August Baron von Finck gilt als Mann mit wenig Humor. Im kleinen Kreis aber zeigt er andere Seiten. Das erfuhr auch Oskar Ronner, VR-Präsident des Industriezulieferers Von Roll. Als er bei Grossaktionär von Finck für seine Wachstumsstrategie bis 2012 warb, antwortete der 77-jährige Adlige trocken: «Bis 2012? Das dürfte ich wohl nicht mehr erleben.»

Die Zeit drängt also. Nun hat von Finck, der im August an der von ihm beantragten ausserordentlichen GV das Von-Roll-Ruder übernehmen will, einen weiteren Punkt errungen. Die Gruppe von Finck hält neu «über 30%» am Industriezulieferer, wie sie am Dienstag verlauten liess. Bisher waren es 22,23%. Laut Andreas Bantel, Sprecher der Gruppe von Finck, hält die Gruppe ihre Beteiligungen grundsätzlich in Form von Aktien, auf Optionen verzichte sie. Eine Überschreitung der 33,33%-Schwelle, die von Finck zu einem öffentlichen Übernahmenangebot verpflichten würde und – wie bei von Finck üblich – eine Dekotierung zur Folge hätte, ist laut Bantel ebenfalls kein Thema.
Die Von-Roll-Führung reagiert gelassen. «Damit haben wir gerechnet», sagt Jörg Neef, Sprecher der Aktionärsgruppe Ronner, VR Thomas Straumann und Rudolf Maag. Es ändere sich nichts an der bereits kommunizierten Strategie. Neef bestätigt, dass die Gruppe um Ronner derzeit 20,8% hält. Ob sie aufstocke, kommentiert er nicht.
Die Führung plädiere weiter für eine langfristige Expansion, die vorerst ohne Kapitalerhöhung vorangetrieben werden soll. Zudem hielten die Gruppe Ronner sowie die VR Thierry Lalive und Alfred Niederer daran fest, nach einer Niederlage an der GV ihre VR-Mandate niederzulegen.

Führung weist von Finck zurück

Von Finck beantragte vor zwei Monaten überraschend eine ausserordentliche GV. Sie findet am 13. August 2007 statt. Das Aktionariat stimmt dann über die Zuwahl von vier zusätzlichen von-Finck-nahen VR ab. Bei Annahme fordert von Finck eine Kapitalerhöhung von bis zu 323 Mio Fr., um zeitnah expandieren zu können. Die Anträge von Fincks wurden vom amtierenden VR mit Ausnahme des Von-Finck-Vertreters zurückgewiesen. Im Gegenzug präsentierte Ronner vergangene Woche eine eigene Strategie, mit der Von Roll den Umsatz bis 2012 auf bis zu 2 Mrd Fr. erhöhen soll. 2006 setzte der Konzern 532 Mio Fr. um.

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