Heute kann man bereits für unter 1000 Fr. praktisch um die halbe Welt jetten, wobei jede Fluggesellschaft ihr eigenes Preisgefüge hat. «Das war nicht immer so», erinnert sich Rolf Weber, CEO von Stohl-Air-Voya-ges, «früher kostete etwa Zürich-Singapur-Zürich bei allen Airlines 4800 Fr.» In der Holzklasse und mit oder ohne Umsteigen. Nicht die Konsumenten beeinflussten die Flugtarife, sondern die Regierun-gen diktierten sie. «Der Markt war damals alles andere als liberal.»

Quasi als Gegenmassnahme erfanden findige Touristiker in den 1970er Jahren die Graumarkttarife, dank denen die Reiseanbieter in einer Grauzone marktgerechte Tarife von Fluggesellschaften vermitteln konnten. Die Nachfrage steuerte auf einmal das Angebot und die Preise gingen nach unten. «Es war eine Art Schattenwirtschaft», sagt Weber. Stohl-Air gehörte in diesem lukrativen Geschäft zu den Schweizer Pionieren, nicht nur zur Freude der grossen Mitbewerber. «Zuerst wollten sie uns verklagen - später wollten sie uns kaufen.»

Die 1977 in Genf gegründete Firma avancierte in der Romandie in kürzester Zeit zur Nummer eins im Graumarkt, wo heute Air Ticket Broker arbeiten und dessen Preisgefüge nunmehr die normalen Tarife sind, die von der freien Marktwirtschaft bestimmt werden. Weber ergänzt: «Früher konnten wir unsere Margen selbst bestimmen, dafür war vieles noch Handarbeit. Heute sind unsere Margen zwar kleiner, dafür läuft die Abwicklung vollautomatisch.» Weil man aber schneller produzieren könne, lasse sich als Flug-Discounter immer noch Geld verdienen.

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Sports Live als neues Standbein

Als Diversifikation erfolgte 1980 der Einstieg ins Tour Operating. Dazu wurde die Veranstaltermarke Stohler Tours ins Leben gerufen. Zu Beginn hat man sich als Anbieter der ersten Stunde auf den Indischen Ozean spezialisiert. «Wir sind via Air Mauritius dazugekommen», erzählt Weber. Um ihre neuen Verbindungen in die Schweiz zu unterstützen, sollte der Partner nicht nur Flugpassagiere, sondern auch Feriengäste liefern.

In den Jahren nach dem Einstieg ins Reisegeschäft wurde die Palette im Indischen Ozean sukzessive ausgebaut. Mauritius, Rodrigues, La Réunion und die Seychellen sind die bunten Trauminseln, für die man nach eigenen Angaben hierzulande Marktführer ist. Auch die Malediven und Sri Lanka gehören zum Sortiment.

In den 1990er Jahren hat Stohler Tours weitere Regionen der Welt ins Angebot aufgenommen. Mittlerweile ist man nicht nur Spezialist für den Indischen Ozean, sondern auch für das Südliche Afrika, den Pazifischen Ozean oder die Arabische Halbinsel. Abgerundet wird die Auswahl mit Südostasien, dies unter der zweiten Veranstaltermarke Fantasia.

Das neuste Standbein von Stohl-Air-Voyages ist die Produktlinie Sports Live. Vor allem der Fussball hat es dem Patron angetan. Bis zum Abbruch des Hardturms von GC Zürich gab es dort Werbebanner mit der Aufschrift Stohler Tours. Heute sponsert er den FC Stade Nyonnais. Weber ist Vizepräsident des Teams, das 2008 in die Challenge League aufgestiegen ist. Für die Kunden organisiert man Reisen zu Spielen, Turnieren oder Rennen (Fussball, Golf, Formel-1 usw.).

Der Gesamtumsatz von rund 60 Mio Fr. verteilt sich zu zwei Dritteln auf die Romandie und einem Drittel auf die Deutschschweiz. Die einzelnen Geschäftssparten tragen dazu wie folgt bei: Stohl-Air 40%, Stohler Tours 40% und Fantasia 20%. Zu den Kunden meint Weber mit Stolz: «Trotz gut 40000 Passagieren pro Jahr haben wir keine zehn Reklamationen.» Das habe zwei Gründe: Zum einen konzentriere man sich auf das Hochpreissegment, zum anderen biete das Personal einen Qualitätsservice.

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Richtige Grösse, um zu bestehen

Der Hauptsitz von Stohl-Air-Voyages befindet sich in waadtländischen Signy, oberhalb von Nyon am Genfersee. Hier sind 11 der 53 Angestellten, darunter 9 Lernende, tätig. Der Rest arbeitet in den Büros in Genf (27), Lausanne (5) und Zürich (10). Weber will den Absatz in der Deutschschweiz ankurbeln. Denkbar sind ihm zufolge neue Verkaufspunkte, etwa in Basel oder Bern. Ansonsten hegt er wenig Expansionsgelüste. «Meine grösste Ambition ist, noch unabhängiger zu werden.»

Als Vorteil erachtet Weber, dass man eine überschaubare Firmendimension habe: «Wir brauchen diese Grösse aber, um im Markt bestehen zu können.» Nicht erst seit der Finanzkrise ist ihm klar: «Wir müssen auch in Zukunft ‹chrampfen›, um erfolgreich zu sein.»