Das Bad ist heute mehr als ein funktionaler Raum für die Körperhygiene: Längst erfüllt es die Aufgabe eines Wohn- und Lebensraumes, der zu Rückzug und Entspannung vom hektischen Alltag einlädt und integraler Bestandteil der Wohnraumgestaltung ist. Diese Entwicklung hat ein radikales Umdenken in der gesamten Industrie mit sich gebracht: Das Bad will neu gestaltet werden – eine grosse Herausforderung für Architekten und Planer, aber auch für Designer und die Sanitärindustrie. «Wer wirkliche Lösungen für die neuen Bedürfnisse des modernen Menschen im Bad anbieten möchte, der muss neben Produkt- auch durch Raumkompetenz überzeugen. Gleichzeitig sind im Dialog mit kreativen Designern und Architekten neue Visionen zu entwickeln», erläutert Philippe Grohe, Leiter der Marke «Axor».

Das Badezimmer ist zum Kultobjekt einer neuen Generation von Bauherren geworden: An diesem Ort werden Träume ausgelebt, denn hier treffen ein neues Körperbewusstsein, die Faszination des Mediums Wasser und der Wunsch nach der Kultivierung von Körperpflege und Schönheit zusammen. Der neue Luxus – das ist die Zeit und die Sorgfalt, die der Mensch für sich selbst und sein körperliches wie seelisches Wohlbefinden nimmt.

Im modernen Bad wird Grösse und Freiraum für Wellness und Luxus inszeniert. Bademöbel und Sanitärkeramik sind die prägenden Elemente. Hinzu kommen Armaturen, Spiegel, Accessoires und Beleuchtungskonzepte, die die ehemals nüchterne Nasszelle zum vielfältigen Erlebnisraum werden lassen. Die moderne Wellness-Begeisterung ist kaum zu bremsen. Vom japanischen «Onsen» bis zur russischen «Bagna», vom verschwenderischen Luxus römischer Thermen bis zum edlen Purismus moderner Spa-Badebereiche reichen die Varianten, die die Hausbesitzer begeistern.

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Ob Dusche oder Badewanne: Der Trend geht klar in Richtung Multifunktion und Wellness. Auf wenigen Quadratmetern entstehen viele Möglichkeiten für das private Spa. Multifunktionale Ausstattung und Technik machen es möglich, dass in den fast gleichen Dimensionen wie bei einer Dusche ein Dampfbad hineinpasst. Wo einmal die Badewanne stand, befindet sich jetzt eine Sauna. Trotz des geringen Raumbedarfs sind diese Einrichtungen bequem, grosszügig und komfortabel ausgestattet.

Magische Wasserkultur

Schon zu Urzeiten pflegten die Menschen unterschiedlichste Wasserkulturen. Sie betrachteten das Wasser als etwas Magisches, erkannten, dass es Heilkräfte besitzt. Sie lernten warmes Wasser, das aus der Tiefe der Erde hervorsprudelte, zu nutzen und eigneten sich später die Fähigkeit an, Wasser selbst zu erwärmen und verdampfen zu lassen. Während sie es anfangs als heilig verehrten, gingen sie später dazu über, es für therapeutische Zwecke zu nutzen oder ihre Sinne daran zu erfreuen. Liturgische Riten entwickelten sich aus der Kultur des Badens.

Gleichzeitig mehrten sich auch die «Zutaten» zur Vervollkommnung des Badegenusses: Massagen, Seifen, Parfüm, Öle, Lotionen und Badetextilien. Wie aktuell das Wellness-Bad zurzeit tatsächlich ist, das konnte man auch auf dem weltweit bedeutendsten Branchentreff der Sanitärindustrie, der Messe ISH in Frankfurt, mitbekommen: Die Weltmesse «Bad, Gebäude-, Energie-, Klimatechnik, Erneuerbare Energien» findet alle zwei Jahre statt. Noch nie zuvor wurden auf der ISH so viele Besucher gezählt. In Anbetracht des baukonjunkturellen Aufschwungs und neuer energiepolitischer Ziele war das Informationsbedürfnis sehr gross. Und zwar nicht nur bei den deutschen Besuchern: Jeder vierte der mehr als 215000 ISH-Gäste kam aus dem Ausland angereist.

Wie schön das von funktionellen Zwängen befreite Bad sein kann, war auf der Messe allenthalben zu bestaunen. Doch bis auch nur ein Bruchteil der Privat-, Hotel- und sonstigen Bäder so aussieht, wie in den Messehallen gezeigt, werden noch viele Jahre ins Land ziehen. Bekanntlich hinkt die Realität den auf der Messe gezeigten unbegrenzten Möglichkeiten beträchtlich hinterher. Ob sich das von der Industrie propagierte «Private Spa» – also Wellness in den eigenen Wänden – durchsetzen wird, bleibt abzuwarten, denn dazu müsste sich auch etwas an den traditionell kleinen Bädern in Europa ändern. Aber vielleicht werden die Kundenwünsche nach Wellness «a casa» auch schon bald auf die Angebote von Bauträgern abfärben. Denn zumindest im gehobenen Preissegment kann man davon ausgehen, dass die Bauherren beim Traum vom eigenen Heim die Grenzen des guten Geschmacks und der Wohlfühlkultur bereits kräftig ausloten. Nach typischen Nasszellen sieht hier nichts mehr aus. Für Architekten und Innenarchitekten ist beim Thema «Baukultur» jedenfalls noch ein grosses Feld zu bearbeiten, schliesslich kommt es auf den Gesamtentwurf an. Wenige, von Privatbauherren und Do-it-yourself-Modernisierungen gut ausgesuchte Accessoires sind zwar ein erster Schritt, aber eigentlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. So kann man das Bad verschönern, die «Altlasten» vergangener Zeiten aber nur schwer verdecken.

Regenhimmel und Badeblocks

Das Bad, ob luxuriös, einfach, gross oder klein, wird zum intimen Rückzugsort des Wohnens und zum Ausdruck einer neuen Genusskultur, bei der weder die Ästhetik noch die Sinnlichkeit zu kurz kommen: Regenhimmel und Badeblock, Lichteffekte und Farbharmonien, puristische Klarheit und Objekte, die wie Skulpturen wirken, machen das Bad zu einem Erlebnis. So ist der Installateur heute nicht mehr der Letzte, der Hand an die Badgestaltung legt und nur noch die Ausstattungsstandards – Waschtisch, WC und Badewanne – einfügt. Vielmehr ist er von Anfang an als Badplaner gefordert: Nur aus dem Zusammenwirken von Sanitärausstattung, Architektur, Elektroinstallationen und Innenarchitektur kann eine überzeugende Gesamtkomposition entstehen. Das gestalterische Konzept ist heute die eigentliche Leistung von Industrie und Dienstleistern.

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Einrichten heisst auch, den Platz nutzen. Zentimetergenaue Planungen von Umbauten, Neueinrichtungen oder Modernisierungen sind heute mit funktionalen Badmöbeln in zeitgenössischem, ansprechendem Design möglich. Ein gut gewähltes Modell steht jeden Tag von neuem im Mittelpunkt und wird dank Design, Funktion und Ausführung zum geschätzten Alltagsobjekt. Das Bad kann sich zum zentralen Wohnteil in den eigenen vier Wänden mausern. Es wird zum Ort der Reflexion, des Genusses und der Sehnsüchte. So wie sich die Bedeutung des Bades gewandelt hat, hat sich sein Aussehen verändert. Ganzheitliche Raumkonzepte sind Standard. Das Thema «barrierefreies Bad» wird immer aktueller. Der Konsument ist heute für neue Konzepte und anspruchsvolle Installationstechnik aufgeschlossen. Dies hat in der Sanitärbranche für einen kreativen Entwicklungsschub gesorgt. Dafür wurden nicht nur neue Produkttypen entwickelt, sondern auch viele Grenzen überschritten – ins Schlafzimmer natürlich, aber auch zu anderen Bereichen.

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Die verschiedenen Kollektionen lassen den Konsumenten immer mehr Wahlfreiheit und geben ihm mit passenden Möbelmodulen ein Instrumentarium zur individuellen Gestaltung an die Hand. Selbst Badewannenverkleidungen und Duschwände aus Glas gibt es in den unterschiedlichsten, individuell angepassten farblichen Variationen. Grosse Spiegelflächen, oftmals mit integrierter LED-Technologie und in Kombination mit modernster Lichttechnik, sind gefragter denn je. Oftmals werden die Spiegelschränke direkt in das Mauerwerk eingelassen: Eine Technik, welche die Räumlichkeiten klar und schnörkellos erscheinen lässt.

Ausgefeilte Programme

Immer stärker wird auch die Lichttechnik in die Badplanung und in die Produkte selbst integriert. Da Licht und Wasser sich stimmungsmässig zwar ideal ergänzen, technisch aber kompliziert zu verkuppeln sind, ist hier ein besonderes Know-how gefragt, das zur Profilierung der Branche beiträgt. Diese Fachrichtung beschränkt sich schon lange nicht mehr auf Spiegelbeleuchtung und ausgefeilte Programme mit stimmungs- und zufallsabhängig wechselnden Farben und Lichtfarbwerten. Auch die Lichttherapie und die Beleuchtung des Wassers selbst – vor allem in der Badewanne und im Armaturenbereich – tragen zum Erlebnischarakter des Badezimmers bei. Durch die LED-Technik lassen sich effektvolle Licht- und Wasserspiele integrieren. Im Regenhimmel leuchten Wassertropfen farbig auf – wie in der Natur. Der Regen aus der Decke wird zum Erlebnis. Auf Knopfdruck entsteht sogar ein feiner Nebel.

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