ALU-BRANCHE SCHWEIZ. In der internationalen wie der nationalen Aluminiumszene haben sich 2007 tiefgreifende Veränderungen eingestellt, denken wir nur an die Übernahme von Alcan durch Rio Tinto oder den Kauf der Alu-Menziken-Gruppe durch Montana. Wie weit haben diese Veränderungen einen Einfluss auf den schweizerischen Aluminiummarkt?

Marcel Menet: Die von den weltgrössten Bergbaukonzernen beschleunigte Konzentration wird sich vor allem auf die Mechanismen der Rohmetall-Beschaffung auswirken. Hier müssen die Halbzeugproduzenten und Verarbeiter – auch die hiesigen – vermehrt der Sicherung des eigenen Bedarfs Sorge tragen. Aus den globalen Zusammenschlüssen ergeben sich aber für innovative Schweizer Betriebe neue Chancen, mit kundenna- hen Leistungen ihre Marktanteile auszubauen.

2007 wird beim Aluminiumverbrauch in der Schweiz zu einem Rekordjahr. Oder ist diese Behauptung falsch?

Menet: Nein, im laufenden Jahr konnten wir tatsächlich eine weitere Steigerung des Absatzes verzeichnen. Dies, obwohl bereits 2006 für uns ein historisches Rekordjahr war. Die entsprechenden Detailzahlen kommen im Frühling.

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Was läuft an der Preisfront für Rohaluminium? In den letzten Jahren zog Alu parallel zu den anderen Rohstoffen stark an.

Menet: Gegenüber den hektischen Vorjahren hat sich die Situation wieder beruhigt. Die Notierung ist innerhalb Jahresfrist sogar von 3600 auf 3000 Fr. pro Tonne Aluminium gesunken.

Konnte die Schweizer Aluminiumindustrie davon profitieren, ihr Angebot eventuell sogar ausweiten?

Menet: Bereits während der dramatischen Hausse der Rohstoffpreise in den Jahren 2005 und 2006 waren die Steigerungen beim Aluminium vergleichsweise eher moderat. Die Halbzeughersteller mussten deshalb kaum Margeneinbussen hinnehmen. Infolge des Rückgangs des Aluminiumpreises in diesem Jahr hat sich die Wettbewerbssituation gegenüber anderen Metallen weiter verbessert.

Wachsen in der Schweiz der Inlandverbrauch und der Export in etwa ähnlich? Oder gibt es eklatante Unterschiede?

Menet: Nein, sowohl der Inlandverbrauch als auch der Export hatten in diesem Jahr Mengensteigerungen zu verzeichnen. Dank dem starken Euro hat in diesem Jahr jedoch das Exportgeschäft weiter an Attraktivität gewonnen.

Welcher Abnehmer spielt Wachstumsmotor in der Schweiz?

Menet: Die Transportindustrie ist und bleibt unser Zugpferd. Doch auch der Maschinen- und Apparatebau spielt zurzeit eine wichtige Rolle. Gesamthaft dürfen wir feststellen, dass sich alle Kundensegmente erfreulich weiterentwickelt haben.

Dazu gehört sicherlich auch der Bau. Die Baubranche schaut auf ein umsatzstarkes Jahr 2007 zurück. Wie weit konnte hier Aluminium profitieren?

Menet: Nach den eher schwierigen vorangegangenen Jahren war die Baubranche sowohl 2006 als auch in diesem Jahr gut ausgelastet, auch wenn die Ertragssituation noch Verbesserungspotenzial aufweist.

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Der Baubereich zeichnete sich in den letzten Jahren durch verschiedene Innovationen aus, so im Tür- und Fensterbau. Gab es auch dieses Jahr Neuerungen, die vom Markt positiv aufgenommen wurden?

Menet: Verschiedene Systemhäuser führten neue Fenster- und Türsysteme aus Ganzaluminium für den Schweizer Markt ein, die noch besser wärmegedämmt sind und einen grösseren Einbruchschutz bieten.

Weniger Freude macht Ihnen, dass Aluminium in «eco-devis» im Vergleich zu anderen Baumaterialien schlechter abschneidet, weil das Recycling nicht mit- berücksichtigt wird und in der Umweltbilanz nur die effektive Herstellungsenergie – die «graue Energie» – enthalten ist. Wie kann man diesen Fehler korrigieren?

Menet: Wir haben bei den Bauanwendungen eine hervorragende Rücklaufquote von 90%, und die Herstellung von Recyclingaluminium benötigt lediglich einen Bruchteil jener Energie, die für die Erzeugung des Leichtmetalls aufgewendet wird. Durch das Nichtberücksichtigen des Recyclings in «eco-devis» erhöhen sich jedoch die Werte des Energieeinsatzes von Bauprodukten aus Aluminium um bis zu 100%. Wir verlangen daher von «eco-devis» eine Neubeurteilung der Baumaterialien, indem das Recycling in das Beurteilungsraster eingefügt wird.

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Wie beurteilen Sie das Wachstum der Schweizer Alubranche im Vergleich zum Ausland?

Menet: Das mengenmässige Wachstum der Schweizer Aluminiumindustrie entspricht in etwa den Entwicklungen im Ausland. Längerfristig dürfte entscheidend sein, dass sich die Schweizer Werke durch Spezialisierung und Fokussierung auf höhere Wertschöpfung in den verschiedenen Märkten des europäischen Umfeldes vorteilhaft positioniert haben.

Mit welchem Wachstum rechnen Sie für 2008?

Menet: Nach den massiven Steigerungen der letzten Jahre rechnen wir mit einer Abflachung auf hohem Niveau. Doch gibt es durchaus Branchen, wie etwa der Energiebereich und die Verpackung, in denen noch Aufholpotenzial vorhanden ist.

Die Branchen-Dachorganisation alu.ch hat vor einem Jahr den Austritt aus dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse bekannt gegeben. Andere Verbände haben diesen Schritt ebenfalls angedroht, dann aber nicht vollzogen. Ist alu.ch bei Economiesuisse nun wirklich ausgetreten?

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Menet: Ja, wir sind auf den im Mai 2006 gefällten Entscheid nicht mehr zurückgekommen.