Wer sich in der Schweizer Softwarebranche umhört, erhält unterschiedliche Einschätzungen über den Geschäftsverlauf. «Die Marktanalysten von IDC rechnen für den IT-Markt erst im Jahr 2011 wieder mit einem nennenswerten Wachstum», sagt Maurizio Conti, Managing Director der Software AG in der Schweiz, «und das spüren wir durch eine verzögerte Investitionsbereitschaft unserer Kunden.»

«Unabhängig von der Branche hat sich die Investitionsbereitschaft bei Grossunternehmen für Enterprise Software und IT-Projekte neben dem Preiszerfall erheblich reduziert», beobachtet auch Philipp Sander, Marketingchef von Scalaris, «Neukundengewinne konzentrierten sich auf kleinere und mittelgrosse Betriebe wie auch auf die öffentliche Hand oder aber Banken, die ihr Kern- system wechseln.» «Es gibt einige Unternehmen, welche unter der aktuellen Wirtschaftslage stark leiden», ergänzt Patrick Burkhalter, CEO bei Ergon. «Andererseits gibt es aber auch Unternehmen, bei denen es sehr erfreulich tönt», sagt Burkhalter weiter, «man hat fast das Gefühl, dass sich in den schwierigen Zeiten die Spreu vom Weizen trennt. Die höhere Anzahl Spontanbewerbungen zeigt, dass es Firmen gibt, die Personal reduzieren.»

Konsolidierungsdruck nimmt zu

«Bei den grösseren Unternehmungen mit mehr als 100 Mitarbeitern ist die Wirtschaftskrise schlicht inexistent», sagt Ruedi Wipf, CEO von Adnovum Informatik, «kleinere Softwarefirmen haben jedoch zunehmend Schwierigkeiten, sich glaubwürdig im Markt zu präsentieren. Dies dürfte über die nächsten Jahre zu einer Konsolidierung der Anbieterlandschaft führen.» «Es ist mit einer weiteren Konsolidierung der ERP-Anbieter zu rechnen, da die Entwicklung einer komplett neuen Internet-basierten ERP-Software grosse Investitionen erfordert, die in einigen Fällen von kleineren Softwarehäusern nicht mehr erbracht werden können», sagt auch Claudio Hintermann, CEO von Abacus Research. Kleinere Unternehmen würden vermehrt von Software-as-a-Service-Angeboten profitieren, welche es erlauben, ohne Einmalinvestitionen Softwaremodule auf einer Mietbasis zu nutzen. «Grössere Unternehmen werden umfangreiche und teure Softwarelösungen nur noch dann einsetzen, wenn sie auch international tätig sind», erwartet Hintermann, «und national ausgerichtete Unternehmen werden kostengünstigere Lösungen bevorzugen.»

Anzeige

Vielerorts kein Krisenjahr

Bei Ergon selber ist man zufrieden mit dem Geschäftsgang im laufenden Jahr. «Wir liegen klar über unseren Erwartungen von 10% mehr Umsatz und Gewinn», sagt Burkhalter. Aus dem Finanzsektor sei die Nachfrage eher flau. Bei allen anderen Branchen ist sie anhaltend gut. Bis heute wurden keine eigenen Projekte gestoppt. «Die Projekt-Pipeline ist vielversprechend und die nächsten Monate werden aller Voraussicht nach für uns noch sehr gut werden.» «Wir rechnen für 2009 mit einem erfreulichen Geschäftsjahr und blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft», sagt auch Thomas Flatt, CEO bei Abraxis. «Bei innovativen Projekten wird hingegen schon spürbar, dass derzeit mancherorts der Mut zur Initiative etwas fehlt. Besonders deutlich ist dies etwa in der Entwicklung von national gültigen Technologie-Standards.»

«Nach einem etwas verhaltenen 1. Quartal haben wir jetzt wieder gut gefüllte Auftragsbücher», sagt Andrej Vckovski, CEO der Netcetera Gruppe. «Allerdings spüren wir die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten bei unseren Kunden, die Verkaufszyklen sind länger und die Projekte gleichzeitig kleiner geworden.» Die Schwankungen und die kurzfristigen Bestellungen könnten nach langem Vorlauf gut absorbiert werden. «Fürs nächste Jahr erwarten wir, dass sich die Lage in einigen Kundensegmenten, wie bei den Finanzdienstleistern, entspannt», sagt Vckovski, «einzelne Kunden, beispielsweise aus der Raumfahrt oder dem Transportwesen, sind von der aktuellen Wirtschaftslage kaum betroffen.»

«Traditionell ist die Finanzindustrie eine der Kernbranchen der Software AG und daher sehen wir insbesondere in der Schweiz noch vielfältige Perspektiven für neue Geschäfte», sagt Maurizio Conti, frischgebackener Managing Director der Software AG Schweiz.

Freude über Umsatzwachstum

«Wir können uns nicht beklagen», sagt Peter Herger, Geschäftsführer der Proffix Software, «per 30. Juni 2009 waren wir rund 10% über Vorjahr.» Der Sommer sei gewohnt ruhig, aber im Umfeld zeige sich, dass man sich auf einen guten Herbst freuen dürfe. «Natürlich ist die Entwicklung nicht durchs Band positiv, aber im Grossen und Ganzen gibt es überall Verbesserungen im Vergleich zu unserem bereits sehr guten Geschäftsjahr 2008», sagt Herger weiter. Der Trend gehe verstärkt in Richtung Mietsoftware. «Bei uns läuft es vergleichbar gut wie im letzten Jahr», sagt Dynasoft-CEO Simon Lüdi. Zwar sei das Neugeschäft «zurückhaltend», aber immer mehr Kunden interessieren sich für Business-Intelligence-Anwendungen.

«Für das letzte Trimester rechnen wir mit einer weiterhin schwierigen Marktsituation», so Philipp Sander, Marketingchef von Scalaris. «2010 sehen wir eine leichte Erholung», sagt Sander weiter, «allerdings mit nochmals erhöhten Leistungsanforderungen sowohl bei Kunden, Partnern wie auch Mitarbeitern.»

«Trotz eines deutlich schwächeren 2. Quartals 2009 beim Verkauf von Neulizenzen sind wir zuversichtlich, dass wir den Vorjahresumsatz auch im laufenden Jahr wieder erreichen werden», sagt Claudio Hintermann, CEO Abacus Research. «Dank der Tatsache, dass grosse Teile der Standardsoftware von Abacus in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden können, sind wir etwas krisenresistenter als Unternehmen, die nur für eine bestimmte Branche Marktleistungen erbringen», sagt Hintermann. Mit der dieses Jahr gegründeten Niederlassung in München wird neu der deutsche Markt systematisch bearbeitet. Erste Projekte konnten bereits abgeschlossen werden.

Ausfälle bei Finanzkunden

«Nach einem bereits erfolgreichen 2008 verlaufen die Geschäfte 2009 erneut besser als im Vorjahr», sagt Ruedi Wipf, CEO Adnovum Informatik. Von Kunden aus dem Finanzumfeld gab es Anfang Jahr negative Signale und zum Teil Umsatzausfälle. «Wir konnten jedoch diese Ausfälle durch Kunden aus anderen Branchen überkompensieren», sagt Wipf, «und inzwischen zieht auch der Finanzsektor wieder an.»

Wipf gibt sich für die Zukunft sehr zuversichtlich. «Unsere Projekt-Pipeline ist bereits gut gefüllt. Für das Geschäftsjahr 2009/2010 erhielten wir bereits jetzt zwei Drittel des budgetierten Umsatzes zugesichert. Wir streben im nächsten Jahr in Bezug auf Headcount und Umsatz ein Wachstum von 8% an.»

 

 

NACHGEFRAGT


«Verschiedene Versionen technisch machbar»

Microsoft befindet sich in einem Launch-Jahr (siehe auch Seite 53). In wenigen Wochen erscheint das Betriebssystem Windows mit Windows 7 in einer neuen Version. Microsoft-Sprecherin Barbara Josef sagt, was Unternehmen erwarten können.

Ist Windows 7 für den Einsatz in Unternehmen geeignet?

Barbara Josef: Windows 7 beinhaltet neue Funktionen, die Unternehmen und ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität ermöglichen. Mit DirectAccess haben Mitarbeiter auch ausserhalb des Büros den gleichen Zugriff auf Informationen und Applikationen wie am Arbeitsplatz. Eine Verbindung zum Unternehmen mit VPN muss nicht mehr hergestellt werden. BranchCache erlaubt Mitarbeitenden in Zweigniederlassungen einen schnellen Dateizugriff auch bei langsamerer Verbindung.

Welche Vorteile bringt Windows 7 einem KMU?

Josef: Windows 7 ist schneller, auf dem aktuellsten Sicherheitsstand und wurde noch stärker auf die wichtigsten Anwendungen im Betrieb ausgerichtet. Das ermöglicht Arbeiten ohne Unterbrechungen und lange Suchvorgänge.

Wie lange kann ein Unternehmen noch die Vorgänger Windows XP oder Vista einsetzen?

Josef: Wenn Unternehmen noch mit Windows XP arbeiten, ist ein baldiger Umstieg sehr zu empfehlen. Es wurde zu einer Zeit entwickelt, als das Nutzungsverhalten sowie interne/externe Bedrohungen noch komplett anders waren. Bei Firmen, die jetzt erst Windows Vista implementieren oder dies vor kurzer Zeit gemacht haben, ist ein Wechsel aus Sicherheitsgründen zurzeit nicht unbedingt erforderlich.

Können durch den Einsatz von verschiedenen Windows-Versionen Nachteile entstehen?

Josef: In einer homogenen IT Umgebung ist der Verwaltungsaufwand viel geringer und damit verbunden das IT-Management kostengünstiger. Rein technisch ist es gut möglich, verschiedene Versionen parallel zu betreiben.