Die Privatbank Vontobel will künftig den vielerorts unerwünschten amerikanischen Kunden Unterschlupf gewähren und hat dazu die Vontobel Swiss Wealth Advisors AG in Zürich gegründet (siehe Box). Hinter den Kulissen hat die Vontobel-Gruppe aber noch weitere Expansionspläne im Köcher. Ihr Augenmerk liegt auf dem europäischen, aber auch dem lateinamerikanischen Markt.

Akquisitionen ins Auge gefasst

Neben den USA wittert die Bank in den bestehenden europäischen Märkten Schweiz, Italien, Deutschland und Österreich Potenzial. «Über unsere Aktivitäten verfügen wir über eine ausgezeichnete Basis, um nicht nur im Onshore-, sondern auch im grenzüberschreitenden Geschäft zu wachsen», sagt Fanconi. Entsprechend verdichtet die Privatbank ihre Präsenz in diesen Märkten. Aber auch das Offshore-Geschäft will Vontobel weiter vorantreiben. «Das klassische Offshore-Geschäft in vielversprechenden Märkten wie Lateinamerika, Mittel- und Osteuropa bauen wir weiter aus», sagt Peter Fanconi, Leiter Private Banking Vontobel.

Vontobel schliesst dabei auch Akquisitionen nicht aus. Denn neben der abgeschlossenen Integration der Vontobel Bank in Genf wecke die erfolgreiche Übernahme der Commerzbank (Schweiz) AG Appetit auf mehr. «Wir bleiben deshalb wachsam und beobachten den Markt sehr genau», sagt Fanconi. Dabei setzt er unter anderem auch auf den zunehmenden Konkurrenzdruck im Schweizer Bankensektor, wodurch weitere Übernahmekandidaten auf den Markt gelangen könnten. «Ich gehe davon aus, dass aufgrund der zunehmenden Regulierungen und der hohen Wettbewerbsdichte künftig einige Konkurrenten aus dem Markt scheiden werden», sagt er (siehe «Nachgefragt»).

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Neues Büro in Italien

Bereits eingeleitet ist die Expansion in Italien. Denn trotz der Steueramnestie, dem Scudo Fiscale, konnte Vontobel einen Grossteil der Kundenbeziehungen wahren. «Italienische Privatkunden, die von der Möglichkeit des Scudo Gebrauch machen, repatriieren zwar ihre Vermögenswerte in die Heimat. Niemand ist aber bereit, Zugeständnisse in puncto Beratungs- und Dienstleistungsqualität zu machen», sagt Fanconi. Damit habe sich der bisherige Standort in Italien sehr bewährt. «Wir sind zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort», sagt er. Aufgrund der erfreulichen Kundenresonanz, wie Fanconi sagt, wolle die Bank ihre Position in Italien weiter stärken. «Wir werden unsere Aktivitäten vor Ort intensivieren und im zweiten Halbjahr neue, grössere Räume beziehen.»

Aber nicht nur in Europa und Lateinamerika glaubt die Privatbank an zusätzliches Wachstumspotenzial. Wie auch andere Schweizer Konkurrenten setzt Vontobel auf den asiatischen Markt. «Auch wir sehen Wachstumschancen in diesem Markt», sagt der Leiter Private Banking. So sei das Asset Management bereits seit mehreren Jahren in Hongkong präsent. «Aber auch für das Geschäft mit Privatkunden verfügen wir über Spezialisten vor Ort», sagt Fanconi.

Trotz dem enormen Marktpotenzial will sich Vontobel aber in Asien nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. So gelte es die Profitabilität im Auge zu behalten. «Ein forciertes Wachstum um jeden Preis ist für die Vontobel-Gruppe keine Option», sagt der Leiter Private Banking.

Neugeld dank Eurokrise

Erfreulich entwickelt sich derzeit das Neukundengeschäft im Private Banking der Vontobel-Gruppe. So suchen Kunden aus Europa wieder Zuflucht in der Schweiz und damit auch bei Vontobel. «Es ist in der Tat so, dass uns in diesen Tagen und Wochen vermehrt vermögende Privatkunden aus dem benachbarten Ausland ansprechen», sagt Fanconi. Dies dürfe aber nicht nur auf die Verunsicherung im Euro-Raum zurückgeführt werden. Vielmehr überzeuge die Bank als unabhängiger Partner. «Unser Leistungsnachweis trägt Früchte, entsprechend sind wir mit dem Neugeldzufluss zufrieden», sagt er.

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Wie lange dieser Trend anhalten wird, sei momentan ungewiss. «Erfreulich ist aber die Tatsache, dass nicht nur die Stärke des Schweizer Frankens ausschlaggebend ist, sondern dass der Schweizer Finanzplatz im Speziellen und die Schweiz im Allgemeinen als verlässlicher und vertrauensvoller Partner wahrgenommen wird», sagt er.

Sind damit die Negativschlagzeilen rund um das Schweizer Bankgeheimnis und die kursierenden Daten-CD bereits wieder vergessen? «Nein, aber ich sehe eine gewisse Relativierung», sagt der Leiter Private Banking. Denn hatte so mancher ausländische Beobachter schon das Ende der hiesigen Vermögensverwalter prophezeit, lasse man diese aktuell nun wieder auferstehen. «Als Zufluchtsort für all jene, die um die Stabilität ihrer Währung und ihrer heimischen Wirtschaft bangen», sagt Fanconi.

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NACHGEFRAGT

Peter Fanconi, Leiter Private Banking der Vontobel-Gruppe
«Mancher Anbieter wird vom Markt verschwinden»

Das Bankenumfeld wird zunehmend reguliert. Wie stark ist die Vontobel-Gruppe von den Machtspielen betoffen?

Peter Fanconi: Der zunehmende politische Regulierungsdruck ist nicht nur für die Vontobel-Gruppe, sondern generell für die Schweizer Vermögensverwalter ein gewichtiges Thema. Denn auf internationaler Ebene spielen oft auch protektionistische Bestrebungen mit. Dabei kann es um Marktzugangsbeschränkungen gehen oder um fiskalische Interessen, wie die Fälle in den USA und in Deutschland gezeigt haben.

Welche Konsequenzen werden sich daraus für den Schweizer Bankenmarkt ergeben?

Fanconi: Die regulatorischen Herausforderungen verschärfen die Komplexität signifikant und führen zu einem markanten Mehraufwand, der entweder einen klaren Fokus erzwingt oder eine Mindestgrösse zur Überlebensfähigkeit voraussetzt. Mancher Anbieter wird in der Konsequenz vom Markt verschwinden oder seine Unabhängigkeit verlieren.

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Für zunehmende Diskussionen sorgt auch die Einführung einer Abgeltungssteuer, also eine Quellensteuer auf Kapitalerträge. Welche Position nehmen Sie dabei ein?

Fanconi: Ich unterstütze grundsätzlich die Forderung nach einer Abgeltungssteuer. Sie liegt im Interesse aller Beteiligten. Es ist jetzt aber an der Politik, hier entsprechende Schritte zu machen.

Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise fokussieren immer mehr Banken ihren Heimmarkt Schweiz. Wie kann sich Vontobel innerhalb der zunehmenden Konkurrenz positionieren?

Fanconi: Wir müssen uns nicht neu erfinden. Im Gegenteil: Wir positionieren uns über unsere Stärken. In Zeiten, in denen die Märkte starken Schwankungen ausgesetzt und Kunden verunsichert sind, erleben Tugenden wie die der Vontobel eine Renaissance. Dies zeigt sich auch am grossen Kundenzuspruch, den wir an den beiden neu eröffneten Standorten in Basel und Bern erleben.

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