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Vontobel: Mehr Kundengelder, kein automatischer Informationsaustausch

Im Investment Banking von Vontobel drückten die gedämpften Aktivitäten am Markt die Erträge. (Bild: Keystone)

Automatischer Informationsaustausch? Nein, danke. Dieser Ansicht ist jedenfalls Vontobel-Konzernchef Zeno Staub. Seine Bank konnte heute einen neuen Höchststand bei Kundenvermögen vermelden.

Veröffentlicht am 06.02.2013

Die Bank Vontobel kann sich auch nach dem Scheitern des Abgeltungssteuerabkommens mit Deutschland nicht für den automatischen Informationsaustausch erwärmen. «Er ist heute kein globaler Standard und wird auch in absehbarer Zeit kein globaler Standard», sagte Konzernchef Zeno Staub im Gespräch mit Reuters.

«Wenn er kein Standard wird, sondern eine europäische Insellösung, sollten wir ihn nicht annehmen.» Wer den automatischen Informationsaustausch in den Verhandlungspoker einbringen wolle, mache einen Denkfehler. Die noch vor einigen Monaten geschlossene Schweizer Front gegen den Informationsaustausch beginnt allmählich zu bröckeln. Im Januar hatte der Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers erklärt, eine solche Lösung dürfte nicht an seinem Verband scheitern. Wichtiger sei der Marktzugang zur Europäischen Union. Kurz darauf regte auch der Vizepräsident der BDP Verhandlungen mit der EU zum Informationsaustausch an.

Bis zu den Bundestagswahlen kein Thema

Nach Einschätzung von Vontobel-Chef Staub ist eine Neuauflage eines Abgeltungssteuer-Abkommens mit Deutschland zumindest bis zu den deutschen Bundestagswahlen kein Thema. «Es gibt aber auch keinen Grund, in Hektik zu verfallen und verzweifelt nach Plan B, C oder D zu suchen. Es gibt einen klaren Plan A und der heisst globale Standards.» Die Schweiz habe diese Standards akzeptiert und gebe damit die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug auf.

Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit gebe es angesichts der Ablehnung der Abgeltungssteuer mit Deutschland keinen anderen Weg als eine Kombination aus Selbstinitiative der Kunden und möglicherer weiterer Rechtshilfegesuche.

Die deutschen Vontobel-Kunden mit Konten in der Schweiz seien seit Jahren dabei, ihre Vermögen zu regularisieren. «Vor der Abstimmung zur Abgeltungssteuer im deutschen Bundesrat hat dieser Prozess eine gewisse Verlangsamung erfahren, weil viele Kunden erst mal abwarten wollten», sagte Staub. Und weiter: «Jetzt machen sie weiter.» Vontobel tritt im Geschäft mit vermögenden Privatkunden seit Jahren auf der Stelle. Trotz eines Zukaufs verharren die verwalteten Vermögen unter 30 Milliarden Franken. Ganz anders das Asset Management. Die verwalteten Vermögen in dem Bereich kletterten alleine 2012 um 30 Prozent auf 61,4 Milliarden Franken.

Das ist zu einem grossen Teil der New Yorker Einheit zu verdanken. Der vor allem dem Star-Fondsmanager Rajiv Jain geschuldete Erfolg hat aber auch seine Schattenseiten. Jain ist für Vontobel inzwischen so wichtig geworden, dass Analysten von einem Klumpenrisiko sprechen. Um diese Sorgen zu zerstreuen, hatte Vontobel in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass die Expertise auf mehr Fondsmanager verteilt werden soll.

Vontobel kommt Jain aber auch weit entgegen. «Herausragende Fondsmanager sind wie Künstler», erklärt Staub. «Sie suchen ein Umfeld, dass Ihnen grösstmögliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet.» Dazu gehöre, dass Fondsmanager bei der Umsetzung ihres Anlagestils grosse Freiheiten haben. Vontobel habe aber auch den Vertrieb ausgebaut und habe inzwischen Zugang zu 90 Prozent des weltweiten institutionellen Marktes. «Selbstverständlich ist mit der erbrachten Performanceleistung auch eine leistungsgerechte Vergütung verbunden», sagte Staub mit Blick auf Jains Entlöhnung.

Vontobel mit deutlich mehr Gewinn im Jahr 2012

Die Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden hat bei der Bank Vontobel im vergangenen Jahr die Kasse klingeln lassen. Der Reingewinn stieg um 15 Prozent auf 130,6 Millionen Franken. Zudem zog die Bank so viel Neugeld wie noch nie an, was die Kundengelder auf einen neuen Höchststand trieb.

Per saldo trugen die Kunden 8,6 Milliarden Franken an neuen Geldern zu Vontobel nach 8,2 Milliarden Franken im Vorjahr. Zusammen mit Kursgewinnen kletterten die Kundenvermögen in den letzten zwölf Monaten von 131,6 Milliarden auf 149,6 Milliarden Franken. Das sei ein neuer Rekord, teilte Vontobel mit.

Der Zufluss kam vor allem aus der Vermögensverwaltung für professionelle Kunden wie beispielsweise Pensionskassen: Das Asset Management erhielt dank eines starken Fondsgeschäfts netto Neugelder in Höhe von 8,2 Milliarden Franken.

Besonders das Geschäft in den USA und den aufstrebenden Schwellenländern boomte. So konnte das Asset Management den Segmentgewinn mit 75,5 Millionen Franken mehr als verdoppeln, wie Finanzchef Martin Sieg auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich erklärte.

Private Banking unter Druck

Das Asset Management glich die Schwächen im Private Banking und der Investmentbank aus. Die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden konnte wegen des Rückzugs aus Österreich lediglich 0,9 Millirden Franken an neuen Geldern anlocken nach 1,1 Milliarden im Vorjahr.

Obwohl sich die Stimmung an den Finanzmärkten seit Jahresbeginn 2012 aufgehellt habe, seien die Privatanleger in einer passiven Haltung verharrt, hiess es. Sie sitzen weiterhin auf hohen Bargeldbeständen und handeln kaum. Dies drückte die Erträge.

Der Gewinn der Sparte sank auf 28,8 Millionen Franken. Das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahr. «Wir haben schon in der Vergangenheit gesagt, dass Wachstum und Profitabilität im Private Banking nicht unseren Ambitionen entsprechen», sagte Vontobel-Chef Zeno Staub. Die Vermögensverwaltung für Reiche leide einerseits wegen des ausländischen Drucks auf den Finanzplatz Schweiz. Andererseits sei Vontobel stärker als die Konkurrenten auf westeuropäische Kunden ausgerichtet, sagte Staub. Das grenzüberschreitende Geschäft mit Kunden aus Deutschland hapert. Aber das Private Banking sei ein langfristiges Geschäft. Vontobel habe Veränderungen eingeleitet. «Die werden Zeit brauchen», sagte Staub. Man sei auf Kurs.

Erwartungen übertroffen

Auch dem Investment Banking machten die tieferen Umsätze an den Börsen zu schaffen. Das Spartenergebnis tauchte um 28 Prozent auf 68,6 Millionen Franken. Damit hat sich der Gewinn der Sparte seit 2009 mehr als halbiert.

Dennoch hat Vontobel insgesamt die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Am leicht höheren Schweizer Aktienmarkt stieg die Aktie bis nach Börsenschluss um 3,15 Prozent. «Wir haben die Effizienz und Profitabilität trotz der sehr tiefen Umsätze an vielen für uns wichtigen Börsen und Handelsplätzen gesteigert», sagte Staub. Die Bank konnte den Betriebsertrag um 1 Prozent steigern, während die Kosten stabil blieben.

Das Kosten-/Ertragsverhältnis verbesserte sich von 80,0 auf 78,8 Prozent. «Damit sind wir aber noch nicht zufrieden», sagte Staub. Bis zum nächsten Jahr wolle Vontobel das Kosten-/Ertragsverhältnis auf unter 75 Prozent drücken. Bis dann will die Bank die Kundenvermögen auf über 175 Milliarden Franken gesteigert haben.

Das Vermögensverwaltungsgeschäft sei sehr gut ins Jahr 2013 gestartet, vor allem das Asset Management und das Geschäft mit externen Vermögensverwaltern, sagte Staub. Erstmals seit mehreren Jahren verspüre man bei den Privatkunden eine «gewisse Belebung».

(muv/chb/sda)

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