Von-Roll-Präsident und CEO Thomas Limberger will sich bei seinen Akquisitionsplänen vorerst nicht in die Karten blicken lassen. Zwar werden die Aktionäre des Elektro-isolationsspezialisten umfassend über die praktischen Details der bevorstehenden Kapitalerhöhung informiert. Doch wofür genau sie zusätzliche Mittel einschiessen, werden die Investoren auch weiterhin nicht erfahren. «Es wird vorerst keine neuen Informationen zu unserer Strategie oder zu einzelnen möglichen Übernahmezielen geben», bestätigt Von-Roll-Sprecher Sven Ohligs auf Anfrage.
Damit ist klar, dass die Aktionärsgruppe um Ex-Von-Roll-Präsident Oskar Ronner ihre Bezugsrechte im Rahmen der bevorstehenden Kapitalerhöhung nicht ausüben dürfte. «Die aktuelle Informationslage genügt nicht, um eine Kapitalerhöhung zu rechtfertigen», bestätigt Ronner gegenüber der «Handelszeitung». Es bestehe nach wie vor keine Klarheit darüber, wofür die zusätzlichen Mittel verwendet werden würden. «Ich habe aus diesem Grund bereits an der Generalversammlung im vergangenen August - damals noch als Von-Roll-Präsident - gegen die Kapitalerhöhung gestimmt», so Ronner. An dieser Haltung habe sich nichts geändert.

*Werden Bezugsrechte verkauft?*
Geht es nach Von-Roll-Chef Thomas Limberger, soll der Elektroisolationsspezialist mittels Zukäufen breiter aufgestellt werden. Anfang Oktober kündigte der ehemalige OC-Oerlikon-Manager an, in neue, margenträchtige Geschäftsfelder investieren zu wollen, darunter in Oberflächentechnologien, Wasseraufbereitung sowie in ausgewählte Schlüsseltechnologien. Bis 2012 will er die Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebit auf 14% verdoppeln. Konkreter wurde Limberger bisher nicht.
Die Kapitalerhöhung soll, wenn alle Bezugsrechte ausgeübt werden, 323 Mio Fr. in die Kasse der Von Roll spülen. «Ingesamt stünde uns dann rund 1 Mrd Fr. für Akquisitionen zur Verfügung», rechnet Von-Roll-Sprecher Ohligs vor. Ers­te Übernahmen sollen ab dem 1. Quartal 2008 getätigt werden.
Es bestehe logischerweise die Möglichkeit, dass nicht alle Aktionäre ihre Bezugsrechte ausüben werden, sagt Ohligs. Das bedeute aber nicht, dass die Kapitalerhöhung nicht im vollen Umfang durchgeführt werde. «Einige Inves­toren» könnten ihre Bezugsrechte an der Börse an Dritte verkaufen, statt sie selber zu nutzen, erklärt Ohligs.

*«Halten uns alle Optionen offen»*
Die Kapitalerhöhung sieht ein Bezugsverhältnis von 3 zu 1 vor - für je drei bestehende Von-Roll-Aktien kann eine neue Aktie für 7 Fr. erworben werden. Verkauft die Investorengruppe Ronner, Thomas Straumann und Rudolf Maag alle Bezugsrechte, bringt ihr das zwar rund 56,1 Mio Fr. ein. Doch gleichzeitig verwässert ihre Beteiligung von zuletzt 17,37% spürbar.
Ronner will das weitere Vorgehen nicht kommentieren. «Wir halten uns alle Optionen offen», betont er. Die wieder aufgekeimten Gerüchte, dass die Aktionärsgruppe ihre Beteiligung an Von Roll gänzlich abzustossen plane, will Ronner weder dementieren noch bestätigen, er sagt nur: «Wir prüfen unser Finanzinvestment in Von Roll regelmässig.»

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*Bewegte vergangene Monate*
Von Roll hat bewegte Monate hinter sich. Dem Führungswechsel ging ein monatelanger Machtkampf zwischen der Aktionärsgruppe um Ronner und der Inves­torengruppe August von Fincks ­voraus, der im August in einer ausserordentlichen Generalversammlung gipfelte. Dort übernahm der deutsche Milliardär von Finck mit einem Stimmrechtsanteil von 31,55% die Kontrolle über den VR. Daraufhin verliessen vier der fünf Von-Roll-Verwaltungsräte, darunter auch Ronner und Straumann, das Gremium.