Thomas Limberger, CEO und Präsident des Verwaltungsrates des Industrieunternehmens Von Roll, hat die überraschenste Nachricht an seine Aktionäre im Tagesordnungspunkt „Varia“ versteckt: „Im übrigen prüfen wir die Gründung einer Bank“, sagte Limberger jüngst an der Generalversammlung. Fragen dazu wollte Limberger an der Generalversammlung der Von Roll nicht beantworten und entliess seine Aktionäre mit einigem Erstaunen aus der Sitzung. Auch auf Nachfrage der „Handelszeitung“ bleibt Limberger verschlossen: „Ich habe an der GV alles gesagt.“

Sven Ohligs, Pressesprecher der Von Roll, wird doch etwas konkreter: „Die Initiative dazu ist vom Verwaltungsrat aus gegangen.“ Zu diesem gehören neben Präsident Limberger auch Guido Egli (Vizepräsident), Mövenpick-CEO und Vertrauter des Von Roll-Mehrheitsaktionärs August von Finck (63,1%), sowie Gerd Amtstätter, Generalbevollmächtigter der von Finck´schen Hauptverwaltung. Das Ergebnis der Prüfung ist noch offen. „Es ist nicht beabsichtigt, die bisherige Firmenstrategie zu ändern, das Bankprojekt ist als Ergänzung zur bisherigen Strategie des Unternehmens gedacht“, so Sprecher Ohligs.

Eine kostspielige Ergänzung jedenfalls. Allein die Gebühren der Eidgenössischen Bankenkommission können bis zu 50000 Franken betragen, hinzu kommt noch weit mehr für Revisionsstelle und Anwaltskosten. Der Bankenfachmann und Professor am Swiss Banking Institut, Hans Geiger, zeigt sich denn auch überrascht ob den Plänen des Industrieunternehmens. Für ihn macht ein so grosser Schritt wie die Gründung einer Bank nur Sinn, wenn man ein neues Geschäftsfeld eröffnet.

Allein zur Verwaltung des Vermögens von Von Roll-Mehrheitsaktionär August von Finck dürfte sich die Gründung einer eigenen Bank lohnen. Das geschätzte Vermögen des seit 1999 auf Schloss Weinfelden im Kanton Thurgau wohnhaften Barons beläuft sich auf 6 bis 7 Mrd Dollar. Von Roll machte 2007 einen Umsatz von 620 Mio Franken. Weitere Grossaktionäre des in Wädenswil ansässigen Isolationsherstellers sind die Deutsche Bank Gruppe mit 3,6% und der Investor Rumen Hranov (0,2% und 3,8% via Optionen).

Kürzlich hat von Finck über seine Gesellschaft Clair Finanz das Utoschloss an der Zürcher Seepromenade erworben. Es ist allerdings fraglich, ob dort allenfalls der Hauptsitz einer neuen Bank geplant ist. Denn im Gebäude sind unter anderem bereits die Privatbank LODH ansässig, und es bestehen andere, langfristig ausgerichtete Mietverhältnisse.

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