Das war auch Stoff für den jüngsten nationalen Volkskongress in Peking: Für eine Wohnung müssen Chinesen inzwischen durchschnittlich das Siebenfache ihres Jahreseinkommens hinblättern. In den Grossstädten sieht es noch schlimmer aus. Eine Familie braucht mehr als 20 Jahre, um sich in Peking eine 90-m2-Wohnung leisten zu können.

Blasen gebe es allenfalls lokal, beschwichtigen einige China-Experten immer noch. Sie weisen dabei darauf hin, dass der landesweite Durchschnitt weit geringer sei. Doch dies klingt fast wörtlich wie zu Zeiten des Immobilienbooms in den USA bis 2007 und in Japan Ende der 80er-Jahre.

Erfolgreichere Wirtschaftspolitik

Das schreckt jetzt einzelne Investoren auf. «Die Parallelen zwischen China heute und Japan sind furchterregend», stellt Dylan Grice, Stratege bei der Société Générale, fest. Die Abwesenheit einer Demokratie nach westlichem Verständnis, die regulierte Wirtschaft, die konfuzianische Ideologie, die hart arbeitende Bevölkerung mit einer hohen Sparneigung - all das, was heute die Wahrnehmung Chinas ausmache, sei genauso während der Industrialisierung Japans präsent gewesen, so Grice.

Eine weitere Parallele ist die Demografie. In Japan fielen das Platzen der Immobilienblase Ende der 80er-Jahre und die anschliessende Deflation mit dem Kippen des Trends bei der Bevölkerungsentwicklung zusammen. Etwa seit Mitte der 90er-Jahre sinkt die Zahl der arbeitsfähigen Japaner. Genau die gleiche Entwicklung droht China. Schon heute wächst die Bevölkerung nur noch um etwa 0,5% pro Jahr. Etwa ab 2015 wird die Zahl arbeitsfähiger Chinesen sinken, von etwa 1 Mrd auf rund 900 Mio bis zum Jahr 2030. Gleichzeitig steigt der Anteil der Senioren. Eine zurückgehende Bevölkerungszahl hat drastische Auswirkungen auf die Wirtschaft eines Landes. Gängige Meinung ist, dass Japan seit zwei Jahrzehnten der übrigen Welt hinterherhinkt. Betrachtet man jedoch das Bruttoinlandprodukt pro Kopf, zeigt sich, dass Japans Wirtschaft in dieser Zeit genauso schnell gewachsen ist wie die anderen westlichen Ökonomien in den vergangenen fünf Jahren sogar schneller. Allein die zurückgehende Zahl an arbeitenden Japanern hat also dazu geführt, dass Japans Wirtschaft als Ganzes seit 1990 «abgehängt» wurde.

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Kein Boom auf Pump

Wird China dem Beispiel Japans folgen? Die Parallelen lassen es auf den ersten Blick befürchten. Allerdings gibt es auch einige bedeutende Unterschiede zwischen China von heute und Japan von damals. «Die Wirtschaftspolitik Chinas ist deutlich besser als jene Japans», sagt Horst Löchel von der China Europe International Business School in Schanghai.

Und: «Im Gegensatz zu Japans Immobilienblase basiert der Boom in China nicht auf Krediten», sagt Chiang Hsien, Chef-Repräsentant von Allianz Global Investors in China. Die Chinesen würden ihre Wohnungen zu mehr als der Hälfte aus Ersparnissen finanzieren, nicht mit Darlehen. Zudem verfügt die Regierung über die höchsten Devisenreserven der Welt und damit über jede Menge Munition für den Fall, dass Banken auf Krediten sitzen bleiben.

Selbst wenn es derzeit eine Immobilienblase geben sollte und diese platzt, dürfte dies Chinas Wachstum kaum aus der Bahn werfen. Auch die Aktienmärkte in China sind derzeit nicht überbewertet. «Ende der 80er-Jahre lagen die Kurse in Japan beim 70fachen Gewinn der Unternehmen, in China betragen sie derzeit das 25-Fache», so Hsien.

Abkehr von Billigexporten

Anders sieht es jedoch bei den langfristigen Perspektiven aus. «Die demografische Herausforderung ist enorm», sagt Hsien. Aber er glaubt, dass die Regierung auch dieses Problem im Blick habe: Die jüngsten Rentenreformen zielten genau darauf. «China muss sein Wachstumsmodell von Billigexporten zu inländischem Konsum und mehr Innovation verändern», ist Horst Löchel überzeugt. Dazu brauche es allerdings mehr Markt, privates Unternehmertum und mehr Wettbewerb.

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Das Höherklettern auf der Wertschöpfungskette könnte in China somit die Verluste aus der demografischen Entwicklung ausgleichen. Allerdings bedarf es dazu mutiger und einschneidender Schritte der Regierung in den kommenden Jahren. Hat sie Erfolg, drohen in Hongkong und Schanghai auch keine Börsencrashs nach dem Vorbild Tokios.