Der Markt der Business-Intelligence-Anbieter erlebte in den letzten vier Jahren eine beispiellose Konsolidierungswelle: Oracle kaufte zuerst Hyperion, IBM schluckte Cognos und SAP hier sich mit Business Objects schadlos.

Übrig geblieben ist damit noch eine Handvoll von Herstellern: SAS als grösstes, privat gehaltenes Unternehmen sowie MicroStrategy, und Information Builders als weitere Anbieter, welche die Industrieanalysten von Gartner zu den weltweit führenden Unternehmen zählen.

Erst an der Schwelle zu diesem Kreis der besten Business Intelligence-Software steht gemäss dem jüngsten Gartner-Bericht der schwedische Hersteller Qlik Tech. Das 1993 gegründete Unternehmen verzeichnete im letzten Jahr einen Umsatz von 157 Mio. Dollar, 33% mehr als noch 2008. Der operative Gewinn erreichte 13,2 Mio. Dollar und mit einem Reingewinn von 1,16 Mio. Dollar übersprang man erstmals nennenswert die Gewinnschwelle. Im ersten Quartal alleine blieb nach einem Umsatz von 43,8 Mio. Dollar unter dem Strich noch ein Gewinn von 2 Mio.

Viele weitere, später sehr erfolgreiche Softwarefirmen hatten genau zu diesem Zeitpunkt den IPO gewagt: Salesforce.com etwa, grösster und erfolgreicher Anbieter von Online-Software («Software-as-a-Service») ist ein bekanntes Beispiel.

Die Story scheint zu ziehen – die Qlik-Aktie kam zu einem Preis an die Börse, die deutlich über dem Emissionspreis lag. «Wir sind die erste Firma seit zwei Jahren, die das schafft» frohlockte Lars Björk gegenüber Handelszeitung Online, «und wir benötigen dieses Geld, um unser weiteres Wachstum zu finanzieren.» Dabei denkt man laut Björk auch an Zukäufe kleinerer Technologiefirmen. Qlik selber hat schon 14000 Kunden in über 100 Ländern gewonnen. «Wir können uns aber auch vorstellen, weiterhin vor allem organisch zu wachsen.»

Natürlich hätte es auch Alternativen zu einem IPO an der US-Technologiebörse Nasdaq gegeben, zumal die Altaktionäre keine Aktien verkauft haben. «Aber wir steigern so die Aufmerksamkeit und die Transparenz und beides ist gut für ein aufstrebendes Softwarehaus» sagte Björk weiter.

Allerdings kann eine Börsenpräsenz auch zweischneidig wirken, wenn sich andere Investoren für das Unternehmen interessieren. «Wir glauben aber, dass wir die kritische Masse haben, um hier bestehen zu können» sagt Björk weiter, wir haben viele kleine und mittlere Firmenkunden, denn die Anbieter der grossen «Software-Stapel» vom Betriebssystem bis zu Anwendungen kontrollieren die Welt nicht.» Björk spielt damit auf Oracle, Microsoft und IBM, an die nicht nur unterschiedliche Bereiche der Applikations- und Infrastruktursoftware bei Firmenkunden dominieren, sondern auch ihre Kunden dominieren, weil sie unentbehrlich sind und ihre Produkte nicht ohne weiteres ausgewechselt werden können. «Wir sind zudem einfacher zu bedienen, unsere Produkte funktionieren rascher und sie sind ausserdem noch günstiger» ergänzt Björk.

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Und auch für die nächsten beiden Jahre stehen die Wachstumsampeln auf grün. Industrieanalysten erwarten für dieses Jahr ein Umsatzplus um 25% in Richtung 200-Mio.-Dollargrenze, 2011 soll mit einem weiteren Plus von 22% bereits die 250-Mio.-Grenze erreicht werden.

Allerdings ziehen Erfolge in der vergleichsweise kleinen Softwarewelt sofort auch das Interesse der ganz Grossen auf sich. «Qlik könnte deshalb das Interesse der Softwareriesen auf sich ziehen» kommentierte Tom Taulli von Dailyfinance. Die ersten Investoren verabschieden sich bereits aus der Aktie – zu Wochenbeginn war das Verkaufsangebot deutlich grösser als die Nachfrage.