August von Finck hat seinen Einfluss ausgeweitet: Neben dem Gastrokonzern Mövenpick, dem Warenprüfer SGS und dem Chemie-unternehmen Lonza hat von Finck am vergangenen Montag an einer ausserordentlichen Generalversammlung die Kontrolle über den Elektroisolationsspezialisten Von Roll übernommen. Im Gegensatz zu seinen anderen Engagements drohen von Finck bei Von Roll allerdings Schwierigkeiten.
Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) ermittelt nach wie vor wegen einer möglichen Verletzung der Meldepflichten gegen die Aktionärsgruppe von Finck. Dies bestätigt EBK-Sprecher Alain Bichsel auf Anfrage.
Konkret geht es dabei um die Frage, ob die Aktionärsgruppe von Finck, die zuletzt eine Beteiligung von gut 31% an Von Roll hielt, mittels unerlaubter Gruppenbildung die Beteiligungsschwelle von 33,33% überschritten hat, um sich an der ausserordentlichen Generalversammlung durchsetzen zu können. Wäre dies der Fall, dann müsste die Gruppe um von Finck den übrigen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten - was von Finck bisher aber mehrfach abgelehnt hat.

*GV-Resultat nährt Spekulationen
Die Spekulationen, dass von Finck bei anderen Von-Roll-Aktionären mehr als nur Überzeugungsarbeit geleistet hat, werden vom GV-Abstimmungsresultat genährt. Beide Vorlagen - die Zuwahl von vier von-Finck-Vertretern, darunter auch Ex-Oerlikon-CEO Thomas Limberger, sowie eine Kapitalerhöhung - fanden überraschend deutliche Mehrheiten von jeweils gut 58% der vertretenen Stimmen.
Dieses Ergebnis überraschte insofern, als ein äusserst knapper Ausgang erwartet wurde. Denn Von Roll hatte es geschafft, viele Aktionäre zur Teilnahme zu bewegen: Erstaunliche 87% des Aktienkapitals waren an der ausserordentlichen GV vertreten. Normalerweise liegt die Teilnahmequote zwischen 30 und 40%.
Die zahlreiche Präsenz stützte zunächst die Vermutung, der bisherige Von-Roll-Verwaltungsrat um Oskar Ronner habe mit seinen öffentlichen Aufrufen erfolgreich die Kleinaktionäre mobilisiert und damit das eigene Lager gestärkt.
Die ehemalige Von-Roll-Führung um Ronner äussert sich zwar nicht. Dass Ronner, der zusammen mit Thomas Straumann und Rudolf Maag gut 20% an Von Roll hält, die Sache nicht auf sich beruhen lässt, ist allerdings ziemlich sicher. Ende Juli jedenfalls hatten Von-Roll-Anwälte Medienberichten zufolge Vorkehrungen getroffen, um unerlaubte Gruppenbildungen nachweisen zu können.
Von-Finck-Sprecher Andreas Bantel bleibt gelassen. «Alles ging mit rechten Dingen zu: Die institutionellen Anleger haben sich offensichtlich von den wirtschaftlichen Argumenten überzeugen lassen», sagt er. «Von einer Gruppenbildung träumen höchstens Leute, die mit diesem demokratischen Entscheid Mühe haben.»