälfte meiner Arbeitszeit unterwegs.»

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Edisun betreibt derzeit 50 Solarstromanlagen, die Mehrheit davon zwar in der Schweiz, doch die grösseren Anlagen in Deutschland, Frankreich und Spanien. Das zweite spanische Gross-projekt von Edisun wurde am 28. September 2008 vom lokalen Energieversorger ans Stromnetz angeschlossen. Die beiden Solarstromanlagen in Spanien, die je zur Hälfte dem Schweizer Solarcontractor gehören, bringen es zusammen auf eine Leistung von 1,1 Megawatt. Das sind mehr als 20% der Gesamtleistung von fast 5 Megawatt, über die Edisun aktuell verfügt. Angefangen hat der Schweizer Solarstrompionier vor mehr als zehn Jahren mit 0,1 Megawatt. Für die nächsten Jahre plant Edisun einen jährlichen Zubau von 7 bis 8 Megawatt.

Wegen der vorteilhaften Rahmenbedingungen arbeite man an einer Vielzahl von Projekten in Frankreich, wo der Markteintritt in diesem Jahr erfolgt ist. Ein weiterer Schwerpunkt der Expansion im Ausland bildet Spanien. Die langfristige Planung bis 2012 sieht einen Gesamtzubau von 35 bis 40 Megawatt vor. In Spanien hat Edisun gar noch eine 2,3-Megawatt-Solarstromanlage im Köcher.

Börsengang nicht ganz geglückt

Angefangen hat alles wie ein klassischer Start-up eines KMU. Die Edisun Power AG wurde 1996 gegründet. Im Zuge der Expansion ins Ausland – 2004 mit der Gründung der Edisun Power GmbH in Deutschland – verpasste man sich eine Holdingstruktur. Dafür wurde 2005 die Edisun Power Europe AG mit Sitz in Zürich geschaffen. 2006 kam die Edisun Power Iberia SA I-V in Spanien dazu, 2008 gefolgt von der Edisun Power France SAS in Frankreich. Damit ist der Solarcontractor in allen wichtigen europäischen Solarländern vertreten. Denn: Deutschland, Frankreich und Spanien gehören gemäss dem Solarindex von Ernst & Young weltweit zu den neun grössten Märkten mit den besten Voraussetzungen für die Photovoltaikbranche.

Auf den IOP vor knapp einem Monat blickt Kröni mit gemischten Gefühlen zurück: «Der Schritt ist für uns gut gewesen, obwohl wir nicht alle gesteckten Ziele erreicht haben.» Geglückt seien die Kotierung am Hauptsegment der SIX und die Reorganisation und Verbesserung der Struktur von Edisun. Jedoch die dritte Vorgabe, die Kapitalerhöhung, wurde nur teilweise erreicht, weil man die internationale Finanzkrise beim nationalen Börsengang zu spüren bekam. Die Aktie bewegte sich Mitte Oktober leicht unter der definierten Preisspanne von 105 bis 125 Fr. Der Eröffnungskurs Ende September lag bei 108 Fr.

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Dazu führt Mirjana Blume, CFO von Edisun, aus: «Wir werden trotzdem an unserem ambitionierten Investitionsplan festhalten und in einem weiteren Schritt wie geplant Fremdkapital aufnehmen. Wir planen ein Verhältnis 20% Eigenkapital zu 80% Fremdkapital, das heisst, unser aktuelles Aktienkapital von 35 Mio Fr. ermöglicht uns, Fremdkapital in der Höhe von maximal 140 Mio Fr. aufzunehmen.» Davon seien 30 Mio Fr. in Form von Obligationen bereits ausgeschöpft, sodass laut Blume noch 110 Mio Fr. verbleiben. «Eine nach wie vor stattliche Summe für Investitionen», ergänzt sie.