Nimmt man den Halbjahresbericht der Interroll Holding unter die Lupe, so kann man feststellen, dass sich die Unternehmensgruppe bis Mitte Jahr recht gut gehalten hat. Geht das im 2. Halbjahr so weiter?

Paul Zumbühl: Das wirtschaftliche Umfeld ist unserer Meinung nach noch immer angespannt. Auch in den USA sind die Konjunkturaussichten leicht getrübt. Wir sehen noch einige Wolken am Horizont, die eine längerfristige Prognose schwierig machen. Wir haben erfreulicherweise in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Marktanteile in verschiedenen Segmenten gewonnen, indem wir neue Kundenkreise erschliessen konnten.

Erwarten Sie in der Umsatzaufteilung auf die verschiedenen Märkte Verschiebungen?

Zumbühl: In Nordamerika haben die Umsätze stark angezogen. So erhielten wir von einem US-Postunternehmen den bisher grössten Sorterauftrag in dieser Region. Aber auch in China stellen wir eine Belebung der Geschäftstätigkeit fest. In Europa konnten wir das Geschäftsvolumen halten.

Wie sieht es in den osteuropäischen Staaten für Interroll aus?

Zumbühl: Hier hat sich die Geschäftstätigkeit durch verschiedene interessante Aufträge wieder belebt, und wir werden in dieser Region unsere Präsenz weiter ausbauen.

Hat man noch weitere Märkte im Visier?

Zumbühl: Wir konnten in jüngster Zeit unsere Präsenz in den Emerging Markets weiter ausbauen, insbesondere in Brasilien, Indien und China. In diesen Ländern findet in Zukunft das Wachstum statt, insbesondere in Branchen, in denen unsere Produkte vermehrt gefragt sind.

Interroll hat im 1. Halbjahr eine neue Ausrichtung der Vertriebsorganisation in Angriff genommen. Wie weit ist man damit schon ?

Zumbühl: Wir möchten in Zukunft gegenüber unseren Kunden stärker als bisher das gesamte Interroll-Programm an Schlüsselprodukten für die innerbetriebliche Logistik und die Automation in den Vordergrund rücken. In den kommenden Jahren wollen wir verstärkt kundenorientierte Gesamtlösungen anbieten.

Bedeutet dies, dass sich Interroll stärker als bisher in der Planung und Konzeptionierung von Logistikeinrichtungen engagieren muss?

Zumbühl: Wir sind in erster Linie Lieferant für Schlüsselprodukte in Logistikanlagen und müssen deshalb auch über vertiefte Kenntnisse über die Einsatzmöglichkeiten unserer Produkte in Gesamtanlagen verfügen, nur dann können wir unsere Kunden optimal beraten.

An der Bilanzpressekonferenz vom März erklärten Sie, dass die Kunden von den Vorteilen der -etwas teureren- Fliesslagertechnik zwar überzeugt sind, aber aus Mangel an finanziellen Mitteln eine billigere Lösung wählen. Ist dies noch immer feststellbar?

Zumbühl: Der Kunde ist wieder vermehrt von den Vorteilen einer rationellen und oft etwas teureren Lagertechnik überzeugt. Vor allem der kurze Return on investment ROI überzeugt in zunehmendem Masse die Kundschaft.

Ein anderer Trend ist das wachsende Bewusstsein für ökologische Lösungen auch in der Logistik ?

Zumbühl: Dieser Trend wird in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen. Selbst in China verlangen Kunden heute nicht nur rationelle, sondern auch ökologische Anlagen in der Fördertechnik. In dieser Beziehung können wir auf unsere Schlüsselprodukte für den energie- und ressourcenfreundlichen Einsatz in der betriebsinternen Logistik zählen.

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Gibt es noch immer Optimierungsmöglichkeiten, um einzelne Produkte weiterzuentwickeln?

Zumbühl: Wir werden in Zukunft in vermehrtem Masse zusätzliche Intelligenz in unsere Schlüsselprodukte einführen, mit der einzelne Prozesse gesteuert werden können. Dies führt zu höherer Effizienz von Lageranlagen und geringerem Energieverbrauch.

Nun gibt es aber auch Firmen, welche versuchen, die Produkte von Interroll zu kopieren. Wie stark schaden diese Ihrem Unternehmen?

Zumbühl: Diese Gefahr ist immer latent vorhanden., damit müssen wir leben. Unser technologisches Know-how bei den einzelnen Komponenten wie auch in Fertigung und Vertrieb lässt sich allerdings nicht kopieren, und dies ist unsere Stärke. Aber auch unsere Innovationskraft erlaubt es uns, stets einen technologischen Vorsprung zu halten.

In den vergangenen Monaten stellte Interroll eine neue Roller-Drive-Generation fertig. Welche Vorteile hat diese?

Zumbühl: Dank einer neuentwickelten Steuerung eröffnet dieses Produkt auch den Zugang zu kleineren Anlagenbauern, die dadurch von der hohen Anwenderfreundlichkeit dieser Entwicklung profitieren können. Diese neue Roller-Drive-Generation kann mit wenig Aufwand in bestehende Anlagen integriert werden.

Für die Entwicklung dieser neuen Produkte sind die entsprechenden Ingenieure von grosser Bedeutung. Lassen sich diese heute in ausreichendem Masse rekrutieren?

Zumbühl: Zum einen bilden wir selber die entsprechenden Fachkräfte, die direkt von der Universität kommen, aus. Aber auch die Entwicklungsmöglichkeiten, welche das breite Interroll-Programm bietet, wirken sich attraktiv auf die Stellensuchenden aus.