Der Aufstieg der einheimischen Lenovo, Xiaomi und Co. macht den internationalen Marktführern in China schon lange Sorgen. Und nun könnten Apple und Samsung noch weiter zurückgedrängt werden. Der Grund: Chinas staatlich kontrollierte Mobilfunkanbieter planen eine empfindliche Reduktion der Subventionen für Smartphones.

Wie in Europa werden Handys auch in China zusammen mit Verträgen verkauft. Der Kaufpreis für die Geräte verringert sich dabei um bis zu 90 Prozent. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Marktführer China Mobile nun bekannt gegeben, die Unterstützung um zwei Milliarden Dollar zu verringern. Und damit nicht genug. Nach Einschätzung von Analysten dürften die anderen Anbieter in China nachziehen und weitere 1,9 Milliarden Dollar streichen.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Apple und Samsung besonders betroffen

Der grösste Handymarkt der Welt wird damit für ausländische Firmen noch schwieriger. Kurz vor der mutmasslichen Einführung von Apples iPhone 6 und dem Galaxy Note 4 von Samsung könnten solche Highend-Produkte für einen grossen Teil der Bevölkerung unerschwinglich werden.

«Es ist klar, dass die geringeren Subventionen den Kaufentscheid beeinflussen werden», erklärt Analyst Tay Xiaohan gegenüber Bloomberg. «Der Effekt dürfte insbesondere bei teuren Geräten wie dem Samsung Note 4 und dem iPhone 6 zu spüren sein.» Weder Apple noch Samsung wollten indes zu den möglichen Auswirkungen Stellung nehmen.

Xiaomi und Lenovo profitieren

Bei einem geschätzten Fabrikpreis von 800 Dollar wäre das angekündigte iPhone 6 mit entsprechendem Vertrag für rund 100 Dollar über den Ladentisch gegangen. Die restlichen 700 Dollar hätte der Anbieter übernommen. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Arbeiter in China verdient je nach Region zwischen 400 und 600 Dollar pro Monat.

Grosse Nutzniesser der reduzierten Subventionen dürften die einheimischen Handyhersteller werden. Xiaomi und Lenovo bieten schon seit einiger Zeit billigere Alternativen zu den Geräten von Samsung und Apple an. Erst im zweiten Quartal hat Xiaomi laut Marktforschern die Spitzenposition im Smartphone-Geschäft in China erklommen. Mit 15 Millionen verkauften Geräten verwiesen sie Samsung (13 Millionen) auf den zweiten Platz. Nicht einmal in die Top fünf schaffte es Apples iPhone.

Regierung macht Druck

Über die staatlichen Medien hat die chinesische Regierung in jüngster Zeit wiederholt vor dem Einfluss von ausländischen Software- und Smartphone-Herstellern gewarnt. Unternehmen wie Apple und Microsoft wurde unter anderem vorgeworfen, Nutzerdaten an US-Geheimdienste weiterzugeben. Die Regierung verbannte deshalb Windows 8 aus den Amtsstuben und kündigte die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems an.

Ob auch der Abbau der Subventionen mit dieser Politik zu tun hat, ist schwer zu sagen. Klar ist indes, dass der Anstoss von der staatlichen Aufsichtskommission gekommen ist. Diese forderte die Mobilfunkanbieter kürzlich auf, in den nächsten drei Jahren 40 Milliarden Yuan (rund sechs Milliarden Franken) bei Werbung und Subventionen einzusparen.